Wolff verteidigt Stallregie: Wäre auch pro Bottas so passiert

Norman Fischer
Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff erklärt die Stallregie in der Schlussphase von Hockenheim und sagt, dass andersherum auch Valtteri Bottas hätte gewinnen dürfen

War die ausgegebene Stallorder eine bewusste Bevorzugung von Lewis Hamilton, der im WM-Kampf die deutlich besseren Karten hat? Nein, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und bestreitet, dass Valtteri Bottas die Nummer 2 im Team ist. "Wäre es andersherum gewesen - also Valtteri vorne und Lewis Zweiter -, hätten wir exakt die gleiche Anweisung gegeben", beteuert Wolff nach dem Formel-1-Rennen von Hockenheim. "Es ging nur darum, das Ergebnis nach Hause zu bringen - unabhängig davon, wer vorne war."

Nach der Safety-Car-Phase, die von Sebastian Vettels Unfall ausgelöst wurde, fand sich Lewis Hamilton plötzlich in der Spitzenposition wieder, weil er in der Neutralisation nicht noch einmal zum Reifenwechsel gekommen war - Teamkollege Bottas und Kimi Räikkönen (Ferrari) dahinter aber schon. In der ersten Runde des Neustarts attackierte Bottas Hamilton hart, doch plötzlich schien sich der Brite einen Vorsprung erarbeiten zu können.

Schnell wurde klar: Mercedes hatte Bottas eingebremst. Die Mercedes-Piloten sollten die Positionen halten, um den Doppelerfolg beim Heimspiel nicht mehr zu riskieren. "Es hat an einigen Stellen noch geregnet, es war noch feucht, und wir hatten in den vergangenen Rennen so viel Pech, dass ich mir noch nicht einmal vorstellen wollte, dass wir ein oder zwei Autos verlieren", so Wolff.

Wolff: Für Stallorder noch zu früh

Damit, dass Hamilton vorne lag und man dadurch seine WM-Chancen boosten konnte, habe es nichts zu tun gehabt: "Wir hätten das andersherum ganz genauso gemacht", betont Wolff noch einmal. "Das ist die Transparenz in unserem Team, dass wir keinen Unterschied machen. Für uns war es wichtig, den Doppelerfolg zu holen, um ein paar Punkte gutzumachen, die wir durch Pech verloren haben."

Eine generelle Stallorder schließt der Österreicher zu diesem Saisonzeitpunkt kategorisch aus - auch wenn der WM-Kampf mit Sebastian Vettel seit Saisonbeginn hin- und hergeht. "Racing ist das Wichtigste", unterstreicht der Motorsportchef. Erst im letzten Saisondrittel oder -viertel könne man sich vorstellen, diese "unpopulären Entscheidungen", wie Wolff sie nennt, zu treffen. "Aber jetzt ist es noch viel zu früh dafür."

Dass Ferrari etwas früher im Rennen ebenfalls eine Teamanweisung aussprach und Sebastian Vettel an Kimi Räikkönen vorbeilotste, obwohl dieser auf einer Zwei-Stopp-Strategie war und Vettel mit einem Stopp durchkommen wollte, hält Wolff derweil für knifflig. Denn immerhin musste Räikkönen in dieser Saison schon öfter zugunsten Vettels zurückstecken.

In Gedanken bei Sergio Marchionne

"Es ist eine schwierige Entscheidung", sagt er. "Auf der einen Seite möchtest du dein Ergebnis optimieren, denn das ist das, was du tun musst. Aber auf der anderen Seite musst du beiden Fahrern eine Chance geben, das Rennen zu gewinnen", so Wolff. "Kimi hatte in ein paar Rennen zu Saisonbeginn Pech, als die Strategie gegen ihn lief. Und hier hatte Ferrari Probleme, die richtige Entscheidung zu treffen - das ist verständlich."

Und noch etwas liegt Wolff bezüglich Ferrari auf dem Herzen. Der Motorsportchef wurde nach dem Rennen darauf angesprochen, dass er traurig aussehen würde, obwohl er das Rennen mit beiden Autos gewonnen hat. Hatte er ein schlechtes Gewissen wegen Bottas? Nein. "Wir sind superglücklich mit dem Ergebnis, aber wir haben eine tolle Rivalität zu Ferrari", so der Österreicher.

Er dachte nach dem Sieg an Ferrari-Präsident Sergio Marchionne, der seinen Posten aufgrund gesundheitlicher Probleme aufgeben muss. "Was mit ihm passiert, ist in unseren Köpfen", sagt Wolff. "Und selbst wenn wir auf eins und zwei sind, wollen wir ihn nicht vergessen - das ist sehr wichtig für uns. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute."