Wir müssen aufhören zu sagen „Liebe ist tot“, wenn Promis sich trennen

Channing Tatum und Jenna Dewan im November 2017. (Getty Images)

Trennungen sind nie einfach, aber in Hollywood – wenn ein Promi-Paar beschließt, Schluss zu machen, dann scheint es so, als hätten die Fans die größten Probleme, damit klar zu kommen.

Am Dienstag veröffentlichten die Schauspieler Channing Tatum und Jenna Dewan eine gemeinsame Stellungnahme, in der sie nach fast neun Jahren Ehe ihre Trennung verkündeten. Und obwohl sie den Fans versicherten, es gebe keine „Geheimnisse oder schlüpfrige Vorkommnisse“, die ihre Entscheidung beeinflussten, schrieben viele Leute – und einige Medienhäuser – in den sozialen Medien ganz dramatisch „Liebe ist tot“ – und das muss aufhören.

Die „Liebe ist tot”-Reaktion auf eine Promi-Trennung übersieht die Maschinerie hinter unseren liebsten Hollywood-Paaren, die der Öffentlichkeit eine gewisse Vorstellung davon aufzwingt, was Liebe sein sollte und nicht, was Liebe tatsächlich ist. In Hollywood sind Beziehungen, vor allem jene zwischen den großen Stars, gut fürs Geschäft. Verlobungen, Hochzeiten und Babys erzeugen die Art positiver medialer Aufmerksamkeit, die dabei hilft, eine treue Fanbasis aufzubauen, die Reputation zu fördern und den Managern von Studios und Plattenfirmen die Dollarzeichen in die Augen zu treiben. Promis haben ganze Teams von Publizisten, Managern und Assistenten, die dabei helfen, sorgfältig ein öffentliches Image zu kreieren, das die Zielgruppe anspricht. Alles – inklusive dessen, was Personen des öffentlichen Lebens über ihre Beziehungen preisgeben – ist sorgfältig inszeniert. Wir sehen nur, was sie uns sehen lassen – und wir glauben, das, was uns verkauft wird, ist real.

Was hinter verschlossenen Türen geschieht, bleibt ein Geheimnis

Promi-Beziehungen, vor allem heterosexuelle Promi-Beziehungen werden in den Medien romantisiert und idealisiert. Wir erklären Paare zu #goals (Zielen), weil wir sehen, wie sie sich auf dem roten Teppich verliebt in die Augen schauen, wie sie über ihre Partner in einem Interview schwärmen oder ihre Liebe und Zuneigung füreinander öffentlich in den sozialen Medien deklarieren. Während die Gefühle möglicherweise real sind, sind ihre Reaktionen im Prinzip eine Inszenierung auf einer öffentlichen Bühne. Was hinter verschlossenen Türen geschieht, bleibt ein Geheimnis. Alles sieht perfekt aus, bis es das plötzlich nicht mehr ist.

Anna Faris und Chris Pratt im April 2017, vier Monate, bevor sie ihre Trennung bekanntgaben. (Getty Images)

Nach ihrer Trennung von Ehemann Chris Pratt verriet die Schauspielerin Anna Faris, wie sich so eine öffentliche Trennung wirklich anfühlt. In einem Interview mit Dax Shepard für seinen Podcast „Armchair Expert“ sprach Faris offen über die Reaktionen in den sozialen Medien nach Bekanntwerden ihrer Trennung.

