WM-Party in Mexiko? Diese Gefahren lauern auf Hamilton

Stefan Schnürle

Muss Mercedes-Pilot Lewis Hamilton seine fest eingeplante WM-Party in Mexiko (So., ab 20 Uhr im LIVETICKER) etwa doch noch einmal verschieben?

Ferrari-Star Sebastian Vettel hat ihm im Qualifying jedenfalls die Show gestohlen. Mit dem letzten Versuch holte sich der viermalige Weltmeister durch eine Zauberrunde die 50. Pole seiner Karriere und verwies Max Verstappen im Red Bull auf Platz zwei.

"Das war eine Hammerrunde", freute sich Vettel und sagte zu den Chancen im WM-Kampf: "Es liegt nicht mehr in unserer Hand. Dazu ist der Vorsprung zu groß. Der Ball liegt bei ihm. Wir versuchen ihn daran zu hindern, solange es geht. Ich glaube, wir haben eine Chance auf den Sieg."

Mercedes: "Die schwierige Diva ist zurück"

Hamilton geht dagegen nur von Rang drei ins Rennen und muss aufpassen, dass er im Rennen nicht weiter abrutscht - sonst könnte der vierte WM-Titel tatsächlich noch einmal in Gefahr geraten.

Denn sollte Vettel siegen, muss der Brite mindestens Fünfter werden, um sich nach dem Rennen als Weltmeister feiern lassen zu können. Was vor dem Rennen noch als ausgeschlossen galt, scheint jetzt nicht mehr unmöglich. 


Mercedes machte in Mexiko bisher alles andere als einen gefestigten Eindruck und hatte mit alten Problemen zu kämpfen: "Die schwierige Diva war heute wieder zurück", brachte es Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff auf den Punkt.

Die große Gefahr heißt Verstappen 

Da Teamkollege Bottas sich im Notfall jedoch hinter seinen Teamkollegen zurückfallen lassen würde, müsste die Silberpfeil-Diva trotzdem einen sehr schlechten Tag erwischen, damit es nicht zu mindestens Rang fünf für Hamilton reicht.

Zwei Gefahren lauern aber dennoch auf Hamilton - eine davon trägt den Namen Verstappen. Der Niederländer hat bereits 2016 in einigen beinharten Duellen mit Weltmeister Nico Rosberg bewiesen, dass es ihm egal ist, wer gerade um den Titel kämpft.


Verstappen weiß, dass die WM-Kandidaten in Zweikämpfen meist zurückziehen und hält dementsprechend gerne einmal rein. Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda rät seinem Schützling Hamilton deshalb, sich am Start von Verstappen fern zu halten.

"Wenn ich der Lewis wäre, würde ich am Start zuschauen, was die beiden da vorne machen. Wenn es sich aussortiert hat, würde ich versuchen, das Rennen zu gewinnen", sagte Lauda bei Sky.

Hamilton will am Start angreifen

Doch ob der ehrgeizige Hamilton auf seinen Chef hören wird? Seine Aussage nach dem Qualifying hört sich nicht danach an. "Ich hoffe, dass ich zumindest einen der beiden am Start überholen kann. Der Weg bis zur ersten Kurve ist sehr lang, da sollten wir morgen Spaß haben", sagte Hamilton.


Fast 900 Meter beträgt die Distanz zur ersten Kurve. Zeit genug, um sich im Windschatten an Verstappen heranzusaugen und ihn anzugreifen – doch dieser wird in der ersten Kurve kaum zurückzuziehen.

Für Vettel dürften sich Hamiltons Aussagen wie Musik in seinen Ohren anhören: "Ich hätte nichts dagegen, wenn es am Start hinter mir feurig wird. Es ist ein langer Weg bis zur ersten Kurve, da kann viel passieren."

Kühlung kann zum Problem werden

Dass Hamilton am Start unbedingt weiter nach vorne will, hat einen einfachen Grund. Die Kühlung könnte in der Höhenlage Mexikos zu einem großen Problem werden.

"Es wird für alle Teilnehmer sehr schwierig werden, was die Kühlung von Motor und Bremsen angeht", glaubt jedenfalls Wolff vor dem erwarteten Hitzerennen.

Das Problem wird dabei umso größer, wenn man hinter seinem Vordermann herfahren muss und keine freie Fahrt hat. Im schlimmsten Fall überhitzt der Motor und das Rennen ist im Eimer.

Von Rang drei startend braucht Hamilton daher entweder einen genialen Start oder viel Geduld im Rennen - denn sonst könnte seine WM-Party in Mexiko tatsächlich ins Wasser fallen.