WM verrückt! Wut bei Neureuther und Zoff über ungleiche Piste

SPORT1
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Die Fakten klangen zunächst einmal wenig Aufreger-trächtig: Nach dreimal Silber waren die deutschen Skirennläufer bei der WM in Cortina d'Ampezzo nur haarscharf an einer weiteren Medaille vorbeigefahren. (Zeitplan der Ski-WM 2021 in Cortina d'Ampezzo)

Alexander Schmid unterlag im erstmals ausgetragenen Parallel-Rennen Topfavorit Loic Meillard aus der Schweiz im Kampf um Bronze, weil er bei seiner gewagten Aufholjagd im zweiten Lauf stürzte.

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"Das gehört dazu, es muss ein vierter Platz her", sagte Schmid in der ARD geknickt, hielt sich mit Kritik an dem sportlich fragwürdigen Event in Gentleman-Manier zurück: "Eigentlich zählt nur Platz drei, der Vierte ist der erste Verlierer. Aber ich bin trotzdem zufrieden."

Das Wettern übernahmen dafür Andere - was auch durchaus seine Berechtigung hatte, denn: Die Parallel-Premiere rangierte am Ende sportlich zwischen Flop und Desaster.

Ski-WM: Neureuther sauer nach Parallel-Rennen

Felix Neureuther brachte es am ARD-Mikrofon regelrecht auf die Palme. (Alles Wichtige zum alpinen Ski-Weltcup)

"Das ist keine gute Werbung für den Skisport. Eine Katastrophe. Ich will so ein Format nicht bei einer WM sehen", schimpfte der frühere Ski-Profi und nahm umgehend Kontakt zu Renndirektor Markus Waldner auf, um sich zu beschweren.

Was konkret geschehen war: Der abgesteckte rote Kurs wurde mit zunehmender Dauer klar schneller als der blaue, viele Beobachter und Beteiligte sprachen hinterher von Wettbewerbsverzerrung.

Wie Neureuther nahm den auch der Schweizer Marco Odermatt im SRF-Interview kein Blatt vor den Mund: "So ist es schon die Frage, ob es noch Sinn macht."

Absurd: Rote Strecke wird immer schneller

Je länger das Rennen dauerte, desto verheerende die ungleichen Bedingungen. Zwar mussten die Athletinnen und Athleten jeweils einmal den roten und den blauen Kurs fahren.

Aber: Beim ersten Lauf betrug der Maximal-Rückstand nur eine halbe Sekunde. Dagegen holten fast alle Fahrer, die beim späteren Re-Run auf rot fahren durften, zeitlich gravierend auf, überholten die Konkurrenz noch.

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Womöglich hatte es auch daran gelegen, dass Schmid vor seinem Kampf um Bronze den Einzug ins Finale zuvor gegen den ersten Weltmeister verpasste.

Der Allgäuer musste schließlich mitansehen , wie Mathieu Faivre aus Frankreich im Duell um Gold und Silber Filip Zubcic aus Kroatien das Nachsehen gab. (Ski alpin: Alle Rennen im LIVETICKER)

Frauen-Wettbewerb mit zeitweise zwei Siegerinnen

Mindestens genauso absurd mutete nach einer irren Wende auch das Frauen-Wettbewerb an:

Die Italienerin Marta Bassino und Katharina Liensberger aus Österreich überquerten im großen Finale zeitgleich die Ziellinie. Doch weil sie analog der praktizierten Regel im Re-Run aufgeholt hatte, wurde Bassino als Siegerin und neue Weltmeisterin verkündet.

Bei der Siegerehrung stand dann aber auch Liensberger mit ganz oben auf dem Podest. Hintergrund: Im Reglement war zunächst übersehen worden, dass es zwei Weltmeisterinnen geben muss, wenn beide Fahrerinnen im kleinen oder großen Final zeitgleich ins Ziel kommen.

Bronze ging am Ende an Tessa Worley aus Frankreich. (Ski alpin: Rennkalender der Saison 2020/21)

Debatte über ohnehin fragwürdigen Wettbewerb

Doch die Debatten über die Wertigkeit eines solches Wettbewerbs waren da schon voll entbrannt - und nach einer starken Qualifikation Stefan Luitz (Bolsterlang) und Linus Straßer (München) bereits im Achtelfinale bzw. Viertelfinale ausgeschieden.

Bei den Frauen wiederum hatte für die mitfavorisierte Petra Vlhova (Slowakei) ein Sturz das Scheitern schon in der Quali bedeutet, während Topstars wie Mikaela Shiffrin (USA), Alexis Pinturault (Frankreich) oder Henrik Kristoffersen (Norwegen) gar nicht erst angetreten waren.

Straßer, der in der Runde der letzten Acht ebenfalls Meillard den Vortritt überlassen musste, hatte am Morgen in seiner Qualifikationsgruppe noch Rang vier belegt.

"Es war auf jeden Fall ein guter Wettbewerb, um in die WM zu starten", so der Münchner.

Ski-WM: Das hat Linus Straßer vor

Am Mittwoch muss er womöglich schon wieder ran, dann wird ebenfalls im Parallel-Modus der Team-Event (ab 12.15 Uhr im LIVETICKER) gefahren. Er werde den Ersatzfahrer für Schmid und Luitz machen, berichtete Straßer.

Auch Luitz hatte sich in seinem ersten Einsatz nach einer Muskelverletzung Anfang Januar Hoffnungen machen dürfen - wie Schmid hatte er in seiner Qualifikationsgruppe Rang zwei belegt und als einer von je acht Zeitschnellsten die K.o.-Runde erreicht.

Dort konnte er seinen Vorsprung aus dem ersten Lauf gegen Zubcic auf dem langsameren blauen Kurs aber nicht verteidigen. "Ich bin froh", sagte Luitz dennoch, "dass ich überhaupt hier stehen kann."

Auch für Andrea Filser, die sich als einzige von drei gestarteten deutschen Frauen überraschend für die K.o.-Runde qualifiziert hatte, war schon im Achtelfinale Endstation.

Die 27 Jahre alte WM-Debütantin verlor gegen Gesamtweltcupsiegerin Federica Brignone (Italien) mit einem Gesamtrückstand von 0,43 Sekunden, nachdem sie in der Qualifikation in ihrer Gruppe überraschend Rang vier belegt hatte.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)