Wirtschaftsweise senken Konjunkturprognose für 2021 erneut ab

·Lesedauer: 3 Min.
Container in Dortmund (AFP/Ina FASSBENDER)

Lieferengpässe und Kapazitätsprobleme bremsen die deutsche Wirtschaft aus - erneut haben die sogenannten Wirtschaftsweisen daher ihre Konjunkturprognose für 2021 abgesenkt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung rechnet nun nur noch mit einem Wachstum von 2,7 Prozent und erst 2022 wieder mit einem kräftigen Aufschwung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte, dass das Jahresgutachten einen Schwerpunkt auf die Themen Bildung und Nachhaltigkeit setzt.

Im Frühjahr war das Gremium, das die Regierung berät, noch von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3,1 Prozent und vor einem Jahr von 3,7 Prozent ausgegangen. Nun gab es eine deutliche Korrektur. Zwar habe sich die Erholung der deutschen Wirtschaft im Sommer fortgesetzt, allerdings werde diese "durch vielfältige angebotsseitige Engpässe gedämpft", teilten die Expertinnen und Experten mit.

Für 2022 erwartet der Sachverständigenrat ein kräftiges Wachstum von 4,6 Prozent. Das Vorkrisenniveau aus dem letzten Quartal 2019 werde voraussichtlich im ersten Quartal 2022 wieder erreicht, hieß es weiter. Allerdings sei die "Unsicherheit über die kommende wirtschaftliche Entwicklung" hoch, warnten die Experten. Demnach könnten neue pandemiebedingte Einschränkungen oder länger anhaltende Lieferengpässe die Erholung stärker belasten.

Bei der Inflation rechnet der Sachverständigenrat mit einem Wert von 3,1 Prozent im Gesamtjahr - denn die deutlich gestiegene weltweite Nachfrage habe zu "hohen Rohstoff- und Energiepreisen" sowie zu Engpässen beim Angebot geführt. Im kommenden Jahr dürfte die Inflation dann auf 2,6 Prozent zurückgehen, prognostizierten die Forscher.

Neben der Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit bei der Klimapolitik und einer wieder normalisierten Geldpolitik betont das Gutachten vor allem auch den Aspekt Bildung, damit die Transformation hin zu einer klimafreundlichen und digitalen Wirtschaft gelingt. Bisher würden im deutschen Bildungssystem noch zu wenig die schlechteren Startbedingungen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien ausgeglichen, kritisierte das Gremium.

"Die Bildungsungleichheiten haben sich in der Corona-Krise weiter verstärkt", erklärte Achim Truger, Mitglied des Sachverständigenrates. Daher seien umfangreiche Bildungsinvestitionen nötig, um die Rückstände aufzuholen. Denkbar seien dafür verstärkte Einzel- und Kleingruppenförderung in Schulen sowie der Einsatz digitaler Lernprogramme.

Merkel begrüßte den Fokus: "Wir müssen auch schauen, dass wir unsere deutsche Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Konzert erhalten und möglichst vorne mit dabei sind", sagte sie bei der Entgegennahme des Gutachtens.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte, Ökologie und Ökonomie seien "kein Gegensatz, sondern zwei Seiten einer Medaille". Nötig seien Innovationen und Investitionen in neue saubere Technologien und mehr europäische Souveränität bei der Digitalisierung.

Der Industrieverband BDI sprach von einem "Alarmsignal für die deutsche Politik". Der Mangel an Rohstoffen, Chips und Vorprodukten sowie Staus an Häfen und unzureichende Containerkapazitäten "werden der Industrie weiterhin zusetzen". Damit wieder Vorkrisenniveau erreicht werden könne, müssten auch die pandemiebedingten Einschränkungen des Wachstums beseitigt werden. Außerdem seien "massive Investitionen erforderlich - von privater und staatlicher Seite".

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund mahnte, die künftige Regierung müsse sich "im Koalitionsvertrag glaubwürdig verpflichten, die notwendigen öffentlichen Investitionen anzugehen". Die Zukunft dürfe "nicht unter Finanzierungsvorbehalt stehen". Dabei müssten auch Vermögende stärker in die Pflicht genommen werden.

hcy/jm

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.