Wien könnte für Entwöhnung von Russland-Gas noch Jahre brauchen

(Bloomberg) -- Österreich wird laut der grünen Energieministerin Leonore Gewessler noch Jahre brauchen, um von russischem Erdgas wegzukommen. Auch die anstehende Aufstockung der strategischen Brennstoffreserve wird noch auf russische Lieferungen zurückgreifen müssen.

Die Invasion Russlands in der Ukraine habe die Alpenrepublik gezwungen, sich “unbequemen Wahrheiten” zu stellen, so die Ministerin in einem Interview mit Bloomberg News. Die schwarz-grüne Regierung, der Gewessler angehört, muss nun eine Einkaufspolitik umkehren, die mehr als ein halbes Jahrhundert auf billigem sibirischen Gas beruhte.

“Es wird eine enorme Anstrengung sein, und wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es Zeit braucht”, sagte die 44-jährige Ministerin, die für Klima-, Energie- und Verkehrspolitik zuständig ist. “Wenn wir jetzt eine strategische Reserve aufbauen müssen, könnte auch russisches Gas enthalten sein.”

Österreich schreibt am 10. Mai den Ankauf von 12,6 Terawattstunden Gas aus, was der Menge entspricht, die das Land in einem Januar verbraucht, wenn die Nachfrage am höchsten ist. Wien hat bis zum nächsten Winter bis zu 5 Milliarden Euro budgetiert, um seine Speicher aufzufüllen, die dieses Jahr zu den am wenigsten gefüllten in Europa gehört hatten.

“Wir haben in der letzten Sommer- und Wintersaison gesehen, dass der Markt allein die Verantwortung nicht in dem Maße übernimmt, wie wir es brauchten”, so Gewessler, 44. “Zu einer guten Lagerhaltung als Sicherheitspuffer für den nächsten Winter gibt es keine Alternative. Die strategische Reserve ist ein entscheidender Teil davon.”

Die Österreichische Energieagentur schätzt, dass das Land russische Erdgasimporte innerhalb von fünf Jahren ersetzen könnte, indem es die Effizienz steigert, die Lieferungen diversifiziert und synthetischen Kraftstoff produziert. Derzeit importiert das Land etwa 63 Terawattstunden an russischem Gas, was etwa 80% des Bedarfs ausmacht.

Österreich bezieht sibirisches Gas seit 1968, die Lieferungen begannen wenige Monate nach der Niederschlagung des Prager Frühlings. Der staatlich kontrollierte Öl- und Gaskonzern OMV AG entstand nach dem Abzug der Alliierten 1955 aus der Sowjetischen Mineralölverwaltung. Noch 2018 wurde der Liefervertrag bis ins Jahr 2040 verlängert.

Die Regierung in Wien arbeite derzeit “intensiv” mit der OMV, um sicherzustellen, dass Gaszahlungen an Russland in Euro abgewickelt werden und nicht gegen die Sanktionen der Europäischen Union verstoßen, so Gewessler.

“Wir haben immer klargemacht, dass wir nur eine sanktionskonforme Zahlung leisten würden, die mit dem Gesetz übereinstimmt”, sagte sie.

Überschrift des Artikels im Original:

Austria Could Require Years to Cut Off Russian Gas Entirely (1)

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