Wirtschaftsminister Altmaier verspricht Start-ups mehr Geld


Es gab in den ersten Wochen seiner Amtszeit in Zeiten des schwelenden Handelskrieges mit den USA sicher unangenehmere Termine für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier als den Auftritt vor deutschen Start-ups beim Start-up-Camp, einer Konferenz für Gründer in Berlin.

Dabei ist die deutsche Gründerszene nach Ansicht von Altmaier nicht in der besten Verfassung. „Dass im vergangenen Jahr und im Jahr zuvor die Zahl der Neugründungen gesunken ist, ist ein alarmierendes Zeichen“, sagte Altmaier bei dem unter anderem vom Bundesverband Deutsche Start-ups organisierten Kongress. Es sei nun wichtig, zu handeln und Menschen zum Gründen zu motivieren.

Altmaier stellte sich den Gründern selbstbewusst als „Minister für Wirtschaft und Digitale Themen“ vor. Eine eigene Interpretation. Offiziell liegt die Zuständigkeit für Digitales bei Kanzleramtsminister Helge Braun und der Staatsministerin für Digitales Dorothee Bär. Doch Altmaier will sich das Zukunftsthema Nummer Eins nicht entgehen lassen.


Den Gründern in Berlin verspricht er den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Deutschland und die Digitalisierung der Verwaltung. Neben der Etablierung einer Start-up-Kultur und einer größeren Akzeptanz fürs Scheitern identifizierte Altmaier aber vor allem ein Problem für die Gründerszene: Fehlendes Geld.

Erhebungen zeigen immer wieder, dass in Deutschland vor allem im Vergleich zu den USA wesentlich weniger Kapital für Gründungen zur Verfügung steht. Dabei sei „Zugang zu Kapital der Schlüssel zum Erfolg in der Plattformökonomie“, so Altmaier.

In der vergangenen Legislaturperiode hatte das damals noch SPD-geführte Bundeswirtschaftsministerium verschiedene Programme aufgelegt, durch die in den nächsten Jahren öffentliche Geld in Höhe von zwei Milliarden für innovative Gründer bereit gestellt werden. Er habe sich darüber mit einem Gründer unterhalten, so Altmaier. Der habe ihm gesagt, dass nicht zwei Milliarden, sondern hundert Milliarden Euro nötig wären.

Altmaier versprach, einen Dialog in der EU darüber zu führen. „Wir sollten unser Geld nicht für Sozialprogramme ausgeben, die nicht zu mehr Beschäftigung führen, sondern wir sollten unser Geld auf Innovationen konzentrieren“, forderte er.


Damit sich mehr Menschen trauen, ein Unternehmen zu gründen, müsse sich aber auch die Einstellung der Deutschen zur Wirtschaft ändern. Viele sähen Unternehmer nur als „poor, bloody Capitalists“, sagte Altmaier. Er sehe das nicht so. Unternehmen seien vielmehr Menschen, die anderen eine Beschäftigung geben.

Derzeit beschäftigt sich die deutsche, europäische und amerikanische Politik jedoch vor allem mit der Schattenseite der Digitalwirtschaft. Experten rechnen damit, dass der Datenskandal um Facebook und Cambridge Analytica zu mehr Regulierung für die Branche führen wird.

Noch kurz vor seinem Vortrag in Berlin hatte sich Altmaier rund 20 Minuten mit Facebook-Deutschlandchef Martin Ott unterhalten, der ebenfalls Redner auf der Konferenz war. Man habe aufgrund des Datenskandals um Cambridge Analytica bereits einige Maßnahmen für einen besseren Datenschutz ergriffen, so Ott. „Und da wird noch mehr kommen“, versprach er.