Wohlfahrt über Alabas Zukunft: "Zu 90 Prozent weg"

Reinhard Franke, Johannes Fischer

Vorzeitig gehen oder langfristig bleiben? Die Zukunft von David Alaba ist unklarer denn je.

Ein erstes Vertragsangebot zur Verlängerung seines bis 2021 gültigen Vertrags beim FC Bayern hat der Österreicher abgelehnt. Daraufhin holte sich das Eigengewächs Unterstützung von Berater Pini Zahavi, der seitdem die Gespräche mit Hasan Salihamidzic führt. Auch der FCB-Sportdirektor weiß: Alaba ist wechselwillig, flirtet mit den spanischen Topklubs FC Barcelona und Real Madrid.

Alaba vor dem Absprung? Für Österreich-Legende Franz Wohlfahrt ist dieser Schritt vorstellbar. "In seinem Alter sind Gedanken an Veränderungen normal", sagt Wohlfahrt im Gespräch mit SPORT1.


Er und Alaba kennen sich unter anderem durch die Österreichische Nationalmannschaft. "David hatte im Oktober 2009 seinen ersten Einsatz in der Nationalmannschaft", erinnert sich der frühere Keeper des VfB Stuttgart und 59-fache Nationaltorwart.

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Wohlfahrt, von 2009 bis 2015 Torwarttrainer beim ÖFB, weiter: "Er war gerade mal 17 und spielte bei den Bayern-Amateuren. Ich hatte das Vergnügen, als Torwarttrainer dabei gewesen zu sein. Ab diesem Zeitpunkt war klar, wo seine Reise hingeht." Nach oben!

Wohlfahrt über Alaba: "Mit einem neuen Klub hätte er neue Visionen"

Beim FC Bayern ist Alaba ein Liebling der Fans. Von Cheftrainer Hansi Flick wurde er zum Abwehrboss ernannt. Bislang kommt er auf 372 Pflichtspiele für die Bayern, schoss 30 Tore und lieferte 48 Assists. Kein Wunder, dass es an Interessenten für den Defensiv-Allrounder nicht mangelt.

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Für Wohlfahrt ist ein Wechsel Alabas so gut wie sicher: Auf "90 Prozent" taxiert der 55-Jährige die Wahrscheinlichkeit, dass sein Kumpel in der kommenden Saison ein anderes Trikot tragen wird. "Das hat gar nichts mit den Bayern zu tun", macht Wohlfahrt klar: "Schon eher mit dem menschlichen Trieb, Neues kennen lernen zu wollen. Mit Bayern hat er alles gewonnen, mit einem neuen Klub hätte er neue Visionen."


Ein geplanter Alaba-Tausch mit Bayern-Wunschspieler Leroy Sané fand nur deshalb nicht statt, weil England für Alaba derzeit keine Option ist, sondern Spanien. "Ich sehe ihn eher bei Real Madrid", sagt Wohlfahrt passenderweise. Bei Barcelona sieht er Alaba hingegen nicht. Sollte sich sein Landsmann tatsächlich zu einem neuen Klub aufmachen, glaubt Wohlfahrt, "dann kaum als Innenverteidiger. Da ist sicher nicht seine Lieblingsposition."

Allerdings: Eben dort spielt er bei den Bayern seit Monaten aushilfsweise überragend, denn nur wegen des großen Verletzungspechs seiner Defensivkollegen war der Linksverteidiger bereits unter Flick-Vorgänger Niko Kovac in die Abwehrzentrale gewechselt.

Zahavi als entscheidender Faktor?

Beim ÖFB hingegen spielt er zumeist im zentralen Mittelfeld. Auf einer Position, die er bevorzugt, die beim FC Bayern aber prominent besetzt ist. 

Dass er derzeit nicht auf der Sechs spielen kann und er deswegen dem Serienmeister den Rücken kehren wollen würde, glaubt Wohlfahrt allerdings nicht: "Das ist aus meiner Sicht kein wesentlicher Grund." Auch nach SPORT1-Informationen ist das Positions-Thema kein ausschlaggebender Punkt für seine Wechselgedanken. 


Als Anzeichen für einen Sommer-Wechsel deutet der Ex-Keeper indes vor allem das Zahavi-Engagement. Der Israeli war es, der 2017 maßgeblich an der Durchführung des 222-Millionen-Euro-Rekordtransfers von Neymar zu Paris Saint-Germain beteiligt war. Zahavi verhandelte 2019 aber auch den neuen Bayern-Vertrag von Robert Lewandowski (bis 2023). "Ich kann mir schon vorstellen, dass dem Berater ein Transfer ganz recht wäre", sagt Wohlfahrt. "Aber auch für Bayern wäre es ein logischer Schritt."

Allerdings: Die Bayern wollen mit Alaba eigentlich verlängern und auch Flick legt sich für seinen Verbleib ins Zeug. Die nächsten Wochen werden für Alaba jedenfalls sehr spannend.