Kritik an deutschen WM-Absagen: Wolff wird deutlich

Kritik an deutschen WM-Absagen: Wolff wird deutlich
Kritik an deutschen WM-Absagen: Wolff wird deutlich

Handball-Nationaltorhüter Andreas Wolff hat für die wiederholt auftretenden Absagen im deutschen Team vor Großereignissen wenig Verständnis.

„Diese individuelle Entscheidung muss jeder Spieler allein tragen. Er muss dann aber auch damit d‘accord sein, dass die Mannschaft nicht auf ihn zählen kann“, sagte Wolff im Interview mit der Welt am Sonntag. (NEWS: Alle aktuellen Infos zum Handball)

Er finde es "unglaublich schade, wenn vielversprechende, starke Spieler ihre Teilnahme im Vorfeld absagen. Deswegen standen die vergangenen Turniere unter keinem guten Stern für die Mannschaft", führte der 31-Jährige aus. Er denke allerdings, "dass es grundsätzlich besser ist, einen Spieler dabei zu haben, der zu 100 Prozent von der Sache überzeugt ist, als jemanden, der nur mit 98 Prozent Lust zu einem Turnier anreist." Er selbst versuche stets "alles, um bestmöglich bei diesen Turnieren zu spielen. Dass andere Spieler es anders sehen, ist ihre Entscheidung."

Die jüngste prominente Absage für die WM in Polen und Schweden vom 11. bis 29. Januar kam von Fabian Wiede. Der Rückraumspieler vom Bundesliga-Tabellenführer Füchse Berlin unterzieht sich einem geplanten Eingriff am Kiefer.

Gislason vermutet Einstellungsproblem

Auch Nationaltrainer Alfred Gislason attestierte dem deutschen Handball in Bezug auf seine Nationalmannschaft zuletzt ein punktuelles Einstellungsproblem. „Ja, schon ein bisschen. Ich weiß nicht, woran es liegt“, antwortete Gislason auf eine entsprechende Frage im SID-Interview.

Angesichts der kurzen Verschnaufpausen habe er Verständnis für Spieler, "die schon sehr lange Bundesliga spielen", so Gislason: "Nur: Es gibt auch viele, viele Spieler - gerade die Skandinavier, die Schweden, Dänen, Norweger und Isländer - die schon in jungen Jahren in die Bundesliga gekommen und genauso lange dabei sind wie die deutschen Spieler. Und keiner von ihnen sagt, er will nicht zur Nationalmannschaft. Deutsche Spieler machen das. Deswegen ist es teilweise schon schwer nachzuvollziehen, dass der ein oder andere deutsche Spieler nicht zur Verfügung steht. Das enttäuscht mich."

Gislason nahm von seiner Kritik explizit die Spieler aus, die „angeschlagen waren oder chronische Probleme haben wie beispielsweise Hendrik Pekeler. Das muss man verstehen.“ Pekeler hatte nach Olympia 2021 seine Nationalmannschafts-Karriere für unbestimmte Zeit auf Eis gelegt.

Wolff übte schon vor WM 2021 Kollegen-Kritik

Torwart Wolff prangert nicht zum ersten Mal die Turnier-Absagen von Teamkollegen öffentlich an: Schon vor der WM 2021 in Katar bekundete er, dass er die damaligen Absagen von Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold „sehr, sehr kritisch“ sah.

In ähnlichen Worten wie jetzt Gislason monierte Wolff damals, „dass ihre Mannschaftskameraden aus anderen Ländern offenbar kein Problem damit haben, ihre Familien zurückzulassen und zur WM zu fahren“ - und nannte es „bedenklich, dass sich nur die deutschen Spieler so um ihre eigenen Familien sorgen“. Die Absagen standen damals auch im Kontext der seinerzeit noch akuteren Corona-Pandemie.

Wolff bekam damals von Gislason einen indirekten Rüffel. Der Bundestrainer hielt fest: „Ich hoffe, dass dieses Thema begraben wird. Es stört uns nur in unserer Vorbereitung hier.“ Über Wolff sagte Gislason damals auch: „Andi ist bekannt dafür, dass er seine Meinung raushaut.“ Was er auch nun wieder getan hat.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)