„Chris und ich sprachen darüber. Wir gingen auf den Twitter-Feed ‚Love is dead‘ (Liebe ist tot) und ‚Relationship goals‘ (Beziehungs-Ziele)“, sagte Faris. „Wir haben ganz offensichtlich etwas kultiviert und das war für einige Zeit lohnenswert. Es war etwa wie: ‚Die Leute scheinen zu glauben, bei uns ist alles perfekt.‘“

„Ich hatte etwas kindische Gefühle wie: ‚Oh kommt schon, werdet verdammt nochmal erwachsen‘ – ich war etwas verärgert… Aber das ist auch nicht fair, denn ich habe genau das kultiviert. Wir haben absichtlich Vorstellungen wie ‚Schaut euch diese hübsche Familie an‘ kultiviert und es gab so viele Momente, die keineswegs so waren“, fuhr sie fort. „Aber wie alles in den sozialen Medien postet man eben nicht ‚Wo zum Teufel ist das Toilettenpapier?‘ oder was auch immer. Ich glaube, es ist ein ziemlich schweres Forum, um aufrichtig zu sein und ich glaube, es tut den Menschen keinen Gefallen damit.“

Auch andere Promi-Paare verspühren Druck

Shepard, der mit Schauspielerin Kristen Bell verheiratet ist, verriet, dass er ähnliche Kommentare über seine eigene Beziehung frustrierend findet. „Da besteht ein seltsamer Druck, so viel Spaß es auch gemacht hat“, sagte er.

Dax Sheperd mit seiner Ehefrau Kristen Bell auf dem Red Carpet. (Bild: INTERTOPICS/PictureLux/ddp images)

„Wenn ich mich ihr gegenüber mies verhalten habe und wir seit zwei Tagen stritten und ich dann Kommentare las wie ‚Ich muss einen Dax‘ finden, dann denke ich nur ‚Nein, musst du nicht, Dax ist gerade mies und hat seit 36 Stunden nicht mit Kristen gesprochen.‘“

Wenn man bedenkt, dass Promis uns eine Art Flucht vor Politik, aktuellen Ereignissen und unserem eigenen Leben ermöglichen, ist es verständlich, dass wir so etwas wie eine Promi-Trennung sehr traurig finden. Trennungen zerstören die Illusion, dass der Hattrick aus Ruhm, Geld und gutem Aussehen Glück garantiert. Während wir uns vielleicht daran gewöhnt haben, dass jeder mit einem Social Media Account ein eigenes Bild seines Lebens kreieren kann, scheint es so, als würden Promis und Promi-Paare noch immer auf dem Podest stehen, auf das wir sie gehoben haben.

Liebe ist nicht tot – sondern harte Arbeit

Statt jedes Mal, wenn ein völlig Fremder seine Trennung verkündet, „Liebe ist tot“ zu jammern, sollten wir uns auf unsere eigenen Beziehungen offline konzentrieren – nicht nur darauf, wie sie für die Außenwelt erscheinen, sondern auch darauf, wie wir uns mit ihnen fühlen. #RelationshipGoals zu haben ist keine schlechte Sache – solange diese Ziele auf gesunden Beziehungs-Vorbildern basieren, die wir persönlich und tiefergehend kennen. Wir haben uns an die Vorstellung gewöhnt, dass wahre Liebe stets einfach und wunderschön erscheint, aber in unserem eigenen Leben kämpfen wir damit, zu erreichen, was wir auf dem Bildschirm oder online sehen.

Liebe ist nicht tot – Liebe ist harte Arbeit. Unsere unüberlegte Reaktion könnte ein Tweet oder Kommentar aufgrund von Traurigkeit sein, aber eigentlich steht es uns nicht zu, etwas zu betrauern, das sowieso nie uns gehörte. Wir wussten nie, wie es wirklich für Channing und Jenna oder Anna und Chris war, wir erhielten nur einen winzigen Einblick in das Leben zweier Unterhalter, die Filme und Projekte verkaufen.

Promi-Trennungen und die Welt der Promis kritisch zu betrachten, kann uns dabei helfen, zu intelligenteren Konsumenten zu werden. Letztendlich hilft uns dieser Blickwinkel, unseren Fokus nach innen zu richten, damit wir uns auf unser eigenes Leben konzentrieren können – und uns um unser echtes Leben, unsere eigenen Beziehungen und unsere persönliche Zufriedenheit kümmern.

Elizabeth Di Filippo

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