Winterkorn-Anwälte „erstaunt“ über Anklage in den USA

US-Staatsanwälte haben Anklage gegen den früheren VW-Boss erhoben. Die Anwälte von Martin Winterkorn zeigen sich von dem Schritt überrascht.


Die Anwälte des ehemaligen VW-Chefs Martin Winterkorn wurden von der Anklage im Dieselskandal in den USA überrascht. „Wir sind über die Anklage erstaunt. Die Anklageschrift nehmen wir zur Kenntnis. Das weitere Vorgehen werden wir klären“, sagte Winterkorns Verteidiger Felix Dörr dem Handelsblatt.

Dörr kooperiert mit dem US-Starverteidiger Steven Molo von der New Yorker Kanzlei Molo Lamken. Er vertritt Winterkorns Interessen gegenüber der US-Justiz.

Die Staatsanwaltschaft in Detroit wirft Winterkorn und weiteren ehemaligen VW-Managern Verschwörung zur Täuschung der Behörden bei der Abgasmanipulation und Verstöße gegen US-Umweltgesetze vor. Die Strafverfolger gehen davon aus, dass der damalige Konzernchef bereits im Mai 2014 über Unregelmäßigkeiten bei Dieselabgaswerten informiert wurde.


Im Juli 2015 sei bei einem Treffen in der Wolfsburger Konzernzentrale im Beisein von Winterkorn und anderen VW-Managern über mögliche Konsequenzen beraten und schließlich vorgeschlagen worden, die Abschalteinrichtung in VW-Modellen nicht offenzulegen. Winterkorn habe diesem Vorgehen zugestimmt.

Der frühere Vorstandschef hat stets jegliche persönliche Verstrickung in den Abgasskandal bestritten. Dass es eine Software zur Manipulation von Abgaswerten gebe, wisse er selbst erst seit September 2015. Damals war der Abgasskandal auf Druck der US-Umweltbehörden aufgeflogen. Winterkorn trat daraufhin von allen Ämtern in dem Großkonzern zurück.

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In Deutschland ermittelt die Braunschweiger Staatsanwaltschaft gegen Winterkorn wegen Betrugs und Marktmanipulation – also dem Vorwurf, die Anleger zu spät über die Abgasmanipulation informiert zu haben. Diese zeigt sich wenig beeindruckt von der Anklageerhebung ihrer Kollegen in den USA. „Nur weil die Amerikaner Herrn Winterkorn anklagen, ändert das nicht unser Ermittlungskonzept“, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Freitag.

Die Ermittlungen in dem Abgasskandal würden unverändert vorangetrieben. Es sei angedacht, den Anwälten im Sommer Akteneinsicht zu gewähren. Damit sei aber nicht gesagt, dass die Ermittlungen abgeschlossen würden. Denn die Anwälte hätten dann die Möglichkeit zur Stellungnahme, was weitere Untersuchungen nach sich ziehen könnte. Er rechne daher nicht mit einem Abschluss der Betrugsermittlungen in diesem Jahr.

Eine Auslieferung in die USA muss der einstige Konzernchef nicht befürchten, denn Deutschland liefert keine eigenen Staatsangehörige an die USA aus. Allerdings verzichtet Winterkorn laut Medienberichten auf Auslandsreisen. Winterkorn lebt in München.