WOCHENAUSBLICK: Dax-Rekord oder nicht? - Brexit und neue Corona-Sorgen belasten

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Keine Spur von Besinnlichkeit am deutschen Aktienmarkt in der Weihnachtswoche - neue Corona-Sorgen und die zähen Brexit-Verhandlungen drücken auf die Laune der Anleger. Das mögliche Dax-Rekordhoch <DE0008469008> vor Weihnachten dürfte daher zunächst wieder aus dem Blick geraten. Beim Broker IG wurde der Dax am Montagmorgen auf 13 450 Punkte taxiert und damit etwas mehr als ein Prozent unter dem Freitagsschluss sowie rund zweieinhalb Prozent unter dem Rekordstand von 13 795 Punkte aus dem Februar.

Die größte Verunsicherung kommt derzeit aus Großbritannien. Wegen der dort entdeckten neuen Variante des Coronavirus schottet sich Europa zum Wochenbeginn zunehmend vom Vereinigten Königreich ab. Zum Schutz vor der Mutation dürfen in Deutschland seit Montag bis zunächst 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr landen. Weitere Beschränkungen sollen folgen. Auch zahlreiche andere europäische Länder hatten am Sonntag Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

Grund für die Reisebeschränkungen ist eine kürzlich entdeckte Mutation des Virus in Großbritannien, die nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll. Premierminister Boris Johnson hatte betont, es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Impfstoffe gegen die Mutation weniger effektiv seien. Die Form breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Für die Region ordneten die Behörden einen Shutdown mit Ausgangs- und Reisesperren an.

Zudem hängen die Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien am seidenen Faden. Die Gespräche würden scheitern, wenn die EU ihre Position vor allem beim Knackpunkt Fischereirechte nicht "wesentlich" verändere, zitierten britische Medien am Sonntag Regierungskreise in London. Es werde wahrscheinlicher, dass kein Abkommen gelinge. Dennoch sollen die Verhandlungen auch am Montag weitergehen.

Immerhin gab es am Wochenende bei einem anderen Punkt, der die Märkte zuletzt stark beschäftigt hat, Fortschritte - dem Corona-Hilfspaket in den Vereinigten Staaten. Demokraten und Republikaner im US-Kongress haben sich nach monatelangem Streit auf ein weiteres gewaltiges Corona-Konjunkturpaket verständigt. Die Chefs von Republikanern und Demokraten im US-Senat, Mitch McConnell und Chuck Schumer, verkündeten die Einigung am Sonntagabend (Ortszeit) in der Kammer des Kongresses. McConnell sagte, das Paket habe einen Umfang von rund 900 Milliarden Dollar.

Marktexperte Andreas Lipkow von der Comdirect hatte sich vor dem Wochenende überzeugt gezeigt: "Der Dax steht in den Startblöcken, um in der kommenden Woche die Jahresendrally fortzusetzen." Dabei spiele auch das so genannte "Window-Dressing" eine immer wichtigere Rolle. Fondsmanager, die die Rally verpasst und ihren Anlegern noch keine gute Rendite bieten konnten, wollen ihre Schwächen kaschieren. Daher werfen sie schlecht gelaufene Aktien aus ihrem Portfolio und kaufen stattdessen die gut gelaufenen, was für weiter steigende Börsen sorgen könnte.

Sollte der Brexit-Handelspakt zwischen der Europäischen Union und Großbritannien wider Erwarten scheitern, dürfte jedoch Ungemach drohen. "Bis zum Jahresende stehen die EU und Großbritannien noch in regen Verhandlungen über einen geregelten Austritt Großbritanniens aus der EU. Sollten diese scheitern, wird dies nicht spurlos an den deutschen Standardwerten vorbeigehen", so Lipkow.

Seitens der Konjunktur stehen in der Woche bis inklusive Donnerstag nur wenige Daten auf der Agenda, die allesamt kaum marktbewegend sein dürften. In Deutschland könnte am Dienstag als wohl wichtigstes Ereignis allenfalls das GfK-Verbrauchervertrauen für Januar in Blick rücken. Auch unternehmensseitig dürfte es eher ruhig zugehen. Allerdings werden die Indizes nach dem großen Verfallstag an den Terminbörsen neu zusammengesetzt.

Während im Dax alles unverändert bleibt, wird das im September von Siemens <DE0007236101> abgespaltene Unternehmen Siemens Energy <DE000ENER6Y0> in den MDax <DE0008467416> aufgenommen. Der Leasingspezialist Grenke <DE000A161N30> steigt im Gegenzug in den SDax <DE0009653386> ab und nimmt den Platz von Tele Columbus <DE000TCAG172> ein. Zudem gibt es noch sechs weitere Neuzugänge im Nebenwerte-Index, unter ihnen auch der Autozulieferer ElringKlinger <DE0007856023>.

Zudem rücken Corona-Krisengewinner wie der Online-Broker FlatexDegiro <DE000FTG1111>, die Online-Möbelhändler Home24 <DE000A14KEB5> und Westwing <DE000A2N4H07>, der Rüstungskonzern Hensoldt <DE000HAG0005> und der Biokrafthersteller Verbio <DE000A0JL9W6> in den Nebenwerte-Index SDax auf./ck/mis/zb/stk

--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---