Wirre Mischung: Markus Lanz setzte für seine erste Sendung nach der Sommerpause auf Terror, Ausländerhass – und Sport

Markus Lanz meldete sich mit seiner ZDF-Talkshow am Dienstag nach sechs Wochen aus der Sommerpause zurück. (Bild: ZDF)

Aktuell melden sich alle großen Talk-Sendungen aus der Sommerpause zurück, und auch Markus Lanz hieß gestern zum ersten Mal nach sechs Wochen wieder Gäste in seiner Show willkommen.

Eröffnet wurde die Sendung, veranlasst durch den jüngsten Anschlag in Barcelona, mit den wenig überraschenden Themenschwerpunkten IS und Terror. Journalist Elmar Theveßen käute gewissenhaft die aktuelle Nachrichtenlage wieder. „Das hätte so was wie ein 9/11 werden können für Europa“, resümierte er, bevor es auf die Suche nach Antworten ging, was junge Menschen zu solchen Taten treibt. „Einer war sogar Metall-Arbeiter, zu dem der Chef gesagt hat ‘Bitte geh nicht in den Urlaub, du bist mein bester Arbeiter’“, befand Lanz ganz verblüfft.

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Zynische Züge

Mit den Gästen Nguyen Do Thinh und Jochen Schmidt wurden zwei Augenzeugen der rassistisch motivierten Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen 1992 eingeladen. Auf den Versuch, die nicht ungefährliche Brücke zwischen Terror und Asyldebatte zu schlagen, wurde dankbarerweise verzichtet. Als neutraleres Element zwischen den beiden sehr brisanten Themenkomplexen agierte Stefan Kretzschmar. Warum er in dieser Runde saß, erklärte sich im Kontext der Sendung nicht so recht. Zwar kann sich auch er an Terroranschläge und Hassverbrechen erinnern, viel lieber wollte er aber über seine neue Talkshow auf Sky sprechen. Wenn Moderator Lanz darüber sinniert, wie traumatisch Kretzschmars Tor-Patzer 2000 in Sydney war, oder wie schwierig es wohl gewesen sein muss, als Kind erfolgreicher Handballer aufzuwachsen, während neben ihm ein Vater sitzt, der seine Söhne an den IS verloren hat, oder ein Deutsch-Vietnamese, auf den Molotowcocktails geworfen wurden, dann hat das schon fast zynische Züge.

Terror, Ausländerhass – und Stefan Kretzschmar: Der Ex-Handballprofi wirkte in der Sendung etwas deplatziert. (Bild: Sascha Klahn/Bongarts/Getty Images)

Fehlendes Einfühlungsvermögen

Dass – offensichtlich zu Lanz’ Überraschung – auch Jugendliche aus „ganz normalen Familien“ zum IS überwandern, verdeutlichte Joachim Gerhard, dessen Söhne 2014 nach Syrien ausreisten. Seit zwei Jahren hat er nichts mehr von ihnen gehört, angeblich sollen sie bereits 2015 gestorben sein – er sucht jedoch weiter nach ihnen. Nachdem der Vater mit Tränen in den Augen seine tragische Geschichte erzählt hatte, bemühte Markus Lanz sich gar nicht erst, eine thematische Überleitung zu schaffen. Die wäre wohl auch kaum zu meistern gewesen. „Stefan Kretzschmar, seit zehn Jahren im sportlichen Ruhestand. Was fehlt am meisten?“, lenkte er kurzerhand ein. Wenigstens der Sportler selbst zeigte das Einfühlungsvermögen, das den Sendungsmachern hier offensichtlich gefehlt hat: „Nach dem Thema muss man jetzt wirklich erst mal durchatmen“, erklärte er sichtlich mitgenommen, bevor er wieder über sich reden durfte.

Nachdem der Ex-Handballer die Stimmung im Studio wieder etwas hob, durften Augenzeuge Nguyen Do Thinh und Journalist Jochen Schmidt noch einmal die Ereignisse aus dem Rostocker „Sonnenblumenhaus“ aufarbeiten und erzählen, was damals geschah. Nach 15 Minuten im Geschichts-Rückspiegel der Schluss: „Die latente Fremdenfeindlichkeit gibt es immer noch.“

Welche Erkenntnis Zuschauer aus dieser Sendung mitnehmen sollten, ist unklar. Was bleibt, ist eine gute Stunde irgendwo zwischen Betroffenheit, Sozialkritik, Geschichtsaufarbeitung und unfreiwilliger Komik.

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