WOCHENAUSBLICK: Angriff auf Dax-Rekordhoch mehr als fraglich

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die neue Woche am Aktienmarkt hat es in sich. Die auf den Zenit zusteuernde Berichtssaison hält die Anleger in Atem. Als konjunkturelle Höhepunkte hinzu kommen in der ersten Wochenhälfte Stimmungsdaten aus den Industrien der USA, Chinas und Europas, dann die Zinssitzung der US-Notenbank Fed am Mittwoch sowie der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

Bereits am Wochenende steht mit dem G20-Gipfel in Rom die Politik im Fokus. China hofft auf eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft durch die Gruppe der großen Industrienationen. Durch die Corona-Pandemie sowie die Veränderungen in der Weltwirtschaft und der globalen Ordnung sei die Erholung "voller Instabilität und Ungewissheit", sagte vor dem G20-Start Pekings Außenamtssprecher Wang Wenbin.

Für zunehmende Ungewissheit sorgen mittlerweile auch wieder die in vielen Ländern Europas rasant steigenden Corona-Infektionszahlen. Mit Beginn der kühleren Witterung habe die Pandemie wieder spürbar an Fahrt aufgenommen, schrieb Volkswirt Christoph Weil von der Commerzbank. Darauf werde die Politik trotz voraussichtlich geringerer Belastung des Gesundheitssystems wohl mit neuen Beschränkungen reagieren. "Aber auch dort, wo es keine Einschränkungen gibt, wird die Wirtschaft leiden. Denn aus Furcht vor einer Ansteckung werden viele Menschen freiwillig ihre Kontakte einschränken", so Weil. Dies werde beim privaten Verbrauch Bremsspuren hinterlassen. Weitere Unterbrechungen der Produktion seien möglich, sodass die Materialengpässe länger anhalten dürften. Die Konsequenzen seien weniger Wachstum und mehr Inflation.

Die Lieferengpässe treffen inzwischen immer mehr Unternehmen. Beim weltgrößten Online-Händler Amazon <US0231351067> etwa war zuletzt der Gewinn eingebrochen und auch der iPhone-Hersteller Apple <US0378331005> wird von Chip-Engpässen und Corona-Ausfällen schwer belastet. "Amazon und Apple sind die gefürchtete Belastung aus der Berichtssaison, die das Potenzial hat, den Markt deutlich einzubremsen", warnte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners.

Dabei verlief die Berichtssaison beiderseits des Atlantiks bislang eigentlich recht vielversprechend. Der Aktienstratege Mislav Matejka von JPMorgan rechnete aus, dass in den USA bislang 82 Prozent der Unternehmen, die ihre Quartalszahlen schon vorgelegt haben, die am Markt erwarteten Gewinne übertroffen haben. In Europa liege diese Zahl bei den Unternehmen aus dem Stoxx 600 <EU0009658202> bei 68 Prozent.

Die guten Zahlen bescherten den Indizes an der Wall Street und an der Nasdaq jüngst weitere Rekorde. Und auch in Frankfurt halfen positive Überraschungen der Unternehmen dem Dax <DE0008469008> auf die Beine. Nun aber scheint es für den deutschen Leitindex wieder etwas schwieriger zu werden, sein im August markiertes Rekordhoch etwas über der 16 000er-Marke wieder zu erreichen. Angesichts der bestehenden Belastungsfaktoren sollten die Anleger kurzfristig die Risiken wieder etwas höher gewichten, raten die Experten der Landesbank Helaba.

Die Europäische Zentralbank hält derzeit an ihrer Einschätzung, wonach der Inflationsanstieg vorübergehender Natur ist, noch fest. Die Zinserhöhungsfantasien am Markt lassen deswegen aber nicht nach, wohl auch deshalb, weil andere Notenbanken inzwischen mit einem strafferen geldpolitischen Kurs auf die höhere Teuerung reagieren. Den Aktienkursen kann dies schaden, denn für die Anleger ergeben sich dann wieder attraktivere Anlagemöglichkeiten.

Wie die weiteren geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank (Fed) ausfallen, werden die Anleger am Mittwoch erfahren. In den Köpfen der Marktteilnehmer werde die erste Zinserhöhung dort nun bereits Mitte 2022 erwartet, schrieb Aktienstratege Frank Klumpp von der Landesbank Baden-Württemberg. Die Fed-Sitzung dürfte zudem weitere Hinweise bringen zum Ausstieg aus den Anleihekaufprogrammen (Tapering) der Notenbank. Der Aktienmarkt sei aber bei diesem Thema mittlerweile hinreichend sensibilisiert, soll heißen: Mit allzu viel Druck auf Aktien rechnet Klumpp nach dem Fed-Entscheid nicht.

Ob der Dax in der neuen Woche die Kraft hat, die Marke von 16 000 Punkten anzusteuern oder stärker unter Druck gerät, dürfte nicht zuletzt von der Berichtssaison abhängen. Allein aus dem Leitbarometer legen zehn Konzerne Quartalszahlen vor. Den Anfang machen am Dienstag der Gesundheitskonzern Fresenius <DE0005785604> und dessen Tochter, der Dialyseanbieter Fresenius Medical Care (FMC) <DE0005785802>. Die Kurse von Fresenius und FMC stehen zurzeit erheblich unter Druck. Analyst Falko Friedrichs von Deutsche Bank rechnet insbesondere für FMC mit einem schwachen Quartal.

Zur Wochenmitte berichten der Autobauer BMW <DE0005190003>, der Online-Modehändler Zalando <DE000ZAL1111> und das Gendiagnostik-Unternehmen Qiagen <NL0012169213> über die jüngste Geschäftsentwicklung. Ein besonders heißer Tag der Bilanzsaison erwartet die Anleger dann am Donnerstag - mit Geschäftszahlen des Wohnungskonzerns Vonovia <DE000A1ML7J1>, des Chemikalienhändlers Brenntag <DE000A1DAHH0> sowie von Heidelbergcement <DE0006047004>, der Deutschen Post <DE0005552004> und vom Medizintechnikhersteller Siemens Healthineers <DE000SHL1006>./ajx/la/he

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---

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