Wirtschaftsforscher warnt vor Folgen der Thüringen-Wahl

Protest gegen die Ministerpräsidentenwahl in Erfurt

Die heftig umstrittene Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum Ministerpräsidenten in Thüringen wird auch von wirtschaftlicher Seite kritisiert: "Dieses Vorgehen schadet dem Ansehen Deutschlands in der Welt", sagte Alexander Kritikos, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dem "Handelsblatt" am Donnerstag. Mit der Wahl im Erfurter Parlament sei "nicht der Standort Thüringen, sondern der Standort Deutschland beschädigt" worden.

Dass Abgeordnete der CDU ohne Not den Kandidaten einer anderen Partei gewählt und dabei die Mitwirkung der AfD billigend in Kauf genommen hätten, führe auch im Ausland zu Befürchtungen, die sich "nur sehr schwierig wieder einfangen" ließen, kritisierte Kritikos.

"Diese Wahl wird als Signal verstanden werden, dass die Partei bereit ist, die von ihr selbst ausgesprochenen Tabus ohne weiteres zu brechen, wenn es um Machtgewinn oder Machterhalt geht", erklärte er weiter. Das senke das Vertrauen in Deutschland, "auch zukünftig uneingeschränkt attraktiv für Ausländer zu sein", wobei gerade Deutschland vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels auf eine "uneingeschränkt gute Reputation" angewiesen sei.