WOCHENAUSBLICK: Weg zu weiteren Dax-Rekorden ist frei - Corona als Stolperstein

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt ist das Fundament für eine Fortsetzung der Kursrally gelegt. Dank rosiger Wirtschaftsperspektiven könnten die Indizes der Dax-Familie, also Dax <DE0008469008>, MDax <DE0008467416> und SDax <DE0009653386>, in der neuen Woche durchaus Rekordhöhen erklimmen. Rückschläge in der Bekämpfung des Coronavirus aber könnten den Optimisten einen Strich durch die Rechnung machen.

Bislang hätten "positive Wirtschaftsdaten, der schnelle Fortschritt der Corona-Impfungen in den USA und die weltweite extrem expansive Geldpolitik den Dax auf neue Höchststände steigen lassen", schrieb Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank. Im Zuge dessen habe sich natürlich die Bewertung vieler Dax-Unternehmen seit Jahresanfang spürbar erhöht. Eine breit angelegte Übertreibung aber sei weiterhin nicht zu erkennen.

Große Gefahren für den deutschen Aktienmarkt sehen viele Experten erst einmal nicht. Erst langfristig könnten sich steigende Zinsen negativ auf die Aktienkurse auswirken, da festverzinsliche Wertpapiere dann wieder attraktiver würden und in Konkurrenz zu Aktien träten, urteilte Analyst Christian Kahler von der DZ Bank. Dies könnte die Märkte unter Druck setzen.

Zunächst aber sind es die guten Gewinnaussichten, die Kahler zufolge an der Börse zählen. Und die seien für die Jahre 2021 und 2022, in denen die Weltwirtschaft das stärkste Wachstum seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verzeichnen soll, hervorragend. "Kein Wunder, dass die Aktienmärkte boomen, statt sich vor potenziellen Störenfrieden zu fürchten", resümierte der Experte.

Allerdings ist noch nicht ausgemacht, dass sich die globale Wirtschaft in der Pandemie tatsächlich als robust erweist. "Europa steckt noch mitten in der dritten Welle und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis die Lage soweit unter Kontrolle ist, dass die Wirtschaft anfangen kann, sich wieder zu erholen", mahnte Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX. Und auch in den USA gebe es Unwägbarkeiten, die der Konjunktur den Wind aus den Segeln nehmen könnte, wie beispielsweise neue Mutationen des Virus, gegen die die Impfungen nicht wirken.

Sadowski zufolge stehen damit die jüngsten optimistischen Wachstumsprognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf wackeligen Beinen. In den Industrieländern ist laut dem IWF ein Ende der Corona-Krise in Sicht: Dank Impfungen und Konjunkturpaketen soll die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 6,0 Prozent wachsen. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im Januar angenommen.

Hierzulande jedenfalls kam es bereits zu einer überraschenden Wende bei der Corona-Strategie von Bund und Ländern: Die vor Ostern vereinbarte nächste Runde von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder fällt aus. Stattdessen soll nun im Eilverfahren das Infektionsschutzgesetz nachgeschärft werden, um bundesweit einheitliche Regelungen für Regionen mit hohen Infektionszahlen zu schaffen. Dazu wird die nächste Sitzung des Bundeskabinetts von Mittwoch auf Dienstag vorgezogen.

Die Anleger dürften in der neuen Woche nicht nur die politischen Entwicklungen in puncto Corona verfolgen, sondern auch frische Konjunkturdaten auf Hinweise zum Einfluss der Pandemie abklopfen. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, erwartet am Freitag gute Wirtschaftszahlen aus China: "Das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal dürfte wieder um etwa 20 Prozent über dem Corona-Tief des Vorjahresquartals liegen. Damit dokumentieren die Chinesen ihre weiterhin anhaltende Erholungsphase." Dies habe auch positive Effekte auf die europäischen Volkswirtschaften, was sich am Dienstag in der Finanzmarktumfrage des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung widerspiegeln sollte.

Derweil befindet sich hierzulande die Berichtssaison der Unternehmen für das abgelaufene Quartal noch in einer sehr frühen Phase. Der Autozulieferer Hella <DE000A13SX22> präsentiert am Mittwoch Geschäftszahlen.

Zudem schauen die Anleger im Wochenverlauf auf die US-Banken. Von Mittwoch bis Freitag werden Branchen-Schwergewichte wie JPMorgan <US46625H1005>, Goldman Sachs <US38141G1040> oder die Bank of America <US0605051046> ihre Quartalszahlen vorlegen. Dies könnte auch die Kurse einiger hiesiger Finanzinstitute bewegen./la/ajx/jha/

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---