Witwe von verstorbenem Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo zurück in Peking

Kundgebung am Mittwoch in Hongkong für Liu Xia

Liu Xia, die wochenlang aus der Öffentlichkeit verschwundene Witwe des verstorbenen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo, ist nach Angaben einer Hongkonger Nichtregierungsorganisation (NGO) zurück in Peking. Lu Siqing, der Gründer des in Hongkong ansässigen Informationszentrums für Menschenrechte und Demokratie, sagte am Sonntag, sie stehe dort immer noch unter Hausarrest.

Als er am Samstag mit ihr telefonierte, habe sie unter Tränen mit "sehr geschwächter Stimme" erklärt, dass sie mit starken Psychopharmaka gegen Depressionen behandelt werde. Die NGO teilte in einer gesonderten Erklärung mit, verschiedene Freunde von Liu Xia hätten bestätigt, dass sie sich in ihrer Wohnung in Peking befinde. Diese werde von Sicherheitskräften und Polizisten in Zivil überwacht.

Die 56-jährige Dichterin wurde seit der Seebestattung ihres Manns am 15. Juli nicht mehr gesehen. Freunde befürchteten seitdem, dass die chinesischen Behörden sie gegen ihren Willen festhielten. Ihr US-Anwalt Jared Genser hatte Anfang August in einer formellen Beschwerde an die Vereinten Nationen kritisiert, die Witwe werde "von chinesischen Regierungsbehörden an einem unbekannten Ort isoliert festgehalten".

Mitte August war ein YouTube-Video aufgetaucht, in dem Liu Xia versicherte, sie erhole sich derzeit "in einer Provinz außerhalb Pekings" und bitte ihre Anhänger, ihr "Zeit zum Trauern" zu lassen.

Der Menschenrechtsaktivist Liu Xiaobo war am 13. Juli im Alter von 61 Jahren an den Folgen eines Leberkrebses in einem Pekinger Krankenhaus gestorben. Bis zuletzt hatten die Behörden dem 2009 wegen "Subversion" zu elf Jahren Haft Verurteilten eine medizinische Behandlung im Ausland verweigert. Liu Xiaobo wurde 2010 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Seine Ehefrau stand seit 2010 unter Hausarrest, obwohl sie nie eines Vergehens angeklagt wurde. 2014 erlitt sie nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation einen Herzanfall, nachdem bei ihr eine Depression diagnostiziert worden war. Der Tod ihres Mannes setzte ihr nach Angaben von Liu Xiaobos Bruder zusätzlich zu. Seitdem stand die Pekinger Führung unter Druck aus Europa und den USA, die Dichterin freizulassen und ihr die Ausreise zu ermöglichen, wenn sie dies wünsche.