Wofür die Artnight-Gründerin dieses Jahr das meiste Geld ausgegeben hat

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Aimie-Sarah Carstensen hat 2016 die Plattform Artnight gestartet
Aimie-Sarah Carstensen hat 2016 die Plattform Artnight gestartet

Aimie-Sarah Carstensen ist die Gründerin von Artnight. Über seine Plattform vermittelt das Startup Workshops, angefangen hat es mit Malkursen, mittlerweile gibt es auch Back- oder Cocktailkurse. Durch die Corona-Pandemie der vergangenen zwei Jahre musste Carstensen ständig bangen, ob sich das Geschäftsmodell noch durchführen lässt. Zu Beginn der ersten Welle im Frühjahr 2020 entwickelte das Team daher auch Onlineformate. Langfristig gesehen will das Startup jedoch weiterhin auf „echte“ Begegnungen setzen. Die vergangenen Monate waren also von Unsicherheit für die Unternehmerin geprägt.

Weshalb sie dennoch den Optimismus nicht verloren und so viel Geld für Bücher ausgegeben hat, das verrät sie im Gründerszene-Fragebogen.

Was hast du in diesem Jahr neu über dich gelernt?

Was 2020 schon sehr deutlich war, bestätigt sich für mich 2021 erneut: Eine Krise ist unglaublich herausfordernd und dennoch wahrscheinlich die Zeit, in der man am meisten lernt. Die Menschheit durchlebt gefühlt eine Endlosschleife der Frustration. Aber wie so viele halte ich daran fest, weiter positiv, mit viel Mitgefühl und Verständnis und lösungsorientiert in die Zukunft zu blicken. Ich habe gelernt, keine Angst zu haben, immer wieder bei Null anzufangen und Unsicherheiten zu akzeptieren. Wir nehmen Herausforderungen an, halten durch, bleiben mutig und offen, neue Richtungen einzuschlagen, in die sich selbst Politik und Wirtschaft noch nicht bewegen. Das ist unsere Verantwortung als Startup-Unternehmer:innen.

Ich habe dieses Jahr aber auch gelernt, welche wichtige Rolle Kreativität in meinem Leben spielt. Das Jahr hat in mir nochmal ein ganz anderes Verlangen nach Kreativität hervorgerufen und ich habe selbst nach fünf Jahren Artnight angefangen regelmäßig zu malen. Es ist wichtig, sich seinem kreativen Flow, insbesondere in herausfordernden Zeiten hinzugeben. Eine leere Leinwand erweckt in mir Neugier und Inspiration und macht mir bewusst, dass ich sie frei mit meinen Gedanken füllen und all meinen Ideen Farbe verleihen kann. Aus diesem Grund beschäftige ich mich immer intensiver mit der Kunst und dem Kunstmarkt.

Stichwort Mental Health: Wie hältst du dich psychisch fit?

Mir hilft es, mich mit vielen Menschen auszutauschen, mit ihnen zu sprechen und die vielen Gefühle offen auszusprechen, gleichzeitig aber auch die Perspektiven anderer zu der aktuellen Situation zu bekommen. Ich teile meine Ängste und Sorgen, möchte gleichzeitig aber auch immer andere dazu anregen, dies ebenfalls zu tun. Das hilft. Ich nehme mir auch ganz bewusst Zeit für meine mentale Gesundheit, indem ich, wie erwähnt, seit neustem den Pinsel schwinge, laufen gehe und Zeit mit Freunden und Familie verbringe. Routinen sind in diesen Zeiten von großer Bedeutung. Ich liebe meine Morgenroutine und versuche, mich da am „Miracle Morning” des Autors Hal Elrod zu inspirieren, mit dem man anhand einfacher Morgenroutinen sein Leben verändern kann. Ich starte um 6 Uhr mit einer Runde Joggen und einem kleinen Workout in den Tag, werde mir über meine drei Tagesziele bewusst und genieße meinen schwarzen Tee mit Hafermilch. Dabei höre ich zum Beispiel auch gerne einen Podcast. So ein routinierter Morgen ist mir wichtig, denn der setzt den Rahmen für den ganzen Tag.

Doch so ein routinierter Start in den Tag ist nicht alles, was unser Wohlbefinden steigert. Für mich ist die aktive Auseinandersetzung mit Selbstzweifeln eine gute Basis für eine gesunde Psyche. Was wir alle haben, aber selten sehen, sind unsere Selbstzweifel. Wir vergleichen uns, haben hohe Ansprüche an uns selbst und schauen auf andere. Doch oft stoppen uns diese Selbstzweifel und schüchtern uns ein. Letztlich ist das Wichtigste für mich, dass ich jeden Tag mein Bestes gebe – und manchmal ist aufstehen, sich anzuziehen und loszulegen genau das. Denn es ist besser, einfach loszulegen und zu „machen”, statt alles bis ins kleinste Detail zu analysieren. Wenn man die Perfektion beiseite lässt, dann zweifelt man auch weniger. Ich habe nie den Glauben an meine Vision und Ziele verloren, sondern sehe Herausforderungen wie die Corona-Krise als Chance, über sich selbst hinauszuwachsen.

Die Homeoffice-Regelungen änderten sich in diesem Jahr mehrfach. Wie habt ihr die Änderungen gehandhabt?

