Wirtschaftsministerium: Stromversorgung auch ohne Atomkraft sicher

BERLIN (dpa-AFX) -Die deutsche Stromversorgung ist nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums auch ohne Atomkraft und bei einem kompletten Kohleausstieg bis 2030 mittelfristig gesichert. Das gelte auch bei einem deutlich steigenden Stromverbrauch etwa durch Wärmepumpen oder E-Autos, hieß es am Mittwoch aus dem Ministerium unter Bezug auf einen Bericht zur Versorgungssicherheit im Stromsektor für die Jahre 2025 bis 2031.

Das Papier der Bundesnetzagentur wird nun innerhalb der Bundesregierung beraten, es muss alle zwei Jahre vorgelegt werden. Der Bericht beruht den Angaben zufolge auf zwei wissenschaftlichen Analysen, bei denen die Versorgungssicherheit in verschiedenen Situationen durchgespielt wurde, bei wechselndem Wetter und mit Ausfällen. Es sei auch geprüft worden, ob der Strom unter unterschiedlichen Bedingungen auch bei den Verbrauchern ankommt, Krisenszenarien seien aber nicht beleuchtet worden. Das Wirtschaftsministerium leitet daraus Handlungsempfehlungen für die Bundesregierung ab.

Bis zum Jahr 2031 kann laut Ministerium in allen Stunden des Jahres die Nachfrage nach Strom gedeckt werden, sowohl die Kapazität zur Erzeugung als auch das Stromnetz reichten dafür aus. Das beruhe aber auf einer Reihe von Voraussetzungen. So müsse etwa Ersatz für die Energieerzeugung aus Kohle geschaffen werden, und zwar zum Beispiel über den Ausbau erneuerbarer Energien oder den Bau von Erdgas-Kraftwerken, die schon für den späteren Betrieb mit klimafreundlicherem Wasserstoff ausgerüstet sein sollen. Hier seien Investitionen sinnvoll, falls die nötigen Kapazitäten für den Import von Flüssiggas geschaffen würden und die Preise sänken.

Zudem sollen eine flexiblere Nachfrage und ein Ausbau des Stromnetzes helfen. Der Bericht geht auch davon aus, dass der Austausch von Energie innerhalb Europas funktioniert.

Das Bundeswirtschaftsministerium folgert aus dem Bericht, dass der Ausbau erneuerbarer Energien weiter vorangetrieben werden müsse. Schon im laufenden Jahr sollten Fördermöglichkeiten für Wasserstoffkraftwerke geschaffen werden. Zudem brauche es mehr Importkapazitäten für Flüssiggas (LNG). Beim Netzausbau müssten bürokratische Hürden sinken: "Potenzial könnte insbesondere in einer Verschlankung des materiellen Prüfprogramms liegen, vor allem im Bereich des Natur- und Artenschutzrechts", so das Ministerium.