Wochenend-Sturm wird wohl nicht so schlimm wie «Xavier»

Dunkle Wolken über Köln: Am Wochenende kommt der nächste Herbststurm. Foto: Federico Gambarini

Zuhause bleiben und es sich gemütlich machen - das ist die Empfehlung der Wetterfrösche für das Wochenende. Zwar soll es nicht so schlimm stürmen wie bei Tief «Xavier», doch Orkanböen sind auch diesmal zu erwarten.

Offenbach (dpa) - Deutschland steht ein stürmisches Wochenende bevor. Ganz so schlimm wie bei Tief «Xavier», das vor wenigen Wochen heftige Schäden angerichtet hat, wird es voraussichtlich wohl nicht, wie der Deutsche Wetterdienst in Offenbach berichtete.

«Aber eines ist klar: Ruhiges Hochdruckwetter mit angenehmen Temperaturen bekommt am Wochenende in Deutschland niemand», sagte Meteorologe Martin Jonas. Die Deutsche Bahn bereitet sich schon auf Sturmschäden vor.

Die Fährreederei Scandlines sagte acht Fahrten zwischen Rostock und dem dänischen Gedser für diesen Samstag ab. Es handele sich dabei um die Abfahrten von Rostock um 6.00, 9.00, 11.00 und 13.00 Uhr sowie von Gedser um 7.00, 9.00, 11.00 und 13.00 Uhr, teilte eine Sprecherin mit. Scandlines empfehle Fracht- und Passagier-Kunden die Überfahrt von Puttgarten nach Rødby: «Hier fahren die Fähren planmäßig.» Die Fahrten zwischen Rostock und Gedser werden voraussichtlich am Samstag um 15.00 Uhr wieder aufgenommen.

Die Meteorologen erwarten zum Teil Windgeschwindigkeiten «bis in den Orkanbereich hinein», Sturm- und Orkanböen träten aber «nur ganz punktuell» auf, sagte Jonas. Dies gelte etwa auf dem Brocken im Harz, auf dem Fichtelberg im Erzgebirge oder dem Großen Arber im Bayerischen Wald. Stark betroffen sind auch exponierte Küstenlagen an der Nordsee. «Im Binnenland ist es erheblich ruhiger.»

Im Vergleich zu «Xavier», der Anfang Oktober mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 170 Kilometern pro Stunde mehrere Menschen tötete und den Bahnverkehr in Norddeutschland zum Erliegen brachte, werde das bevorstehende Wochenende «nicht so schlimm», sagte Jonas. 

Zur Vorsicht bereitet sich die Deutsche Bahn aber auf Sturmeinsätze vor. Das Personal werde verstärkt, Reparaturtrupps stünden bereit, sagte ein Bahnsprecher am Freitag. Etwaige Sturmschäden an Oberleitungen und umgestürzte Bäume im Gleisbett sollen schnellstmöglich beseitigt werden. Auch sei «der Einsatz mobiler Einsatztrupps mit Kettensägen» geplant, sagte der Sprecher.

Nur an der Nordsee und auf den Gipfeln erreicht der Wind wohl die volle Orkanstärke, also über 120 km/h. In weiten Teilen des Nordens, im Osten und im Süden soll es bei Sturmstärke um die 80 Kilometer pro Stunde bleiben. Der Höhepunkt ist für den Sonntagmorgen vorhergesagt. Man müsse sich «deswegen jetzt nicht verrückt machen», sagte Jonas, «aber man muss auch am Sonntagmorgen keine Radtour machen, besonders nicht durch den Wald».

Schuld am stürmischen Wetter ist Tief «Grischa», das sich am Samstag und Sonntag von Lappland her in Richtung Finnischer Meerbusen und Baltikum schiebt. Dabei bildet sich nahe dem Oslofjord ein «bissiges Randtief», das für die hohen Windgeschwindigkeiten verantwortlich ist, bisher aber keinen eigenen Namen hat. «Immerhin», sagt Jonas: «Das Intermezzo des kleinen Rebellen ist kurz, schon im Laufe des Sonntags zieht er Richtung Polen und Weißrussland ab.»