Wolff: "Unsere schwierigste Entscheidung seit Jahren"

SID
Wolff: "Unsere schwierigste Entscheidung seit Jahren"

Frage: "Herr Wolff, Mercedes hat am Ende dieses Rennens für Aufsehen gesorgt: Lewis Hamilton gibt seinen dritten Platz an Valtteri Bottas zurück, damit machte der Kommandostand die vorherige Teamorder wie angekündigt rückgängig. Wie kam diese Entscheidung zustande?"
Toto Wolff (45, Mercedes-Motorsportchef): "Wir haben lange überlegt, ob und wie wir das machen. Weil Max Verstappen (Red Bull, die Red.) ziemlich nah dran war, hätten wir durch diese Aktion auch alles verlieren können, und dann hätten wir wie Idioten ausgesehen. Aber nach einiger Abwägung haben wir uns mit Lewis' Unterstützung für diesen Weg entschieden. Mit ihm gab es keine Diskussionen, er hat sich einfach sportlich fair verhalten."

Frage: "Aber Hamilton, aktuell WM-Zweiter hinter Sebastian Vettel, hat dadurch drei Punkte liegen lassen. Ist das nicht sehr riskant mit Blick auf das Titelrennen?"
Wolff: "Absolut, und das war vielleicht die schwierigste Entscheidung, die wir in den vergangenen fünf Jahren treffen mussten. Ich bin auch gerade nicht besonders glücklich."

Frage: "Warum?"
Wolff: "Weil es naiv wäre zu sagen, dass wir diese Entscheidung sicher nie bereuen müssen. Wenn wir jetzt die WM mit drei Punkten Rückstand verlieren, werden alle sagen: Budapest ist der Grund. Und ich wäre der Erste, der sich ins Knie schießt."

Frage: "Warum entscheiden Sie sich dann für diesen Ansatz der Gleichberechtigung ihrer Piloten? Ferrari stützt schließlich ganz offensichtlich Vettel."
Wolff: "Weil wir mit diesem Ansatz drei Weltmeistertitel gewonnen haben, und weil auf diese Weise noch weitere hinzukommen werden. Heute hat es Lewis drei Punkte gekostet. Und möglicherweise kostet genau das am Ende auch den Titel, das ist uns völlig bewusst. Trotzdem wollen wir als Team so arbeiten. Wir halten uns an das, was wir ankündigen, und dann nehmen wir die Folgen auch in Kauf. Am Ende werden wir weit mehr Rennen und Titel mit diesem Ansatz gewinnen, als wenn wir uns für das Gegenteil entscheiden."

Frage: "Ferrari hat es nach der Jahrtausendwende ja zweimal genau andersherum gemacht, die Stallorder für Michael Schumacher und gegen Rubens Barrichello ging in die Geschichte ein. Aber Ferrari hatte damit Erfolg."
Wolff: "Aber wir sind grundsätzlich ja nicht hier, weil wir es so sehr lieben, im Kreis zu fahren. Wir sind hier, weil wir unsere Marke promoten und Autos verkaufen wollen. Und wir haben in der Vergangenheit gesehen, welche Auswirkungen rücksichtsloses Verhalten auf die Marke haben kann. Wir wollen auf die richtige Weise gewinnen. Manchmal ist es verdammt schwierig, sich an diese Prinzipien zu halten. Heute war das so."