Wolf im Mainstream-Pelz: So verführen die neuen Rechtsradikalen

Es ist eine Geschichte, bei der es einem eiskalt über den Rücken läuft: Ein junges Mädchen, deren Mutter und Geschwister bei einem Attentat ums Leben kommen, gerät - ausgerechnet - in die Fänge einer neonazistischen Jugendbewegung.

"Je suis Karl" erzählt vom Erstarken einer neuen Generation Rechtsradikaler in Europa. Auf die Idee zu dem Streifen kamen Christian Schwochow (Regie) und Thomas Wendrich (Drehbuch) bei den Recherchen zur NSU-Trilogie "Mitten in Deutschland".

"Wie verführbar wir sind für radikale Positionen, das ist etwas, das uns sehr angetrieben hat. Insbesondere mit einem Blick auf die ganz junge Generation", sagt Christian Schwochow.

"Sie sind an Universitäten, sie sind im Militär"

Zunächst als Dystopie gedacht, stellte sich ihr Film näher an der Wirklichkeit heraus als gedacht. Die neuen Rechtsradikalen seien etabliert - und gut versteckt in einem hippen "Schafsgewand", so Thomas Wendrich.

"Sie sind an Universitäten, sie sind im Militär, sie sind im Grunde genommen so wie wir sie abbilden. Vielleicht haben wir uns den einen oder anderen Spaß erlaubt, aber eigentlich nicht ....."

Christian Schwochow bestätigt: "Es ist längst in den Mainstream gerutscht, und insofern würde ich Thomas zustimmen. Jemand der einfach sagt, das gibt es so nicht, das ist zu hip, der hat nicht genug recherchiert."

Der Film mit Luna Wedler und Jannis Niewöhner lief auf der diesjährigen Berlinale und ist mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert, der am 1. Oktober verliehen wird.

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