Du willst reich oder Millionär werden? Denk exponentiell, nicht linear!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Als Investor liest man häufig, dass es neben einer gewissen Rendite, Zeit und dem daraus resultierenden Zinseszinseffekt auch das richtige Mindset benötigt, um langfristig reich oder gar Millionär zu werden. Gerade in der aktuellen Korrekturperiode zeigt sich dabei insbesondere, was dazugehört. Nämlich ein gewisses Durchhaltevermögen, auch wenn es schwierig wird.

Allerdings ist das bei Weitem nicht alles, was man an Geisteshaltung einnehmen sollte, wenn man die magische Marke der Million (oder noch mehr?) durchstoßen möchte. Nein, grundsätzlich gehört hierzu nämlich auch das richtige Verständnis von Rendite. Oder eben das Begreifen des Zinseszinseffektes, oder wieder anders ausgedrückt: eine Denkweise, die auf exponentielles Wachstum ausgerichtet ist und nicht auf lineares.

Verstehe den Unterschied!

Eigentlich könnten wir es an dieser Stelle dabei bereits belassen, allerdings wird sich so manch einer nun womöglich fragen, wo denn genau die Differenz liegt. Und diese ist insbesondere anhand von Beispielen eigentlich recht einfach erklärt. Vielleicht möglichst plastisch, damit man auch wirklich den Unterschied zwischen diesen beiden Formen des Vermögensaufbaus versteht.

Mal angenommen, zwei Investoren erhalten exakt die gleiche Rendite von 7 % auf das eingesetzte Kapital von 100 Euro. Der eine jedoch ist dabei in einen ETF investiert, wo diese Summe stets wieder reinvestiert wird. Der andere hingegen besitzt eine Dividendenaktie, die stets eine Rendite von 7 % ausschüttet und, um das Modell einfach zu halten, nicht im Wert schwankt. Investor 2 benutzt diese Dividende dabei außerdem, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, beziehungsweise lässt das Geld auf seinem Verrechnungskonto. Unerheblich, welches Modell dir hier plastisch lieber ist.

Im ersten Jahr sind und bleiben dabei die Renditen noch gleich, denn beide werden nach Ablauf von 12 Monaten ein Vermögen von 107 Euro haben. Ab dem zweiten Jahr wird sich beim Dividendenjäger der Vermögenswert jedoch lediglich auf 114 Euro erhöhen, während der ETF-Investor es bereits auf 114,49 Euro bringt. Der Beginn einer langen Reise des Zinseszinseffektes, die langfristig bedeutende Unterschiede auslösen wird. Lass uns diesbezüglich nun nämlich etwas in die Zukunft springen.

Nach einer Haltedauer von zehn Jahren wird der Dividendeninvestor es auf 170 Euro bringen, nach 20 Jahren auf 270 Euro. Der lineare Vermögensaufbau, die jeweiligen zusätzlichen 7 Euro, bedeuten hier auch bloß einen linearen Wertzuwachs. Der ETF-Investor wird es hingegen nach zehn Jahren auf 183,85 Euro bringen und nach 20 Jahren schon auf 386,97 Euro, was einem deutlichen Mehr von 61 % entspricht. Der einfache Grund: der exponentielle Vermögensaufbau, bei dem sich das eingesetzte Kapital immer weiter vergrößert hat, weshalb der Zinseszinseffekt seine volle Macht entfalten konnte.

Warum das wichtig ist

So mancher wird sich an dieser Stelle nun womöglich fragen, warum das exponentielle Wachstum wichtig ist. Beide haben schließlich viel aus ihrem Vermögen herausgeholt und die Differenz ist hier absolut gesehen gering, richtig? Nein, leider falsch, denn es ist die relative Differenz, die dabei in den Fokus zu rücken ist.

Nehmen wir einfach mal an, es wären nicht 100 Euro, sonder 100.000 Euro gewesen. Dann würden die Beträge nach 20 Jahren bei 240.000 Euro beziehungsweise 386.970 Euro liegen. Eine Differenz von 146.970 Euro, die alles andere als unerheblich ist und wohl auch hier bloß ein kleiner Vorgeschmack dessen ist, was in den Folgejahren kommen könnte. Auch bei regelmäßigen Sparplänen wird das Renditepotenzial bei exponentiellem Vermögensaufbau stets größer, der lineare Vermögensaufbau ist dabei stets zu meiden.

Zudem werden auch wichtige Meilensteine schneller erreicht. Beim Ziel, die Marke von 1 Mio. Euro zu erreichen, können die ersten 100.000 Euro bereits die halbe Miete sein. Wer hingegen auf lineare Wertzuwächse setzt, wird vermutlich sogar noch viele Jahre oder vielleicht auch Jahrzehnte benötigen, um dieses Ziel zu erreichen. Oder es vielleicht sogar niemals schaffen.

Ein bedeutender Unterschied

Die Unterscheidung zwischen linear und exponentiell ist für alle Investoren daher existenziell wichtig, vor allem, wenn man größere Vermögen erzielen möchte. Wer diesen Unterschied nicht versteht und nicht für sich nutzt und beispielsweise bei Dividendenaktien auf Reinvestitionen verzichtet, der lässt sich einen erheblichen Teil seiner Rendite ergehen. Das sollte jeder Investor stets bedenken.

Möglicherweise ist das daher die wichtigste grundlegende Weichenstellung, um den eigenen Vermögensaufbau zu konzipieren. Auch hier unterscheidet sich in gewisser Weise die Investorenklasse von der breiten Masse.

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