Während des Lockdowns war das gesamte Team im Homeoffice. Nach den Lockerungen haben wir ein Hybrid-Modell eingeführt, um mit den Teams abwechselnd sowohl Office- als auch Homeoffice-Tage einzuführen. So konnten wir die Abstands- und Hygieneregeln umsetzen und vermeiden, dass zu viele Mitarbeiter:innen gleichzeitig vor Ort waren. Da die Infektionszahlen nun wieder extrem hoch sind, befinden wir uns erneut alle im Homeoffice – haben aber genug Platz und Abstand für alle, die ab und von Zuhause raus müssen.

Wie würdest du die Entwicklung der Startup-Szene im vergangenen Jahr beschreiben?

Die Pandemie hat die Startup-Szene extrem getroffen und brachte einen Rückgang an Wachstum und Gründungen sowie eine große Herausforderung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund fehlender Fachkräfte. Zudem verzeichneten viele junge Unternehmen und Startups auch 2021 starke Umsatzeinbußen und wurden damit in der Krise weitgehend alleingelassen. Dabei sind gerade Startups eine treibende Kraft, wenn es um Innovationen und Technologien geht. Sie werden auch immer mehr neue Arbeitsplätze schaffen und die Digitalisierung in Deutschland vorantreiben. Und trotz dieser Herausforderungen bin ich einfach stolz zu sehen, wie viele kreative Köpfe auch in den größten Krisen lösungsorientiert agieren und Neues schaffen. Denn durch Corona entstanden auch geniale Ideen, die uns als Gesellschaft nach vorne gebracht haben: Kita-to-go, eine Plattform für Eltern von Drei- bis Sechsjährigen, die ihre Kinder im Homeoffice mit Bastel- oder Lernprogrammen beschäftigen, oder AliudQ, eine App, die es User:innen ermöglicht, sich virtuell in eine Schlange zu stellen und somit keiner Infektionsgefahr ausgesetzt sind. Solche Ideen sind natürlich auch nach Corona noch wertvoll.

Was hast du in diesem Jahr besonders vermisst?

Mir fehlt nach wie vor die klare und strukturierte Unterstützung der Politik für kleine- und mittelständische Unternehmen. Unklare Vorstellungen und fehlende Lösungen erschweren den unternehmerischen Umgang mit der Krise und die Vorausplanung. Da würde ich mir mehr Input und Einsatz wünschen.

Hast du ein Hobby neu für dich entdeckt?

Neben dem Malen habe ich auch das Lesen noch mal auf ganz neue Weise lieben gelernt! Es gibt so viele inspirierende Bücher, die Geschichten von beeindruckenden Menschen, interessanten Ideen und wertvollen Tipps zu Produktivität, Motivation und vielem mehr erzählen. Dadurch entwickelt man selbst neue Perspektiven und Gedanken und lernt stets etwas Neues. Daher nehme ich mir bewusst mehr Zeit, viel zu lesen.

Wen hättest du dieses Jahr gern mal zum Lunch getroffen?

Für mich ist das ganz klar die Autorin Glennon Doyle. Sie ist eine große Inspiration für mich, ein Paradebeispiel für soziales und politisches Engagement. Ich würde mich zum Beispiel gerne mit ihr darüber unterhalten, wie sie es geschafft hat, sich von den Erwartungen anderer zu befreien und endlich das Leben lebt, das sie schon immer leben wollte. Und ich würde gerne mehr über die Hintergründe ihres Podcasts „We can do hard things” erfahren.

Wofür hast du dieses Jahr das meiste Geld ausgegeben?

Für die Vielzahl an Büchern, die ich mir eine Zeit lang fast wöchentlich bestellt habe. Ich freue mich aber auch auf jedes Einzelne, das noch kommt, denn nächstes Jahr möchte ich mir noch mehr Zeit zum Lesen nehmen.

Welche Startup-News hättest du dieses Jahr gern gelesen?

Ich hätte gerne gelesen, dass der Anteil weiblicher Gründerinnen weiter angestiegen ist. Zwar ist, wie in den vergangenen Jahren, ein leichter Anstieg der Frauenquote zu erkennen. Mit 17,7 Prozent ist der Anteil an Gründerinnen aber immer noch relativ niedrig. Es fehlt der deutschen Startup-Szene allgemein an Diversität und damit meine ich nicht nur Frauen.

Von welcher Firma hättest du in diesem Jahr Aktien gekauft, wäre sie an der Börse?

Canva. Für mich nach wie vor eines der Top-Unternehmen, das in den letzten Jahren gegründet wurde.

Welchen Trend fandest du 2021 überbewertet?

Dass Menschen jeglichen Alters ihre Lebensmittel verstärkt online bestellen, ist ein Trend, der immer mehr an Bedeutung gewinnt und einfach perfekt in das Thema „Convenience“ hinein spielt. Dieser Trend fördert vor allem die Bequemlichkeit der Menschen. Natürlich hat die Option für bestimmte Bevölkerungsgruppen Vorteile, wie zum Beispiel für Menschen, die nicht mehr alleine einkaufen gehen können oder krank sind. Ich finde es aber schade, dass man dadurch die lokalen und regionalen Geschäfte aus der direkten Nachbarschaft gerade in Krisenzeiten nicht mehr unterstützt und das Zwischenmenschliche durch solche Trends ein Stück weit verloren gehen.

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