WM 2018: Debütant Szymon Marciniak pfeift DFB-Team gegen Schweden

Schiedsrichter Szymon Marciniak leitet das Gruppenspiel zwischen Deutschland und Schweden. Der Pole ist erstmals bei einer WM dabei.

Mit sich selbst im Fußball-Trikot hätte Szymon Marciniak als Schiedsrichter große Probleme. "Wenn ich ehrlich bin, war ich ein verrückter Fußballer. Mit mir hatten es die Unparteiischen nie leicht", sagt der polnische Referee, der am Samstag in Sotschi das zweite WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden (20.00 Uhr im LIVE-TICKER) pfeift.

Der 34-Jährige, der als jugendlicher Fußballer für den polnischen Erstligisten Wisla Plock in seiner Heimatstadt aktiv war und es später als "Mittelfeldmotor" immerhin in die 4. Liga schaffte, profitiert heute aber von seinen Erfahrungen als Spieler. "Es hilft ungemein, wenn man gespielt hat. Dass ich selbst so ein verrückter Hund war, macht es mir leichter, gut mit denen auszukommen, die Ärger auf dem Platz machen", äußert Marciniak.

Deutschland hat gute Erinnerungen an Marciniak

Mit der Zeit hat der Unparteiische, der seit 15 Jahren Spiele pfeift, seine ganz eigene Strategie im Umgang mit schwierigen Situationen entwickelt. "Oft ist es am besten, man sagt erst einmal gar nichts zu den Spielern, weil die Frustration nach einer Entscheidung sehr hoch sein kann", sagt Marciniak, der im "normalen Leben" sein Geld als Geschäftsmann verdient: "Nach einer Weile kann man dann einen kleinen Witz machen - das löst die Anspannung."

Diese Vorgehensweise hat die deutsche Mannschaft schon kennengelernt. WM-Debütant Marciniak, der 2009 seine Premiere in der polnischen Eliteklasse gefeiert hat und schon zwei Jahre später zum FIFA-Referee aufstieg, war bei der EM-Endrunde vor zwei Jahren in Frankreich beim Achtelfinale in Lille gegen die Slowakei im Einsatz. Damals gewann die deutsche Auswahl 3:0 (2:0). Bei der Endrunde in Russland leitete der Schiedsrichter bereits die Partie zwischen Argentinien und Island (1:1) in Moskau.

Szymon Marciniak träumt vom WM-Finale

"Als ich anfing, habe ich selbst noch gespielt. Aber ich wusste, dass ich es als Spieler nie bis ganz nach oben schaffen würde", sagt Marciniak: "Als Schiedsrichter ging das dagegen schnell, weil ich durch eine spezielle Förderung für ehemalige Aktive rasch aufsteigen konnte. Damals hatten viele Unparteiische aufgehört - das war meine Chance."

Und die hat der Referee, der auch schon Spiele in Japan und Saudi-Arabien leitete, ergriffen. Sein Weg führte ihn bis zur WM-Endrunde. Die Vorrunde soll dabei nicht das Ende der Fahnenstange sein: "Ich habe vor vielen Jahren gesagt, dass ich ein WM-Finale leiten möchte - da haben mich viele meiner Kollegen ausgelacht. Aber ich bleibe dabei: Das ist mein Ziel."