Wissenschaftler im Iran fordern Aufklärung nach Tod von Umweltschützer in Haft

Kavous Seyed Emami war ein renommierter Professor und bekannter Umweltaktivist. Am 24. Januar wurde er mit anderen Mitgliedern einer Umweltschutzorganisation festgenommen, zwei Wochen später soll er sich in Haft das Leben genommen haben

Führende Wissenschaftler im Iran haben die Aufklärung der Todesumstände eines iranisch-kanadischen Umweltschützers gefordert, der sich im Gefängnis das Leben genommen haben soll. "Die Nachricht vom Tod von Dr. Kavous Seyed Emami hat die wissenschaftliche Gemeinde und die Umweltaktivisten des Landes überrascht und schockiert", schrieben vier sozialwissenschaftliche Verbände am Montag in einem offenen Brief an Präsident Hassan Ruhani.

Der 63-Jährige sei nicht nur "ein bekannter Professor, bedeutender Wissenschaftler und Kriegsveteran" gewesen, sondern auch "ein edler und ethischer Mensch", hieß es im Brief der Verbände. "Die Nachrichten und Gerüchte um seine Festnahme und seinen Tod sind nicht glaubhaft." Ruhani müsse umgehend eine Untersuchung des Falls veranlassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Die Familie Emamis hatte am Samstag mitgeteilt, dass sie von der Polizei über den Tod des Wissenschaftlers informiert worden sei. Demnach habe er sich in der Haft das Leben genommen. Ein Justizvertreter sagte, es sei gegen Emami wegen Spionage ermittelt worden und er habe ein Geständnis abgelegt. Der Leiter der Persian Wildlife Heritage Foundation war am 24. Januar mit sieben Mitgliedern der Tierschutzorganisation festgenommen worden.

Im Iran gibt es immer wieder verdächtige Todesfälle in Haft. Ruhanis Berater Hesameddin Aschena forderte eine schärfere Überwachung der Justiz. "Richter, Staatsanwälte, Wächter und Ermittler sind nicht unfehlbar, fehlerfrei oder vorurteilslos", warnte er. "Ein Mortasawi ist genug", mahnte er mit Blick auf den berüchtigten früheren Teheraner Staatsanwalt Said Mortasawi, der wegen des Todes von drei Häftlingen 2009 verurteilt wurde.