WOCHENAUSBLICK: Börsenoptimismus hält an - Doch wie lange noch?

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Am deutschen Aktienmarkt könnte es Börsenprofis zufolge kurzfristig weiter nach oben gehen. So dürfte sich der Dax nach seinem Rekordhoch bei 13 596 Punkten am vergangenen Dienstag auch in der neuen Woche auf die Jagd nach weiteren Bestmarken machen. Allerdings klingt bei einigen Marktkennern immer mehr Vorsicht durch.

"Die Einkaufsmanager-Indizes in den USA, das Verbrauchervertrauen und die Arbeitsmarktdaten werden nächste Woche wohl alle in die gleiche Richtung laufen - Amerika brummt", glaubt Dirk Rogowski, Geschäftsführer von Veritas Institutional. US-Präsident Donald Trump habe mit seiner Steuerreform letztlich ein Konjunkturprogramm für die gesamte Weltwirtschaft hingestellt. Dies werde auch den US-Dollar mittelfristig wieder stärker machen. "Die Börsenampeln stehen weiter auf Grün", stellte Rogowski fest.

Commerzbank-Experte Andreas Hürkamp schlägt ebenfalls in diese Kerbe: "Wir gehen davon aus, dass der Gewinnboom in den USA die Aktienmärkte im ersten Quartal weiter nach oben treiben wird. Doch ab dem zweiten Quartal könnten Diskussionen über eine weniger expansive globale Geldpolitik die positiven Gewinntrends überlagern, so dass dem Bullenmarkt eine Pause droht." Er empfiehlt den Anlegern, in den kommenden Wochen die derzeit steigenden Inflationserwartungen im Euroraum und in den USA im Blick zu behalten.

Helaba-Volkswirtin Claudia Windt rechnet wie Rogowski mit soliden US-Wirtschaftsdaten in der neuen Woche. "Jedoch könnte Donald Trump politische Risiken wieder auf die Tagesordnung bringen, wenn er die Rede zur Lage der Nation nutzen sollte, in Handelssachen gegen China 'mobil zu machen'", so Windt.

"Auf den ersten Blick scheint alles in bester Ordnung zu sein: Konjunktur - läuft! Aktien - laufen", schrieb Windts Helaba-Kollege Markus Reinwand. Der Ifo-Geschäftsklimaindex habe zuletzt Spitzenwerte erreicht. Betrachte man jedoch den wohl wichtigsten deutschen Frühindikator genauer, zeige sich, dass die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden sechs Monate bereits zum zweiten Mal in Folge etwas verhaltener ausgefallen seien. "Dies ist erfahrungsgemäß ein Indiz dafür, dass die Konjunkturstimmung ihren Gipfel ausbildet. Die für Aktien beste Phase wäre damit vorbei", so Reinwand. Neben zyklischen Argumenten sprächen auch die hohe Bewertung und die bereits recht ausgelassene Stimmung eher für eine anstehende Korrektur.

Daniel Saurenz von Feingold Research verweist in seinem Wochenkommentar auf die jüngst starken Schwankungen an den Devisenmärkten: "Der starke Euro kommt der EZB ungelegen und auch beim Dax bremst die Währung den Schwung. Ganz klar - Aktien hängen auch vom Währungsmarkt ab und dort hat sich das Blatt gewendet. Der Euro ist momentan Nummer eins und dies stört die Dax-Party massiv", so Saurenz. Abgesehen vom Euro sei das Umfeld fundamental aber perfekt. Denn die Quartalsgewinne der deutschen Unternehmen dürften üppig und zufriedenstellend ausfallen, glaubt der Marktexperte.

Von Unternehmensseite stehen in der neuen Woche noch relativ weniger Quartalsberichte auf der Agenda. Am Dienstag wartet der Softwarekonzern SAP mit seinen aktuellen Geschäftszahlen auf. Am Mittwoch folgen der Siemens-Konzern und dessen ehemalige Tochter, der Halbleiterhersteller Infineon . Am Donnerstag präsentiert der Autobauer Daimler seine Jahresresultate und am Freitag die Deutsche Bank .

Aus Konjunktursicht dürften in der kommenden Woche neben den bereits erwähnten US-Daten die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts und die Inflationsdaten in der Eurozone sowie die deutschen Arbeitsmarktzahlen im Anlegerfokus stehen. Vorlaufende Indikatoren bescheinigten dem Jahresschlussquartal ein insgesamt robustes Wirtschaftswachstum, schrieb DZ-Bank-Ökonom Matthias Schupeta. Beim Treffen des geldpolitischen Rates der US-Notenbank werde eine Zinserhöhung wohl nicht auf der Agenda stehen, glaubt Schupeta. Denn die Notenbankvorsitzende Janet Yellen habe letztmals den Vorsitz in dem Gremium inne und dürfte deshalb keine neuen Weichen in der US-Geldpolitik stellen./edh/la/he

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---