Die Wirtschaftselite in Davos prognostiziert "düstere" Aussichten für die Weltwirtschaft – und eine weiterhin hohe Inflation für Europa

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (l., Grüne) spricht unter anderem mit seinem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin (r.) im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos. - Copyright: picture alliance/KEYSTONE | LAURENT GILLIERON
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (l., Grüne) spricht unter anderem mit seinem Schweizer Amtskollegen Guy Parmelin (r.) im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos. - Copyright: picture alliance/KEYSTONE | LAURENT GILLIERON

Die Aussichten der führenden Wirtschaftswissenschaftler für die Weltwirtschaft in diesem Jahr sind "düster". Das geht aus dem Bericht "Chief Economists Outlook" des Weltwirtschaftsforums (WEF) hervor, der am ersten Tag des Treffens im Schweizer Ort Davos veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler erwarten ein schwaches Wachstum und wahrscheinlich eine Rezession.

"Obwohl es einige Gründe für Optimismus gibt, wie zum Beispiel der nachlassende Inflationsdruck, bleiben viele Aspekte der Aussichten düster", heißt es in dem Bericht, der auf die anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit und die politischen Herausforderungen von historischem Ausmaß verweist. Fast zwei Drittel der 22 vom WEF befragten Chefvolkswirte hielten eine globale Rezession im Jahr 2023 für wahrscheinlich, 18 Prozent davon sogar für "extrem wahrscheinlich". "Die globalen Wachstumsaussichten bleiben schwach und das Risiko einer globalen Rezession hoch", heißt es in dem Bericht.

Experten rechnen mit hoher Inflation in Europa

Die Befragten, die sich aus Experten von Finanz- und Wirtschaftsgiganten wie UBS, Google, Microsoft und der Bank of America zusammensetzten, erwarten jedoch große regionale Unterschiede beim Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr.

Alle Ökonomen sagten, sie erwarteten ein schwaches oder sehr schwaches Wachstum in Europa. 91 Prozent gehen von der gleichen Entwicklung für die USA aus – während weniger als die Hälfte der Befragten diese Entwicklung für den Nahen Osten, Nordafrika, Südasien, China und Ostasien vorhersahen. Mehr als die Hälfte der Befragten rechnete mit einer hohen Inflation in Europa, nur fünf Prozent mit einer hohen Inflation in China.

Hohe Energiepreise treiben Inflation

Das WEF erklärte, dass dies wahrscheinlich auf die hohen Energiepreise in Europa, den Anstieg der Zinssätze und die "schleppende Nachfrage" zurückzuführen sei. Im Gegensatz dazu könnte die Umkehr der chinesischen Null-Covid-Politik die Wirtschaft des Landes ankurbeln.

Unternehmen wie Amazon, die Bank Goldman Sachs oder Salesforce haben in diesem Jahr bereits Entlassungen angekündigt. Die Chefvolkswirte gehen davon aus, dass der Stellenabbau weitergehen wird. 86 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie erwarteten, dass multinationale Unternehmen ihre Betriebskosten senken werden. Die meisten Ökonomen gingen von höheren Kosten für Unternehmen aus, die sie auch an die Kunden weitergeben würden.

Doch trotz der weitgehend pessimistischen Aussichten wurde in dem Bericht hervorgehoben, dass sich einige der derzeit vorherrschenden Sorgen in der Weltwirtschaft im Laufe des Jahres abschwächen könnten: Zwei Drittel der Befragten gaben demnach an, dass sie erwarten, dass sich die Lebenshaltungskostenkrise bis Ende 2023 abschwächen. Fast zwei Drittel der Befragten sind optimistisch, dass sich die Energiekrise bis Ende des Jahres zu entspannen beginne. Der Vorstandsvorsitzende der Bank JPMorgan, Jamie Dimon, prognostizierte jedoch im Dezember, dass sich die Energiekrise in Europa verschärfen und wahrscheinlich noch Jahre andauern werde.

Dieser Artikel wurde von Luca Schallenberger aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.