Wintersturm "Friederike" fegt über Deutschland - mindestens vier Tote

Mit Wucht ist der Wintersturm "Friederike" auf Deutschland getroffen. Im Westen und Norden stellte die Deutsche Bahn den Betrieb ein, die Feuerwehren fuhren hunderte Einsätze, es gab zudem einen Toten und mehrere Verletzte

Wintersturm "Friederike" ist am Donnerstag mit großer Wucht über Deutschland gefegt und hat dabei mindestens vier Menschen in den Tod gerissen. Die Deutsche Bahn stellte den Fernverkehr am Nachmittag bundesweit komplett ein. Die Feuerwehren fuhren hunderte Einsätze wegen umgestürzter Bäume, abgedeckter Dächer und herumfliegender Straßenschilder. Während der Wind im Westen Deutschlands am Abend abflaute, blieb die Lage im Osten kritisch.

Im südlichen Brandenburg starb ein Lastwagenfahrer auf der A13, als sein Fahrzeug von einer Orkanböe erfasst wurde und umkippte. Der Fahrer wurde laut Polizei eingeklemmt und erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen. Im niederrheinischen Emmerich wurde ein 59-Jähriger auf einem Campingplatz von einem umstürzenden Baum erschlagen.

Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen kam in Lippstadt im Kreis Soest ein 68-Jähriger ums Leben, als sein Transporter durch starke Sturmböen umkippte und im Gegenverkehr mit einem Lastwagen zusammenprallte. In Thüringen starb ein Feuerwehrmann während eines Sturmeinsatzes. Der 28-Jährige wurde nach Polizeiangaben in einem Waldstück bei Bad Salzungen von einem Baum erschlagen.

Es gab zudem zahlreiche Verletzte. Im oberbayerischen Landkreis Dachau wurde ein Lastwagenfahrer schwer verletzt, nachdem sein Laster vom Sturm von der Fahrbahn gedrückt wurde und sich überschlug. In Ratingen wurde eine Frau von einem umstürzenden Baum getroffen.

Im Kreis Heinsberg wurden zwei Männer unter einem umstürzenden Baum eingeklemmt und schwer verletzt. Auf der Autobahn 555 bei Köln wurden zwei Menschen verletzt, als eine Sturmböe einen Lastwagen umkippte. In Köln wurde nach Polizeiangaben eine 48-jährige Autofahrerin schwer verletzt, als ein Baum auf ihren Wagen stürzte.

In vielen Städten riefen die Behörden die Menschen dazu auf, in Gebäuden zu bleiben. Wochenmärkte wurden abgesagt, Parks und Zoos geschlossen. In einigen Bundesländern fiel der Schulunterricht aus oder wurde früher beendet. Allein die Stadt Köln meldete bis zum Nachmittag mehr als 600 Sturmeinsätze.

Nach Angaben des Deutschen Wetterdiensts (DWD) gab es Sturmböen mit Spitzengeschwindigkeiten von rund 130 Stundenkilometern, örtlich auch noch höher. Über den Brocken im Harz jagten Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 203 Stundenkilometern.

Die Deutsche Bahn stoppte am Vormittag zunächst den Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen sowie Teilen von Rheinland-Pfalz, dann auch in Niedersachsen. Am Nachmittag wurde der Fernverkehr dann bundesweit eingestellt. Fernverkehrszüge blieben nach Konzernangaben in den Abfahrtsbahnhöfen stehen oder wurden in Bahnhöfen auf ihrem Weg gestoppt. Vielerorts saßen zahlreiche gestrandete Passagiere an den Bahnhöfen fest. Teilweise wurden Hotelzüge bereitgestellt.

Mancherorts stürzten Bäume auf Oberleitungen und Straßen, vereinzelt kam es zu Stromausfällen. Der Flughafen Köln/Bonn unterbrach am Mittag für etwa anderthalb Stunden den Betrieb, es gab keine Starts und Landungen mehr. Am Flughafen Düsseldorf wurden nach Angaben des Betreibers etliche Flüge gestrichen. Auch an anderen deutschen Flughäfen gab es Streichungen, etwa weil Ankünfte aus den Niederlanden wegen des Unwetters ausfielen.

Auf vielen Straßen kam es zu Verkehrsbehinderungen. In Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Hessen mussten wegen umgestürzter Lastwagen mehrere Brücken und Autobahnabschnitte gesperrt werden.

Vor allem im Norden brachten die Ausläufer des Sturmtiefs auch viel Schnee. In Hamburg erlitt ein 17-Jähriger lebensgefährliche Verletzungen, als ein dicker Ast laut Polizei unter der Schneelast brach und ihn am Kopf traf. In Lübeck kam der Verkehr in der Innenstadt wegen des Schneefalls teilweise zum Erliegen.

Auch in den Nachbarländern sorgte "Friederike" für Chaos. Auf Gleisen und Straßen ging nichts mehr, der Amsterdamer Flughafen Schiphol strich vorübergehend alle Flüge, weil der Wetterdienst die höchste Alarmstufe ausrief. Zwei Männer kamen in den Niederlanden durch herabfallende Äste und umgestürzte Bäume ums Leben. Auch in Belgien starb eine Autofahrerin.

Am Abend erreichte das Sturmtief den Westen Polens und zog weiter nach Osten, wie der DWD mitteilte. Der Wind sollte sich demnach in Sachsen und Brandenburg im Verlauf der Nacht abschwächen. Die Polizei Brandenburg mahnte jedoch weiterhin zu Vorsicht. "Bleiben Sie wenn möglich Zuhause! Meiden Sie baumreiche Gegenden!", schrieb sie am Abend im Kurzbotschaftendienst Twitter.