Südafrika trauert um Nelson Mandelas Ex-Frau Winnie

Die Ex-Frau des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela, Winnie, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Ihr Sprecher bestätigte am Montag entsprechende Berichte südafrikanischer Medien

Südafrika trauert um die Anti-Apartheid-Ikone Winnie Mandela. Die Ex-Frau des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela starb am Montag im Alter von 81 Jahren nach "langer Krankheit" in Johannesburg, wie ihr Sprecher sagte. Die von vielen Südafrikanern als "Mutter der Nation" betrachtete Aktivistin war eine der schillerndsten, aber auch umstrittensten Persönlichkeiten im Jahrzehnte währenden Kampf gegen die Rassentrennung.

Winnie Mandela sei seit Jahresbeginn immer wieder im Krankenhaus gewesen und dort am Montag "friedlich" eingeschlafen, teilte ihre Familie mit. Südakfrikas Staatschef Cyril Ramaphosa würdigte sie als "eine Stimme des Trotzes und des Widerstands" sowie als "beständiges Symbol der Sehnsucht unseres Volkes, frei zu sein". Bei einem Besuch am Haus der Verstorbenen in Soweto, vor dem Dutzende Trauernde Lieder aus der Zeit des Anti-Apartheid-Kampfes sangen, teilte der Präsident mit, Winnie Mandela werde am 14. April beerdigt.

Die als Nomzamo Winifred Zanyiwe Madikizela geborene Sozialarbeiterin war 38 Jahre lang mit dem späteren Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela verheiratet. Er verbrachte davon 27 Jahre im Gefängnis, bis er 1990 vor den Augen der Weltöffentlichkeit Hand in Hand mit Winnie in die Freiheit ging. Das Paar hatte sich jedoch während der Gefängniszeit entfremdet und trennte sich 1992.

Winnie hatte die zwei gemeinsamen Töchter während der Abwesenheit ihres Mannes allein großgezogen und in dieser Zeit den Kampf für ein Ende der Apartheid fortgeführt. Sie musste selbst immer wieder ins Gefängnis. Außerdem wurde sie gefoltert, durfte die Schwarzen vorbehaltene Siedlung Soweto nicht verlassen und wurde schließlich ins abgelegene Brandfort verbannt.

Dennoch war ihre Stimme nie verstummt. Während des Soweto-Aufstands 1976 rief sie die Studenten auf, "bis zum bitteren Ende zu kämpfen."

In den 80er Jahren aber wurde Winnie wegen ihrer Radikalität zur Belastung für Mandela und die Anti-Apartheid-Bewegung. Sie umgab sich mit wegen ihrer Brutalität berüchtigten Leibwächtern, die mutmaßlichen Verrätern mit Benzin getränkte Reifen umlegten und anzündeten - zynisch als "Halsketten" bezeichnet. 1986 sagte Winnie Mandela in einer Rede, sie wolle das ganze Land "mit unseren Streichholzschachteln und unseren Halsketten" befreien.

Der Scheidungsprozess mit Mandela machte später eine Affäre von Winnie mit einem dieser Leibwächter öffentlich. 1989 töteten ihre Leibwächter einen 14-Jährigen, den sie als Informanten verdächtigten. Winnie Mandela wurde 1991 im Zusammenhang mit dem Tod des Jungen wegen Entführung und Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Vor der vom früheren Erzbischof Desmond Tutu geleiteten Wahrheits- und Versöhnungskommission bestritt sie jedwede Mordbeteiligung.

Ihre Zeit als stellvertretende Ministerin unter Nelson Mandela währte nur kurz. Sie musste den Posten und die erste Reihe der Regierungspartei ANC wegen ihrer Aufmüpfigkeit verlassen. Nach einer Verurteilung wegen Betrugs im Jahr 2003 gelang Winnie Mandela noch einmal ein politisches Comeback, als sie 2009 ins Parlament gewählt wurde.

Erneut machte sie Negativschagzeilen: Sie beleidigte Tutu und nannte den Versöhnungsprozess eine "Scharade". Nelson Mandela habe ein "schlechtes Abkommen für die Schwarzen" geschlossen. "Er hat uns im Stich gelassen", sagte Winnie Mandela 2010. Dennoch verbrachte sie 2013 die letzten Monate vor Nelson Mandelas Tod an seinem Sterbebett.

Gut vier Jahre später starb sie nun an den Folge eines Nierenleidens, "umgeben von ihrer Familie und ihren Lieben", wie ihr Sprecher sagte.

Tutu erklärte, Winnie Mandelas Widerstandsgeist habe ihn und "Generationen von Aktivisten tief inspiriert". ANC-Generalsekretär Ace Magashule würdigte die Verstorbene als "großartige Patriotin" mit einer "Vision eines egalitären, blühenden und freien Südafrika". Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat, schrieb im Kurzbotschaftendienst Twitter, ganz Afrika trauere um die "globale Ikone" Winnie Mandela.