Darum will Gnabry nicht zum FC Bayern zurück

Martin Volkmar
Serge Gnabry (2.v.l.) fühlt sich in Hoffenheim gut aufgehoben

Am Samstag glänzten zwei junge Flügelspieler des FC Bayern.

Der 21-jährige Kingsley Coman war mit einem Tor und zahlreichen starken Aktionen der Matchwinner der Münchner beim 3:1 über Hannover 96.

Rund 300 Kilometer nordwestlich überragte derweil der 22-jährige Serge Gnabry beim 4:0 von Hoffenheim über RB Leipzig mit zwei Treffern, einem davon aus exakt 43,5 Metern.

Neue Flügelzange gefunden?

Für viele Bayern-Fans war das eine eindeutige Empfehlung an seinen Arbeitgeber, denn Gnabry ist von Bayern nur bis Sommer an Hoffenheim ausgeliehen und könnte ab der nächsten Saison zusammen mit Coman die Flügelzange der Zukunft bilden.

Damit  hätte der Rekordmeister endlich die lange gesuchte Antwort auf die Frage gefunden, wer den alternden Stars Arjen Robben und Franck Ribery nachfolgen könnte, deren Verträge auslaufen.

Das Problem an der vermeintlichen Königslösung: Gnabry will nicht zum FC Bayern zurück. Der Nationalspieler wollte auch nie nach München, da er nach seinen Erfahrungen als Dauerreservist beim FC Arsenal Zweifel hatte, dort ausreichend Spielanteile zu bekommen.


Bayern hatte günstiges Vorkaufsrecht

Er musste aber, weil in seinem letzten Vertrag mit Werder Bremen nach SPORT1-Informationen eine entsprechende Klausel stand: Der FCB hatte ein Vorkaufsrecht auf Gnabry für die relativ geringe Ablöse von rund acht Millionen Euro und nutzte das in diesem Sommer.

Im Gegenzug sollen die Münchner zuvor geholfen haben, dass der Youngster 2016 von Arsenal zu Werder ging, obwohl wirtschaftlich deutlich stärkere Klubs wie Schalke 04, RB Leipzig, Bayer Leverkusen, Hertha BSC und der VfB Stuttgart Gnabry nach dessen starken Leistungen bei den Olympischen Spielen in Rio verpflichten wollten.

Ein Jahr später sah der U-21-Europameister seine Zukunft dann nach guten Gesprächen mit Julian Nagelsmann in Hoffenheim, doch die Bayern durchkreuzten zunächst den Plan.

Job in München nie angetreten

Entsprechend groß war der Frust bei Gnabry, was er nicht nur seinen Freunden, sondern auch sehr schnell den Verantwortlichen an der Säbener Straße mitteilte. Gnabry erhielt daher keine Rückennummer und trat aufgrund seines wegen der U-21-EM verlängerten Urlaubs auch nie seinen Dienst beim neuen Klub an.

"Der Spieler möchte sich noch ein Jahr ausleihen lassen, um diesen ganz großen Schritt das Jahr danach zu tun. Er glaubt, dass das für seine Entwicklung gut wäre, was im Übrigen auch sein Berater glaubt“, erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge Anfang Juli.

Wenige Tage später, pünktlich zu seinem 22. Geburtstag am 14. Juli, wurde die Leihe nach Hoffenheim dann perfekt gemacht. "Es war der ausdrückliche Wunsch von Serge, noch für ein Jahr ausgeliehen zu werden, damit er mehr Spielpraxis erhalten könne", so Rummenigge.

Hoffenheim hofft auf Verbleib

Insider vermuten, dass Gnabry und Hoffenheim mit einer ähnlichen Argumentation auf eine Verlängerung der Ausleihe für die Saison 2018/19 drängen werden. Nagelsmann jedenfalls nannte ausgerechnet nach der Gala seines Außenstürmers gegen Leipzig gleich mehrere Gründe dafür.

"Man muss ihm immer mal wieder einen Arschtritt verpassen. Das war schon in Bremen so, das weiß ich vom Kollegen", sagte der 1899-Coach: "Er ist noch lange nicht da, wo er hinmuss, wenn er bei dem Verein spielen will, dem er gehört."

Und so verwundert auch nicht, dass sich Alexander Rosen nach der Partie äußerst zuversichtlich zeigte, Gnabry halten zu können. "Ich habe große Hoffnung, dass er noch ein Jahr bleibt", erklärte der Sportchef.