Wirtschaftsexperten warnen vor Nachteilen für Osten durch Ausländerfeindlichkeit

Top-Ökonomen haben vor den wirtschaftlichen Nachteilen für Ostdeutschland durch Ausländerfeindlichkeit gewarnt. Gewalt und ein fremdenfeindliches Image würden Investoren abschrecken, sagte der IWH- Wirtschaftsexperte Oliver Holtemöller

Top-Ökonomen haben vor den wirtschaftlichen Nachteilen für Ostdeutschland durch Ausländerfeindlichkeit gewarnt. "Gewalt und ein fremdenfeindliches Image haben negative Effekte auf die wirtschaftlichen Perspektiven, unter anderem weil Investoren dadurch abgeschreckt werden und weil qualifiziertes Personal dann schwerer zu gewinnen ist", sagte der Vizepräsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, dem "Handelsblatt" vom Freitag.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnte, Ausländerfeindlichkeit schade vor allem Ostdeutschland, "das als Wirtschaftsstandort attraktiver werden muss, um nicht weiter abgehängt zu werden". Nicht nur gut qualifizierte Zuwanderer, sondern zunehmend auch gut qualifizierte, junge Deutsche kehrten vielen Regionen Ostdeutschlands den Rücken - "auch wegen der mangelnden Offenheit und der Ausländerfeindlichkeit."

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, verwies darauf, dass es für Investoren schon heute "keine attraktive Aussicht" sei, dass die neuen Bundesländer unter demografischen Gesichtspunkten vor allem im Bereich der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik unter einer stärkeren Alterung bei gleichzeitig weniger Arbeitskräften mit Migrationshintergrund litten. "Wenn sich dann noch der Eindruck verfestigt, dass hier Ausländer gefährdeter sind, dann ergibt sich eine besondere Standortbelastung", sagte Hüther dem Blatt.

Laut einer am Donnerstag von der Amadeu Antonio Stiftung und Pro Asyl veröffentlichten Studie sind die neuen Bundesländer im Verhältnis zu ihrer Einwohnerzahl Spitzenreiter bei Straftaten gegen Flüchtlinge. Bundesweit ging demnach die Zahl flüchtlingsfeindlicher Straftaten zurück, allerdings wurden noch immer mehr als 1700 Fälle registriert.