Ich wohne mit meiner Familie seit sechs Jahren in einem Wohnwagen — diese 8 Erkenntnisse haben mich überrascht

·Lesedauer: 5 Min.

Im Frühjahr 2015 bin ich mit meinem Mann, meiner acht Monate alten Tochter und unseren beiden Hunden in ein Wohnmobil gezogen, um zu reisen. Wir wollten neue Orte und fremde Kulturen erkunden — nicht mehr nur am Wochenende oder im Urlaub. Ich wusste, dass ich mich auf ein Abenteuer einlasse. Am Ende habe ich noch viel mehr erlebt, als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Diese Dinge haben mich am meisten überrascht.

1. Unser erstes Wohnmobil war uns zu groß

Jeder Ratschlag, den wir zum Kauf unseres Wohnmobils hörten, war: "Zu groß geht nicht." Im Nachhinein mussten wir feststellen: Zu groß geht auf jeden Fall. Wir sind noch nie ein Wohnmobil gefahren und hatten nicht bedacht, dass so ein großes Fahrzeug zu fahren anstrengender und stressiger werden könnte, als wenn wir uns ein kleineres gekauft hätten.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir an der ein oder anderen Mautstelle Schrammen von unserem Wohnmobil hinterlassen haben. Rückwärtsfahren war mit diesem großen Auto teilweise unmöglich. Das hat dazu geführt, dass wir uns nicht mehr getraut haben, spontan einen Stopp einzulegen, sondern nur noch an bestimmten Stellen gehalten haben. Wir hatten Angst, dass wir nicht mehr umdrehen können. Das hat uns einen großen Teil des Spaßes an unserem Trip genommen.

Unser erstes Wohnmobil.
Unser erstes Wohnmobil.

2. Ich brauche nicht viel für ein glückliches Leben

Nachdem wir uns ein Jahr lang mit unserem riesigen Wohnmobil gequält hatten, beschlossen wir, uns nach einem kleineren Fahrzeug umzuschauen. Wir haben uns dann enorm verkleinert und nur noch das Nötigste bei uns gehabt. Die Entscheidung fiel dann auf einen kleinen Wohnwagen, den wir mit unserem Auto bequem ziehen können. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mir weniger als zehn Quadratmeter Wohnfläche reichen. Vor allem nicht ohne Bad und zusammen mit einem Kind und einem Hund. Ich war nervös, aber auch gespannt. Letztendlich haben wir durch diesen Lebensstil unwahrscheinlich viel über uns gelernt.

3. Ich bin heute lieber flexibel anstatt alles zu planen

Früher habe ich alles immer extrem durchgeplant. Es war für mich wichtig, zu wissen, was mich in bestimmten Situationen erwartet. Deshalb war es zunächst eine Umstellung, in den Tag hineinzuleben und eher spontan meine Aktivitäten zu planen. Mittlerweile bin ich zu einem Menschen geworden, dem es sogar eher unangenehm ist, immer einen Plan zu haben, der auch ja eingehalten wird. Stattdessen reagiere ich auf jede Gelegenheit positiv, die es mir ermöglichen, etwas Neues zu entdecken. Wir reservieren zum Beispiel nie unsere Campingplätze im Voraus.

4. Ich achte viel mehr auf unseren Wasser- und Stromverbrauch

Wer in einem Wohnwagen lebt, ist weder an ein Strom- oder Wassernetz noch an die Kanalisation angebunden. Deshalb achtet man auf jeden Tropfen Wasser und jede Kilowattstunde Strom, den oder die man verbraucht. Ich weiß genau, wie viel Wasser meine Familie in einer Woche benötigt, wie lange unsere Heizung mit einer Vierteltankfüllung Propan warm bleibt und ob ich an einem regnerischen Tag unseren Generator herausholen muss, wenn ich meinen Computer aufladen will. Strom und Wasser sind für mich keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern ein kostbares Gut, für das ich dankbar bin und dass ich nicht verschwenden kann.

5. Ich bin noch naturverbundener als zuvor

Bereits vor unserem dem Leben im Wohnwagen war ich gerne in der Natur. Ich bin gewandert und habe gezeltet — aber ich habe mir nie die Zeit genommen, wirklich viel über meine Umwelt zu erfahren. Wenn man direkt in der Natur lebt und sein Auto überwiegend am Waldrand oder in der Nähe eines Nationalparks parkt, kommt man nochmal ganz anders in Kontakt mit der Natur, die einen umgibt. Die Enge im Wohnwagen zwingt einen auch bei schlechtem Wetter jeden Tag nach draußen. Man kocht, isst und spielt mit den Kindern in der Natur. Heute kann ich mir nicht mehr vorstellen, einen ganzen Tag drinnen zu verbringen.

Ich war früher schon viel draußen, heute ist die Natur aber Teil unseres täglichen Lebens.
Ich war früher schon viel draußen, heute ist die Natur aber Teil unseres täglichen Lebens.

6. Man muss nicht ständig duschen

Am Anfang hatte ich Angst davor, dass unser Wohnwagen keine eigene Dusche hat. Mittlerweile bin ich daran gewöhnt, mich jeden Tag gründlich zu waschen und nur noch ein bis zweimal die Woche zu duschen. Selbst, wenn wir in einer Pension, einem Hotel oder auf einem Campingplatz übernachten, dusche ich höchstens zweimal die Woche. Einmal habe ich es sogar ganze zwölf Tage ohne eine Dusche ausgehalten. Das würde ich aber nicht wieder machen.

7. Niemals hätte ich gedacht, dass wir mehr als sechs Jahre unterwegs sind

Als wir 2015 zu unserem Abenteuer aufgebrochen sind, haben wir gedacht, dass wir maximal ein Jahr lang unterwegs sein würden. Wir haben uns zwar kein festes Datum überlegt, an dem wir nach Hause zurückkehren wollten, aber ich hätte auch nie gedacht, dass wir nach sechs Jahren immer noch um die Welt reisen würden. Wir haben uns enorm weiterentwickelt und sehen das Reisen mit dem Wohnwagen nun als eine Art und Weise, wie wir zukünftig leben möchten.

8. Es wird schwer für uns, wieder ein kommerzielles Leben zu führen

Nach zweieinhalb Jahren im Wohnwagen, haben wir uns eine kleine Hütte in North Carolina gekauft, um zu schauen, ob wir wieder sesshaft werden wollen. Wir wollten ausprobieren, wie es ist, nur die Hälfte unserer Zeit mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein. Nachdem wir das erste halbe Jahr in der Hütte gewohnt hatten, wurde uns klar, dass wir im Herzen immer noch jeden Tag unterwegs sein wollten. Zum Glück waren wir vorausschauend genug und haben eine Hütte gekauft, die wir leicht als Ferienwohnung nutzen können, falls uns das Leben im Wohnmobil doch mal zu eng wird.

Sogar im vergangenen Jahr, als uns die Corona-Pandemie zwang, überwiegend in unseren vier Wänden zu bleiben, haben wir das Leben mehr in unserem Wohnwagen genossen, als in einem großen Haus oder einer Wohnung.

Dieser Text wurde von Franziska Telser aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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