Wintersport-Revolutionen sorgen für Wirbel

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Wintersport-Revolutionen sorgen für Wirbel
Wintersport-Revolutionen sorgen für Wirbel

Die Wintersport-Saison 2021/22 ist erst seit ein paar Wochen Geschichte, da sorgen geplante Änderungen für den kommenden Winter für Aufsehen.

Vor allem mögliche Revolutionen, die den alpinen Ski-Zirkus betreffen, bringen ein enormes Zoffpotenzial mit sich.

Der künftige Weltcup-Kalender ist zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht bestätigt - doch allein dieser Umstand ist ungewöhnlich.

Eine Situation, die auch mit dem FIS-Präsidenten Johan Eliasch, der seit Juni 2021 im Amt ist, zusammenhängt. Der schwedisch-britische Geschäftsmann zeichnet sich hauptverantwortlich für die angestrebten Veränderungen im Ski-Weltcup.

Alpine Kombination soll grundlegend verändert werden

Eine der größten geplanten Revolutionen: Die Kombination im klassischen Sinne mit Abfahrt oder Super-G und Slalom soll es laut Blick nicht mehr geben.

Stattdessen seien für Frauen und Männer je fünf Speed- und Technik-Kombinationen angedacht. Dafür sollen Abfahrt und Super-G addiert werden, genau wie Riesenslalom und Slalom.

Außerdem wird es keine Parallel-Rennen mehr geben - bis auf das Event in Lech/Österreich und eines beim Weltcup-Finale.

Auch die gleichmäßige Aufteilung der verschiedenen Renndisziplinen ist im ersten Entwurf des Kalenders nicht mehr vorgesehen. Statt jeweils neun sollen 13 Abfahrten, acht Super-G, zehn Riesenslaloms und zehn Slaloms stattfinden.

Mehr Reisestress für Männer und Frauen?

Doch nicht nur bei den Disziplinen werden Veränderungen angepeilt: Die Austragungsorte sind ebenfalls von den Eliaschs Plänen betroffen.

Der neue FIS-Präsident plant mit der Eingliederung von Palisades Tahoe eine dritte Station in den USA. Allerdings beträfe dies nur die Männer. Diese müssten dann ein weiteres Mal die Reisestrapazen nach Übersee auf sich nehmen.

Jedoch sind die Frauen keineswegs von den Änderungen ausgenommen. Sollte der angestrebte Kalender bestätigt werden, dann käme auf die Damen einiges an Reisestress zu. Konkret sollen im Januar 14 Rennen an sieben verschiedenen Orten, die sich wiederum auf fünf Länder verteilen, stattfinden.

Zumindest soll Peking mit seinen Olympia-Strecken außen vor bleiben. Zuletzt hieß es noch, dass die FIS plane, auf den asiatischen Markt vorzudrängen.

Indes bestätigte der Schweizer Alpin-Direktor Walter Reusser, dass der Ski-Zirkus auf der neuen Strecke am Matterhorn zusammenkommen werde. Start ist dabei auf rund 4.000 Metern Höhe.

Streichung der Kandahar-Abfahrt sorgt für Diskussionen

Auf der anderen Seite gibt es einen Dämpfer für Fans der Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen. Die traditionelle Strecke findet im Terminplan keine Berücksichtigung. Das sorgt natürlich für Ärger beim Veranstalter - und sogar der Deutsche Skiverband hielt sich nicht mit Kritik zurück.

„Die Kandahar ist ein Klassiker. Und man sollte nicht einfach einen Klassiker streichen“, sagte Sportdirektor Wolfgang Maier auf SID-Nachfrage. „Für uns sind die Gründe für diese Kalenderänderung nicht nachvollziehbar. Das werden wir der FIS gegenüber klar zum Ausdruck bringen.“

Maier berichtete außerdem über „Widerstand von verschiedenen Nationen“. Deswegen müsse der Kalender noch einmal überarbeitet werden, lautete seine Forderung.

Geht es nach dem Schweizer Verantwortlichen Reusser, dann würden Anpassungen im Kalender grundsätzlich Sinn machen. Allerdings schränkte er im Blick ein: „Eine Veränderung sollte aber langfristig und unter Einbezug der relevanten Stakeholder geplant werden, sodass sich alle Beteiligten darauf einstellen können und sie Vorlaufzeit und Planungssicherheit haben.“

Unabhängig davon muss noch abgewartet werden, welche Umstellungen am Ende im finalen Terminplan landen. Die Entscheidung fällt wohl auf einem FIS-Kongress Anfang Mai.

Skispringen startet wegen Fußball-WM früher

Dann sollen auch Änderungen im Skispringen abgesegnet werden. Besonders auffällig ist hier, dass der Auftakt in die Saison einige Wochen früher als üblich stattfinden soll.

So plant die FIS bereits Anfang November (4. bis 6.11.) ein Springen in Wisla/Polen. Das Event könnte sogar auf Matten stattfinden, da zu diesem Zeitpunkt nicht mit ausreichend Schnee gerechnet wird. Die Anlaufspur soll jedoch wie üblich aus Eis bestehen.

Aufgrund der Fußball-WM in Katar, die am 22. November beginnt, werden nach Wisla zwei Wochenenden im Skisprung-Kalender freigehalten.

Neues Format im Skispringen

Bereits mit der Zulassung der Damen für das Skifliegen hatte die FIS für eine historische Entscheidung gesorgt. Daneben soll im Winter 2022/23 ein komplett neues Wettkampfformat eingeführt werden.

Dieses trägt vorläufig den Namen „Super Team“ und sieht vor, dass jede Nation ein Team aus zwei Springern stellt. Das soll vor allem den kleinen Nationen entgegenkommen, da diese oftmals kein Team aus vier Springern stellen können.

Biathlon-WM im Sommer geplant

Auch andere Wintersportverbände planen mit Änderungen. Die Biathleten sollen künftig in der Sommerpause bei einem eigenen Wettbewerb an den Start gehen können.

Der Weltverband IBU vereinbarte dazu mit dem Blinkfestival und dem Martin Fourcade Nordic Festival (MFNF) eine Zusammenarbeit. Die beiden bisherigen Topveranstaltungen behalten zwar ihre Eigenständigkeit, werden aber zugleich der Wettkampfserie der IBU angehören.

Als Finale der Sommersaison soll es schließlich eine Weltmeisterschaft geben. Allerdings ist die erste Ausgabe erst für 2023 angedacht.

Die IBU erhofft sich damit, „das Leistungsniveau im Sommerbiathlon zu erhöhen, die Reichweite des Sports zu vergrößern und die Förderung des Biathlonsports zu maximieren“, wie Verbandspräsident Olle Dahlin erklärte.

Auf welche Änderungen sich die Athleten und Fans letztendlich einstellen müssen, wird sich noch weisen müssen. Sicher ist bisher nur, dass der Saisonstart im alpinen Skisport wie immer in Sölden stattfinden wird - zumindest darauf ist Verlass.

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