"Ich will mein altes Leben zurück": Corona-Patient schilderte bei Hirschhausen seinen Kampf mit dem Tod

Sarah Kohlberger
·Lesedauer: 4 Min.

In einer neuen Folge der WDR-Gesundheitssendung "Hirschhausens Sprechstunde" beschäftigte sich Moderator Dr. Eckhart von Hirschhausen mit dem Coronavirus. Ein ehemaliger Patient erzählt von seinen Erfahrungen, und eine Journalistin nannte eine düstere Zahl.

Monatelang war der ehemalige COVID-19-Patient Jörg Pütz aus Bad Honnef im Krankenhaus. Bereits im März hatte er sich mit dem Coronavirus infiziert. An einem Sonntag kam er ins Krankenhaus, am Mittwoch darauf lag er im Koma - fünf Wochen lang. Seine Erfahrungen teilte der 59-Jährige in der Auftaktfolge der zweiten Staffel der Gesundheitsshow "Hirschhausens Sprechstunde", die das WDR-Fernsehen am Montagabend zeigte. Unter dem Titel "Corona - Zwischen Angst und Hoffnung" beschäftigte sich Moderator und Arzt Dr. Eckart von Hirschhausen intensiv mit dem Coronavirus.

Pütz habe nach Karneval Erkältungssymptome gehabt, schilderte er, und gedacht, es handele sich um eine "normale Grippe". Ein kurzes Video der Sendung "Hirschhausen auf Intensiv" zeigte dann allerdings: Der ehemalige Corona-Patient kämpfte um sein Leben. An Ostern sank seine Überlebenschance auf unter zehn Prozent, sogar ein Pfarrer kam zur Krankensalbung. Dann geschah das Wunder: Pütz erwachte, konnte aber nur ein paar Finger bewegen und nicht sprechen. Der Weg zur Besserung war lang: "Gott sei Dank hatte der liebe Gott ein Einsehen und mir noch eine Chance gegeben", sagte er jetzt im Dritten.

"Ich will wieder das machen, was mir Spaß macht"

Wenn er sich die Videos heute ansehe, erklärte er, sehe er sich nicht da liegen. "Ich wollte und will unbedingt mein altes Leben zurück", betonte er. "Ich will wieder das machen, was mir Spaß macht." Pütz sei ein großer Karneval-Fan, der Ausfall in diesem Jahr sei allerdings nicht schlimm. "Wir müssen uns schützen, wir müssen die Pandemie besiegen."

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Und wie denkt ein Mensch, der das Virus knapp überlebt hat, über Coronaleugner und Gegnern der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie? - Pütz habe für Menschen, die das Virus verharmlosen, "absolut kein Verständnis", betonte er. "Corona ist keine Erkältung, ist keine einfache Lungenentzündung, ist nicht irgendein Larifari. Es ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, und du siehst sie nicht." Auch er habe seine Familie angesteckt. "Jeder, der die Maske verweigert, soll sich vorstellen, dass er auch seine Eltern, seine Großeltern oder seine Kinder anstecken kann und auch verlieren kann. Ich habe es so gerade noch mal geschafft."

"Solange wir das nicht ernst nehmen, sind wir alle gefährdet"

Nach den Schilderungen von Jörg Pütz berichtete in der Sendung die Notfallmedizinerin Dr. Monika Kogej von ihren Erfahrungen in der Notaufnahme. Ihr Team habe sich in den letzten Monaten gut schützen können, doch Vorsicht sei weiterhin geboten. "Corona ist ein sehr tückisches Virus mit einer sehr tückischen Erkrankung, COVID, und solange wir das nicht ernst nehmen, sind wir alle gefährdet, und ich würde mir wünschen, dass die Leute das ernst nehmen", betonte die Oberärztin.

Als eine "beispiellose Erfolgsgeschichte" bezeichnete die Wissenschaftsjournalistin Katharina Adick die Entwicklung des Impfstoffs während der Pandemie: Es wurde noch nie ein Impfstoff so schnell entwickelt, unterstrich sie. Allerdings wundere sie sich, dass viele "anfällig für dubiose, krude Theorien" seien. Als Beispiel zeigte sie ein "komisches Wässerchen" neben sich: Dieses "Silberwasser" solle eine schützende Wirkung haben. "Wer um alles in der Welt hat dir diesen Sch... verkauft?", konnte sich von Hirschhausen das Lachen nicht verkneifen. Natürlich sei das Getränk "wirkungslos".

"Wir haben uns an dieses neue Virus gewöhnt"

Zuletzt wandte sich von Hirschhausen an die Psychologin Prof. Dr. Cornelia Betsch, die regelmäßig Menschen zur aktuellen Situation befragt und die Stimmung der Menschen im Laufe der Pandemie untersucht. Sie erklärte, dass sich die Risikowahrnehmung je nach Zahlen gewandelt habe. Aktuell sei sie eher niedrig. "Wir haben uns an dieses neue Virus gewöhnt, an dieses Risiko, mit dem wir jetzt leben", erklärte sie.

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Man möchte meinen, dass die Pandemie besonders ältere Menschen belaste, da sie doch zur Risikogruppe gehören. Doch Betsch konnte dem entgegensprechen: Tatsächlich fühlen sich ältere Menschen weniger belastet als jüngere. Ältere seien bereits durch mehr Krisen gegangen und hätten eine höhere "psychische Widerstandskraft" als Jüngere, erläuterte sie.

Düstere Zukunftsprognose

Unter den Teppich kehren wollte von Hirschhausen auch nicht die Frage nach dem Ursprung der Pandemie. Was viele als "großen Schicksalsschlag für die Menschheit" bezeichnen, sei eigentlich nur der "Preis, den wir jetzt dafür zahlen für den Umgang mit der Natur". Das Stichwort "One-Health-Ansatz" lieferte Betsch: Die Gesundheit des Menschen hänge stark mit der Gesundheit der Tiere und der Erde an sich zusammen.

In diesem Zusammenhang schüttelte Adick noch eine düstere Zahl aus dem Ärmel: "Man muss ja wirklich sagen, dass nach der Pandemie wahrscheinlich vor der Pandemie ist", konstatierte er. Es existieren nach seinen Worten 1,7 Millionen bisher unidentifizierte Viren, die dadurch zutagegefördert würden, indem man Straßen in Dschungeln schlage und intakte Lebensräume zerstöre. Am Ende resümierte von Hirschhausen: "Wir haben auf alle Fälle in dieser Krise gelernt, wie gut wir es vorher hatten." Man könne allerdings stolz darauf sein, dass eine Pandemie mit dem heutigen Wissensstand so erfolgreich angegangen werden konnte wie noch nie, meinte der beliebte TV-Moderator.

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