Wolfgang Weiler ist neuer GDV-Chef


Er ist der neue Chef – aber die Bühne in Berlin gehört vor allem jemand anderem. Wolfgang Weiler ist zwar auf dem Versicherungstag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Mittwoch zum neuen Präsidenten des einflussreichen Lobbyverbandes GDV gekürt worden. Die Dramaturgie der Veranstaltung dient jedoch vor allem dazu, dem scheidenden GDV-Präsidenten Alexander Erdland einen würdigen Abschied zu bereiten. Nur eine kurze Laudatio ist dem 65-Jährigen mit den grauen Haaren und der drahtigen Figur vorbehalten, der zunächst für ein Jahr an die Spitze des Verbandes gewählt wurde. Doch schon bald dürfte der studierte Betriebswirt seine Stimme vernehmlicher erheben.

Denn die Versicherungsbranche mit ihren rund 500.000 Beschäftigten und Maklern hat durchaus Gesprächsbedarf. Digitalisierung, Klimaschutz, die demografische Entwicklung, die Zinspolitik sowie die Stabilität der Europäischen Union halten die Versicherer in Atem. Zudem machen die Milliardenaufwendungen für die gesetzlich für Lebensversicherer vorgeschriebene Zinszusatzreserve den Firmen zu schaffen, für die mancher Konzern nunmehr an die stillen Reserven gehen muss. Mit Weiler tritt nun einer der erfahrensten deutschen Versicherungsmanager an, um der Branche bei diesen wichtigen Fragen Gehör zu verschaffen. Neu in das GDV-Präsidium rücken zudem Munich-Re-Boss Joachim Wenning sowie Jürgen Junker, Chef der Württembergische ein.

Konkrete Forderungen an die kommende Regierung überließ der neue Cheflobbyist der Versicherer lieber noch seinem Vorgänger. „Wir wünschen uns, dass die neuen Mehrheiten am Ende zu einer Reformkoalition führen wird“, sagte Erdland. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der auf dem Versicherungstag als Gastredner ohne seine neue Lebensgefährtin auftrat, glaubt, dass CDU/CSU, FDP und Grüne sich letztlich auf eine Koalition einigen werden und forderte zügige Koalitionsverhandlungen.

Weiler wird sich in dieser ungewohnten Konstellation bewähren müssen. Doch ebenso wie Erdland bringt auch Weiler jahrzehntelange Erfahrung aus der Branche mit. Nach Stationen bei der Colonia und der Kölnischen Rück kam er 1988 zur Huk-Coburg, wo er seit Mitte 2009 an der Spitze der Coburger Versicherung stand. Dem promovierten Betriebswirt gelang dabei ein seltenes Kunststück. Er führte die HUK an die Spitze der deutschen Kraftfahrzeugversicherer. Bei seiner Verabschiedungals Chef der HUK spielte die Combo der Hochschule Coburg „I did it my way“ von Frank Sinatra. Nun setzt die Branche darauf, dass der studierte Betriebswirt dieses Kunststück auch in Berlin wiederholt.