Die Woche in Europa: "Auf der Rennstrecke zur Klimahölle"

Die Woche in Europa: "Auf der Rennstrecke zur Klimahölle"

In dieser Woche begann in Ägypten die UN-Klimakonferenz COP27 am Ende eines Jahres, in dem die Welt praktisch überall extremes Wetter erlebt hatte. Vom Klima verursachte Katastrophen töteten Tausende, vertrieben Millionen und kosteten Milliarden an Schäden rund um den Globus.

Massive Überflutungen zerstörten große Teile Pakistans und Nigerias, während europäische Flüsse nie gekannte Wassertiefststände führten. Dürren verschlimmerten sich in Afrika und im Westen der USA, und in Europa gab es heiße Temperaturen bis in den Oktober hinein.

Nichts von alldem war eine wirklich Überraschung. Experten sehen diese Katastrophen seit Jahren voraus. Doch die politischen Mühlen mahlen langsam. Und die Warnung des UN-Generalsekretärs klang so, als hätten wir sie schon oft gehört.

Antonio Guterres: "Die Uhr tickt. Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens und verlieren. Treibhausgasemissionen steigen weiter, ebenso globale Temperaturen. Unser Planet nähert sich rasch entscheidenden Momenten, die das Klimachaos unumkehrbar machen. Wir sind auf einer Rennstrecke zur Klimahölle, mit unserem Fuss auf dem Gaspedal. Die Menschheit hat die Wahl: Kooperation oder Niedergang. Solidarität oder kollektiver Selbstmord."

Kollektiver Selbstmord... Doch einige sind dem Tode näher als andere. Erstmals wurde das heiße Eisen Klimareparationen auf die offizielle Tagesordnung gesetzt. Das Thema wurde von klimaverletzlichen Ländern des globalen Südens schon vor 30 Jahren vorgebracht.

Diese auch bisweilen "Schäden und Verlust" genannten Zahlungen sollen armen Ländern helfen, mit den katastrophalen Klimaeffekten fertig zu werden, die sie nicht selbst zu verantworten haben. Die USA und die EU haben solche Zahlungen in der Vergangenheit stets abgelehnt, doch jetzt signalisierte Brüssel einen Sinneswandel.

Ursula von der Leyen, EU-Kommissionspräsidentin: “Es ist nun wichtig, uns zusammenzusetzen und zu definieren, um was genau es geht und dann nach Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen. Ich rede nicht von den 100 Milliarden aus dem Klimatopf, sondern ich rede von anderen Geldquellen."

Dazu ein Interview mit Mats Engström, Berater am Schwedischen Institut für Europapolitik und Experte für EU-Klimapolitik.

Euronews: Auf der COP26 in Glasgow voriges Jahr stimmten die Teilnehmerländer einem größeren Klimaengagement zu, doch nur wenige taten es. Können wir in diesem Jahr ein anderes Ergebnis erwarten?

Engström: Also, wohl nicht in diesem Jahr. Wir haben nicht viele neue Verpflichtungserklärungen in Ägypten gesehen, aber es ist auch eine schwierige geopolitische Situation. Ich glaube, wir können auf 2024 hoffen, wenn die Konferenz in Europa stattfindet und es zudem eine große Konferenz über die Zukunft der Vereinten Nationen gibt.

Euronews: Eines der Hauptprobleme ist das Mißtrauen zwischen dem globalen Norden und Süden darüber, wer was für den Klimakampf zu bezahlen hat. Sehen Sie hier einen Ausweg?

Engström: Wir haben bereits in den Konferenzreden Bewegung festgestellt. Es gibt eine wichtige Initiative von Deutschland unter seiner G7-Präsidentschaft zusammen mit bedrohten und armen Staaten, um zu einer Art Versicherungslösung zu kommen. Dann gibt es eine Agenda im Kampf gegen die Schuldenkrise auf Initiative von Barbados, die immer mehr Unterstützung bekommt.

Euronews: Einige EU-Staaten würden gerne eine doppelte Strategie verfolgen, bei der sozusagen eine Koalition der Willigen in ihrer Klimapolitik weiter geht als alle anderen. Wie kann das Erfolg haben, da doch der Klimawandel eine globale Herausforderung ist?

Engström: Das stimmt. Und deswegen ist es wichtig, dass jeder an Bord ist wie bei der Klima-Konvention, die von fast allen Ländern der Welt unterzeichnet wurde. Wenn Sie aber die Emissionen ansehen, so gibt es eine geringere Zahl von Staaten, die die größten Emittenden sind. Zusätzlich zu den COP27-Gesprächen gibt es Hoffnung auf Fortschritte außerhalb der formalen Agenda etwa bei Elektroautos, schadstofffreiem Stahl und erneuerbarer Energie.

Euronews: Wie viel Schaden kann der Konflikt um russisches Erdgas für die EU-Klimapolitik anrichten?

Engström: Das macht die Dinge natürlich komplizierter, etwa für die finanzielle Unterstützung von ärmeren Ländern. Andererseits beschleunigt es den Übergang zu mehr Energie-Effizienz und erneuerbaren Energien. Alles hängt davon ab, wie die Regierungen mit dieser schwierigen Situation umgehen.