Winterzeit beginnt mit ungewöhnlich milden Temperaturen

Braunschweig (dpa) - Jetzt wird es wieder früher dunkel: In der Nacht zum Sonntag ist die Sommerzeit zu Ende gegangen, die Uhren wurden von 3.00 Uhr auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Bis Ende März gilt nun wieder die Normalzeit, auch Winterzeit genannt.

«Es hat alles geklappt heute Nacht», sagte Dirk Piester von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) am Sonntag. Das System werde auch halbjährlich gründlich gecheckt, immer im Vorfeld der Zeitumstellung. Die Verbreitung und Darstellung der Zeit gehört zu den gesetzlichen Aufgaben der Behörde in Braunschweig.

Im äußersten Westen Deutschlands wird die Sonne mit Beginn der Winterzeit gegen 17.10 Uhr untergehen, im Osten an der Grenze zu Polen sogar eine gute halbe Stunde früher. Ungewöhnlich ist, dass die Meteorologen für den ersten Tag der Winterzeit spätsommerliche Temperaturen erwarten, nämlich bei längerem Sonnenschein Höchstwerte von 21 bis 27 Grad. Die auffällige Häufung von milden Oktobermonaten in den letzten Jahrzehnten ist dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge «eindeutig das Ergebnis der Klimaerwärmung».

Abschaffung der Zeitumstellung liegt aus Eis

Die Zeitumstellung war in Deutschland 1980 wieder eingeführt worden. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man die Hoffnung, auf diese Weise signifikant Energie sparen zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich Experten zufolge aber nicht.

Besonders nach der Umstellung im Frühjahr, wenn eine Stunde «gestohlen» wird, klagen viele Menschen über Abgeschlagenheit und Schlafprobleme. Jedoch ist kein Ende des halbjährlichen Wechsels zwischen Sommer- und Winterzeit in Sicht. Zwar hat die EU-Kommission einen Vorschlag gemacht, wie die Umstellung abgeschafft werden könnte, aber die Staaten der Europäischen Union können sich nicht einigen. So liegt das Vorhaben seit längerem in Brüssel auf Eis.

Der Schlafmediziner Dieter Kunz plädiert dafür, in Deutschland den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit so zu belassen, wie er jetzt ist. «Auch der Mensch hat eine saisonale Variation der Physiologie, getaktet durch Hell und Dunkel. Er funktioniert im Winter anders als im Sommer und braucht mehr Schlaf», sagte der Chefarzt der Klinik für Schlaf- & Chronomedizin am Berliner Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus der dpa. Der Körper stelle sich flott um, beim Wechsel Ende Oktober schneller als im Frühjahr. Insbesondere zu Tagesbeginn benötige der Körper Tageslicht, sonst komme er durcheinander, betonte Kunz.

Vor allem Deutschland drängt auf Abschaffung

Das Drängen auf eine Abschaffung der Zeitumstellung sei in den meisten Nachbarländern auch weniger stark als in Deutschland, sagte Piester von der PTB. «Ein weiterhin koordiniertes Vorgehen wäre sehr wünschenswert, um einen Flickenteppich von unterschiedlichen Zeitzonen in Mitteleuropa zu vermeiden», betonte er.

Die Wissenschaftler der PTB sorgen dafür, dass über einen Langwellensender Funkuhren, Zeitanzeigen sowie Uhren der Industrie mit dem Signal versorgt werden. Die Sendeanlage namens DCF77 steht im hessischen Mainflingen. «Wir schätzen die Zahl der Funkuhren mit DCF77-Empfang auf etwa 100 Millionen», sagte Piester. DCF77 sei damit neben den Satellitennavigationssystemen und dem Internet eine der am meisten genutzten Quellen für sichere und präzise Zeitinformationen. Ohne die Sendeanlage würden viele Zeitanzeigen auf Bahnhöfen, Flughäfen und in Rundfunk- und Fernsehanstalten nicht mit der erforderlichen Zuverlässigkeit funktionieren.