Wirecard: „Paradise Papers“ belasten

Nikolas Kessler
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Wirecard: „Paradise Papers“ belasten

Die Aktie von Wirecard ist am Mittwoch kräftig unter Druck. Laut den Enthüllungen der „Paradise Papers“ soll die Wirecard Bank Zahlungen für Offshore-Glücksspielanbieter abgewickelt haben. Das wäre nach Einschätzung von Rechtsexperten ein Straftatbestand.

Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) am Mittwoch unter Berufung auf eine Recherche im Zusammenhang mit den „Paradise Papers“ berichtet, sollen mehrere deutsche Banken Ein- und Auszahlungen für illegale Internet-Kasinos abgewickelt haben. Neben DZ-Bank, Postbank und Hypo-Vereinsbank steht auch die Wirecard Bank unter Verdacht. Diese soll Konten für Offshore-Glücksspielanbieter führen, über die auch Auszahlungen an Spieler abgewickelt werden.

Dem niedersächsischen Innenministerium und mehreren Banken- und Strafrechtsexperten zufolge verstoßen die betroffenen Institute damit gegen das Glücksspielrecht, sie könnten sich zudem der Beihilfe zum illegalen Glücksspiel und sogar zur Geldwäsche strafbar machen, heißt es in dem SZ-Artikel weiter.

In einer Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg verteidigte eine Wirecard-Sprecherin inzwischen das Geschäft mit Online-Casinos und gab an, dabei zu 100 Prozent das Gesetz zu befolgen. Auch das Analysehaus Warburg Research sieht in der Veröffentlichung keine relevanten News bezüglich Wirecard und bezweifelt, dass sich das Unternehmen strafbar gemacht hat – unter anderem, weil die betroffenen Casinos eine EU-Lizenz besäßen.

Gewinnmitnahmen möglich

Nach diversen Short-Attacken reagieren die Anleger bei Wirecard besonders empfindlich auf (vermeintliche) Hiobsbotschaften. Entsprechend ist die Aktie am Mittwoch zunächst heftig eingebrochen und konnte ihre Verluste im Tagesverlauf bei minus 4,4 Prozent stabilisieren. Nach dem starken Lauf der vergangenen Monate sollten Trader nun jedoch auch (Teil-) Gewinnmitnahmen ins Auge fassen.