WOCHENAUSBLICK: Dax dürfte mit angezogener Handbremse fahren - Daten im Blick

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die jüngste Dax-Rally <DE0008469008> könnte in der neuen Woche weiter ins Stocken geraten. Nach der Rekordfahrt der letzten Monate ist Experten zufolge die Zeit wohl reif für eine Verschnaufpause, wenngleich der deutsche Leitindex auf längere Sicht weiterhin von der anhaltenden Flut billigen Notenbankgeldes und dem guten konjunkturellem Umfeld gestützt werden dürfte.

"Bedenken hinsichtlich einer vierten Viruswelle, steigenden Ölpreisen und geopolitischen Spannungen bremsen den Dax aktuell", sagte Robert Greil, der Chefstratege der Privatbank Merck Finck. Grundsätzlich aber bleibt der Experte zuversichtlich: "Der Dax dürfte mit dem derzeitigen Seitwärtstrend nur Luft für den nächsten Anstieg holen." Greil verweist auf die nachgeholte Nachfrage der Verbraucher und die weitere Unterstützung von Politik sowie Notenbanken, die mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen beziehungsweise Anleihekäufen die Folgen der Corona-Krise bekämpften: "Nach der kräftigen Erholung über den Sommer sollte die Weltwirtschaft weiter dynamisch wachsen."

Recht optimistisch äußerte sich vor diesem Hintergrund auch Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: "Dass der konjunkturelle Neustart zwar kurzzeitig höhere Inflationsraten mit sich bringt, die Teuerung aber nicht ausufern wird, diese Einsicht setzte sich zuletzt insbesondere an den Anleihemärkten durch." Die Renditen für US-amerikanische und deutsche Anleihen seien daher etwas zurückgegangen, obwohl in den USA mal wieder lauter darüber geredet werde, dass der Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik nahe. Eine etwas schärfere Gangart der US-Notenbank würde die Renditen am Anleihenmarkt steigen lassen und damit die Attraktivität von festverzinslichen Wertpapieren gegenüber Aktien erhöhen.

Nach Ansicht des Dekabank-Experten Kater bestätigten die jüngst veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes das anhaltend günstige fundamentale Umfeld. So war die Stimmung in den Industrieunternehmen der Eurozone im Juni auf ein Rekordhoch gestiegen. An den Aktienmärkten habe insofern zuletzt abwartende Vorfreude auf die in Kürze startende Berichtssaison der Unternehmen geherrscht.

Allerdings stellt sich die Frage, wie viel Positives die Börsen bereits vorweggenommen haben. Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg etwa zählt zu den Skeptikern: "Die Gewinndynamik der Unternehmen hat ihren Zenit inzwischen weltweit überschritten." Mit der sukzessiven Rückkehr zur Normalität dürften die Gewinnwachstumsraten in den kommenden Monaten sogar noch weiter sinken und sich damit wieder "normaleren" Niveaus angleichen. Aus Sicht der Anleger bedeute dies nichts anderes, als dass ein gutes Stück Phantasie nun sukzessive schwindet.

Die anhaltende Dax-Rally führte laut Streich zudem dazu, dass die Übernahme von Aktienrisiken künftig nur noch unterdurchschnittlich entlohnt werden dürfte. "Temporär täte dem Markt eine sommerliche Atempause daher wohl durchaus gut", resümierte der Experte.

Auch Analyst Christian Schmid von der Landesbank Helaba blickt eher pessimistisch in die Zukunft. Bislang scheinen die Märkte seiner Meinung nach angesichts des Niedrigzinsumfeldes mit Blick auf hohe Bewertungen sorglos zu agieren. Die überwiegend geringen Kursschwankungen untermauerten diesen Eindruck. Aber genau diese Konstellationen bergen laut Schmid die Gefahr für sehr dynamische Kurseinbrüche.

Anlässe für plötzliche Kursrutsche kann es viele geben, zumal sich die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus immer weiter ausbreitet. Auch die in der neue Woche anstehenden Konjunkturdaten könnten durchaus so ein Auslöser sein, der die erwartete sommerliche Ruhe am Aktienmarkt durchbricht.

Dekabank-Fachmann Kater blickt in Deutschland auf den monatlichen "Dreiklang" von Auftragseingängen am Dienstag, Industrieproduktion am Mittwoch und Außenhandelsdaten am Donnerstag. Auch die Mai-Daten werden seiner Meinung nach zwar von einem enormen Plus gegenüber dem Vorjahr geprägt sein, sie werden aber wohl auch Produktionsprobleme aufgrund von Lieferengpässen signalisieren.

Darüber hinaus lohnt sich Kater zufolge am Mittwochabend die Lektüre des Protokolls der US-Notenbank-Sitzung von Mitte Juni, in der sicherlich über den Ausstiegspfad aus den Anleihekäufen gesprochen worden sei. Für den Merck-Finck-Experten Greil liegt der Fokus zudem bereits am Dienstag auf dem Einkaufsmanager-Stimmungsbericht des Institute for Supply Management (ISM) für den Dienstleistungsbereich./la/tav/men

--- Von Lutz Alexander, dpa-AFX ---

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