WM 2018: Joachim Löw macht DFB-Reservisten Mesut Özil und Sami Khedira nach Schweden-Sieg Mut

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Sami Khedira nach DFB-Aus: "Eigene Leistung ist mir unerklärlich"

Nationalspieler Khedira hat nach dem frühen Aus der deutschen Nationalel Selbstkritik geübt. Der Mittelfeldspieler ist im Rückblick fassungslos.

Sami Khedira stapfte mit einem tief ins Gesicht gezogenen schwarzen Basecap durch die Katakomben des Fischt-Stadions, Mesut Özil ließ sich erst gar nicht blicken. Bei der Jubelexplosion nach dem Last-Minute-Treffer von Toni Kroos waren die für das Schweden-Spiel nicht berücksichtigten Weltmeister in der deutschen Spielertraube zwar mittendrin, doch Bundestrainer Joachim Löw hatte zuvor ein deutliches Zeichen gesetzt: Die eigentlich Unantastbaren schmorten im Alles-oder-Nichts-Duell auf der Bank.

Nach dem glücklichen Erfolg gegen die Skandinavier waren alle Verantwortlichen aber darum bemüht, die Tragweite dieser Entscheidung herunterzuspielen. "Die, die nicht gespielt haben, werden definitiv weiter gebraucht. Auch Mesut Özil und Sami Khedira - beide werden wir weiter brauchen", sagte Löw. Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff betonte: "Sie sind verdiente Spieler und keinesfalls abgeschrieben."

Bei WM und EM: Mesut Özil spielte seit 2010 immer von Beginn an

Und dennoch: Löws Entscheidung darf als klares Statement gewertet werden: gegen Özil, gegen Khedira. Ersteren hatte der Bundestrainer in 26 WM- oder EM-Spielen in Serie seit 2010 immer von Beginn an gebracht. Khedira bezeichnete er noch vor Turnierbeginn als "unverzichtbar". Die entlarvende Startpleite gegen Mexiko (0:1) ließ den Weltmeistercoach umdenken. Trotz Rückstands und der frühen Verletzung von Sebastian Rudy waren Özil und Khedira für ihn im wegweisenden Spiel gegen Schweden keine Option. "Man hatte nicht das Gefühl, dass jeder den Ernst der Lage erkennt", sagte Bierhoff in Bezug auf das Mexiko-Spiel vor dem Anpfiff.


Ob das Weltmeister-Duo beim Gruppenfinale am Mittwoch in Kasan gegen Südkorea eine neue Chance erhält, ist völlig offen. "Der Bundestrainer bekommt alle Trainingseindrücke mit", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel. Am Montag können sich Özil und Khedira bei der Einheit in Watutinki wieder empfehlen. 

Sami Khedira über Bankplatz: "War nicht überrascht"

Verbal taten sie dies schon nach der Partie. "Wir versuchen, diesen Spirit und den Teamgeist wieder zu wecken. Ich bin mit dem Bundestrainer immer im Austausch. Ich war nicht überrascht. Es geht ums Kollektiv und nicht um einzelne Spieler", sagte Khedira, der seinem "Ersatz" Rudy vor Spielbeginn aufmunternd auf die Schulter geklopft hatte. "Wir sind ein Team - auf und neben dem Platz", twitterte Özil aus der deutschen Kabine und stellte dazu ein Foto, das ihn an der Seite des für Özil ins Team gerückten Torschützen Marco Reus zeigte.

Undenkbar ist es nicht, dass Khedira und Özil im weiteren Turnierverlauf noch eine (wichtige) Rolle spielen können. Doch wie geht es danach weiter? Khedira ist mit seinen 31 Jahren der drittälteste Spieler im deutschen WM-Kader nach Kapitän Manuel Neuer und Mario Gomez (beide 32). Der wegen der Erdogan-Affäre in der Kritik stehende Özil wird im Oktober auch schon 30. Eine DFB-Auswahl ohne die beiden langjährigen Leistungsträger? Seit Samstag nicht mehr undenkbar.