Der echte "Wolf of Wall Street" warnt vor ICOs

Jordan Belfort war die Inspiration für den Film "Wolf of Wall Street". Nun warnt er vor der "größten Abzocke, die es jemals gegeben hat". Gemeint sind Krypto-Börsengänge.


Die größte Abzocke aller Zeiten werde vielen Leuten im Gesicht explodieren: Es sind eindringliche Worte, mit denen Börsen-Legende Jordan Belfort in der Financial Times vor Initial Coin Offerings warnt.

Bei ICOs sammeln Unternehmen Geld für Projekte ein, häufig in Form der Kryptowährung Bitcoin, die sich aktuell auf dem Höhenflug befindet. Die Investoren erhalten im Gegenzug sogenannte "Token", die die Geldgeber am finanziellen Erfolg der Firmen teilhaben lassen sollen. Der Gegenwert ist allerdings stark unterschiedlich – und nicht reguliert.

ICOs sind ein Megatrend, versprechen sie doch vor allem Start-ups einfachen Zugang zu finanziellen Mitteln – und Anlegern hohe Renditen. Anfang 2016 hatten Anleger 40 Millionen Dollar in ICOs investiert, heute sind es über zwei Milliarden.

Doch die Kritik wächst: Erst vor wenigen Wochen hat die chinesische Zentralbank Initial Coin Offerings verboten, bei denen Eigentumsrechte oder monetäre Vorteile digital veräußert werden. Auch andere Finanzaufsichten betrachten die Entwicklung kritisch. Viele der Start-ups besäßen kein funktionierendes Geschäftsmodell, so der Vorwurf, sondern nur Ideen und hochtrabende Versprechen.




Dass Jordan Belfort davor warnt, ist pikant: Knapp zwei Jahre saß er im Gefängnis, weil er Anleger um 200 Millionen Dollar betrog. Sein Geschäftsgebaren, mit dem er in den späten 80er-Jahren eines der größten US-Brokerhäuser aufgebaut hatte, war so legendär, dass er als "Wolf of Wall Street" in die Finanzgeschichte einging – und ihn Leonardo DiCaprio 2013 in einer Kinoverfilmung spielte.




Was derzeit mit ICOs passiert, sei schlimmer „als alles, was ich je getan habe“, sagt Belfort. Er vergleicht das Vorgehen mancher ICO-Promoter mit jenen "Pump-and-dump"-Taktiken, die seine Firma 80ern mit groß gemacht hat: Begehren wecken und so Anleger locken und sich dann mit deren Geld aus dem Staub machen.

„Wahrscheinlich haben 85 Prozent der Leute da draußen gar keine schlechten Absichten“, so Belfort. „Das Problem ist, wenn fünf oder zehn Prozent versuchen, dich zu betrügen, ist das schon ein Desaster“, so seine Warnung.