Wie Sparkassen Kunden zu Paydirekt zwingen wollen

Sparkassen wollen ihre Kunden unbedingt von Paydirekt überzeugen (Bild: AP)

Paydirekt lautet der Bezahldienst, welcher Onlinezahlungen mit einem deutschen Girokonto vereinfachen soll. Doch der Service kommt nur schleppend voran, die Nutzer sind noch zögerlich. Nun gehen die Sparkassen aufs Ganze: Ihre Kunden werden zwangsbeglückt.

“Zahlen Sie Ihre Online-Käufe künftig sicher und bequem von Ihrem Sparkassen- Girokonto mit Paydirekt“ – damit wirbt die Sparkasse auf ihrem Online-Portal. Als sich die größte Bankengruppe des Landes der Lösung der deutschen Kreditwirtschaft für den Einkauf im Internet im Frühjahr des vergangenen Jahres anschloss, gab sich Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon noch optimistisch: “Mit dem Start von Paydirekt beim Marktführer Sparkasse wird das deutsche Online-Bezahlverfahren richtig Fahrt aufnehmen“, sagte er.

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Doch der Zahlungsdienst, der von den deutschen Banken entwickelt wurde, um Paypal Konkurrenz zu machen, kommt nur schleppend in Schwung. Zwar erhöhte sich die Zahl der registrierten Kunden auf nunmehr gut 1,2 Millionen. Doch das intern bei Paydirekt ausgegebene Ziel von sieben Millionen Anmeldungen bis Ende 2017 liegt noch in weiter Ferne. Nun greifen die Sparkassen zu einem neuen Mittel, um Kunden von Paydirekt zu überzeugen: Zwangsbeglückung.

Kein Girokonto ohne Paydirekt

Sparkassenkunden, die ein Online-Konto besitzen, dürfen sich in den nächsten Tagen über E-Mail-Post freuen. Nach Angaben des DSGV erhalten rund 2,6 Millionen Sparkassen-Kunden das Paydirekt-Schreiben. Darin heißt es: “Paydirekt bietet Ihnen beides: Einfaches Bezahlen und optimale Datensicherheit – ‘made in Germany‘!“ Und das Beste: “Sie brauchen sich um nichts zu kümmern, denn wir legen Ihnen am 02.11.2017 kostenfrei ein Paydirekt-Benutzerkonto an.“

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Von “Zwangsbeglückung“ reden die Sparkassen nicht, sie nennen es “Komfort- oder Breitenregistrierung“. Paydirekt werde zwar automatisch Bestandteil des Girokontos – aber weiterhin nur dann, wenn der Kunde dies wolle, heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV). Wer das nicht möchte, könne das Schreiben einfach ignorieren.

Um das Benutzerkonto freizuschalten, muss der Kunde einfach einen Knopf drücken, seine aktuelle Mail-Adresse eintragen und ein Passwort vergeben. Neu ist, dass alle anderen persönlichen Angaben bereits in der Eingabemaske stehen.

Auch Volks- und Raiffeisenbanken sowie private Institute wie die Commerzbank arbeiten an einer ähnlichen Lösung. Dort ist aber erst 2018 mit einer Umsetzung zu rechnen.