Wie die Wirtschaft von Messestädten profitiert


Als vergangene Woche auf der Düsseldorfer Messe der „Caravan Salon“ zu Ende ging, vermeldeten die Organisatoren einen Besucherrekord: Über 232.000 Besucher fanden den Weg auf das Messegelände. Die Zahl passte ins Bild. Denn Messen boomen – nicht nur in Düsseldorf, sondern in ganz Deutschland. Ob die IAA in Frankfurt, die Gamescom in Köln, die Boot in Düsseldorf oder die Cebit in Hannover: Die Branchen-Treffen sind in großer Wirtschaftsfaktor – von dem profitieren nicht nur Aussteller und Besucher profitieren, sondern auch die gesamte Wirtschaft.

Zahlen des Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA) belegen das: In der aktuellsten Erhebung von 2009, die das ifo-Institut für den AUMA durchführte, ist von bundesweiten Produktionseffekten von mehr als 23 Milliarden Euro die Rede, die durch Messen generiert werden. Darin enthalten sind nicht nur die Umsätze, die auf den Veranstaltungen selbst gemacht werden, sondern auch jene, die indirekt damit zusammenhängen.

Denn durch die Messen wird ein Wirtschaftskreislauf in Gang gesetzt. „Ein Bäcker profitiert auch von einer Messe, wenn ein Hotel dadurch mehr Gäste hat, die morgens Brötchen frühstücken wollen“, erklärte Horst Penzkofer vom ifo-Institut. Er stellte am kürzlich Zahlen zu sozio-ökomischen Effekten der Messe Düsseldorf vor. Allein diese sind hoch: Schon Messen in der Landeshauptstadt generieren Umsätze von knapp zweieinhalb Milliarden Euro. Positiv wirkt sich auch die hohe Internationalität der Teilnehmer aus: „Gäste aus dem Ausland bleiben meist länger als Gäste aus Deutschland, daher geben sie auch länger Geld vor Ort aus“, erklärt Penzkofer. Rund 35 Prozent der Besucher und 65 Prozent der Austeller stammten 2016 aus dem Ausland.



Von hoher Wirtschaftskraft der Messen profitiert auch der Fiskus: Den Ifo-Zahlen zufolge sorgen sie für ein Steueraufkommen von rund 3,8 Milliarden Euro – der Großteil entsteht durch die Mehrwert- und die Lohnsteuer. Zudem hängen bundesweit rund 226.000 Arbeitsplätze mit den Branchentreffen zusammen.

Auch wenn der Bund von Messen profitiert, finden sich die größten Nutznießer aber auf lokaler Ebene. „Natürlich profitieren besonders die Regionen und Standorte von den Messen“, erklärt Klaus-Heiner Röhl, Messe-Experte vom Institut der Deutschen Wirtschaft. „Arbeitsplätze werden vor allen Dingen dort geschaffen, auch Hotels und Restaurants haben einen großen Zulauf in der Zeit.“ Die Zahlen von Penzkofer für Düsseldorf belegen das: Mehr als die Hälfte des generierten Umsatzes fließt in die Kassen von Düsseldorfer Dienstleistern, nämlich 1,29 von insgesamt 2,44 Milliarden Euro bundesweit. Jeder Euro, der auf Messen und Veranstaltungen umgesetzt wird, generiert im ganzen Raum Düsseldorf einen Umsatz in Höhe von 6,70 Euro.

Vor allen Dingen Gastronomien, Handwerker und Hotels profitieren dabei: Rund 32 Prozent aller Übernachtungen in Düsseldorf sind den Messen und Events zuzuschreiben. Zudem hängen rund allein in der NRW-Landeshauptstadt 16.000 Arbeitsplätze mit den Messen oder Veranstaltungen in der Stadt zusammen. Außerdem spülen sie 30 Millionen Euro Steuereinnahmen in die Stadtkassen.



Allerdings gibt es auch negative Effekte, die durch Messen hervorgerufen werden – zum Beispiel für Menschen von außerhalb, die zur Zeit der Messe am Standort sind, aber gar nicht die Messe selbst besuchen wollen. „Hier entstehen Verdrängungseffekte, zum Beispiel weil Hotelzimmer sehr teuer oder ganz ausgebucht sein können“, erklärt Röhl. Auch ein höheres Verkehrsaufkommen sei in den Städten zu verzeichnen.

Ebenfalls müssen Städte bedenken, dass das Geld, das am Standort investiert wird, nicht komplett dort bleibt. Das Beispiel Düsseldorf macht es deutlich: Von den gesamten Steuereinnahmen in Höhe von 465 Millionen Euro wandern 234 Millionen Euro an den Bund, 164 Millionen nach NRW und 37 Millionen in die anderen Bundesländer. Nur 30 Millionen bleiben in der Landeshauptstadt.

Die Vermutung, dass auch die Digitalisierung ein Problem für Messen werden könnte, hat sich aber nicht bestätigt – von daher geht Röhl davon aus, dass sie auch zukünftig erfolgreich sein werden. „Face-to-face-Kommunikation spielt offensichtlich nach wie vor eine große Rolle“, so der Messe-Experte. „Wir haben immer damit gerechnet, dass Messen im Zeitalter der digitalen Kommunikation an Bedeutung verlieren. Das ist aber nicht eingetreten und ich denke auch nicht, dass es noch eintreten wird.“

KONTEXT

Das sind Deutschlands größte Messe-Standorte

Platz 10

Stuttgart

105.200 Quadratmeter Hallenkapazität

Platz 9

Essen

110.000 Quadratmeter

Platz 8

Leipzig

111.300 Quadratmeter

Platz 6

Nürnberg

170.000 Quadratmeter

Platz 6

Berlin - ExpoCenter City

170.000 Quadratmeter

Platz 5

München Messe

180.000 Quadratmeter

Platz 4

Düsseldorf

261.817 Quadratmeter

Platz 3

Köln

284.000 Quadratmeter

Platz 2

Frankfurt

366.637 Quadratmeter

Platz 1

Hannover

463.165 Quadratmeter Hallenfläche

Quelle: Auma

Angaben für 2016.