Wie reich ist Wladimir Putin wirklich?

Nach eigenen Angaben kommt Wladimir Putin gerade so über die Runden. (Bild: Getty Images)

Offiziell verdient der russische Präsident Wladimir Putin gerade einmal um die 120.000 Euro im Jahr. Und doch gibt es Leute, die behaupten, der nach außen hin um Bescheidenheit bemühte Staatschef könnte der reichste Mensch der Welt sein.

Wirft man einen Blick auf die Gehälter, die der Kreml bezüglich der Bezahlung von Mitarbeitern veröffentlicht, könnte einem Wladimir Putin fast leidtun. 8,9 Millionen Rubel habe Putin im Jahr 2015 für seine Leistungen ausbezahlt bekommen, heißt es darin, rund 119.000 Euro also. Ein Klacks – vor allem im Anbetracht der Tatsache, dass sein Sprecher Dmitri Peskow im gleichen Zeitraum auf 36,7 Millionen Rubel kam und damit fast vier Mal so viel verdiente wie sein eigener Chef. Und Wjatscheslaw Wolodin, der Vize im Präsidialamt, wurde gar mit 87 Millionen Rubel entlohnt.

Dazu macht Putin gerne seit Jahren öffentlich, was er sonst noch so besitzt. Laut Protokoll ist das ein Datschengrundstück mit einer Fläche von 1500 Quadratmetern, eine Wohnung mit gerade einmal 77 Quadratmetern samt Garage, dazu drei Autos aus Zeiten der Sowjetunion und – auch das hält er für erwähnenswert – einen Anhänger. Armer Wladimir, könnte man da denken, wüsste man es nicht besser. Wobei „wissen“ im Falle des Kreml-Chefs ein durchaus schwieriger Begriff ist.

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Denn wie viel Geld Russlands Präsident wo genau gebunkert hat, ist ein mindestens ebenso großes Geheimnis wie der Code zu den russischen Atomwaffen. Zuletzt kam der Präsident durch die Enthüllungen der Panama Papers ins Gerede. Zwar wurde sein Name nicht direkt genannt, dafür aber gleich die mehrerer Freunde Putins. Zwei Milliarden Dollar sollen über ein Netzwerk in Steueroasen geflossen sein. Nur einer von vielen Hinweisen darauf, dass der Präsident Zugriff auf riesige Summen haben soll.

Angeblich soll Putin 200 Milliarden Dollar besitzen

Auf der „Forbes-Liste“ der reichsten Menschen der Welt, deren privates Vermögen mindestens eine Milliarde Dollar beträgt, wird Putin allerdings nie gelistet. „Diktatoren und Angehörige von Königshäusern werden nicht berücksichtigt”, heißt es aus der Redaktion des Wirtschaftsblatts. Und auch Staatenlenker, die ihr Vermögen aus ihrer Machtposition heraus erworben haben, werden nicht in die Milliardärs-Liste aufgenommen.

Genau das sei bei Putin der Fall, behauptet der US-Hedgefonds-Gründer Bill Browder, ehemals ein enger Vertrauter Putins. 2015 stellte er gegenüber dem Fernsehsender „CNN“ die Behauptung auf, Putin verfüge über ein Vermögen von 200 Milliarden Dollar – wogegen selbst Bill Gates mit seinen aktuell etwa 93 Milliarden Dollar alt aussähe, der bislang als reichster Mensch der Welt gilt.

Browder gilt seit 2007 als scharfer Kritiker der Politik des russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. (Bild: Getty Images)

Beweisen kann Browder seine Behauptung nicht, aber aufgrund seiner gemeinsamen Geschichte mit Wladimir Wladimirowitsch Putin wird sie auch nicht als abwegig angesehen. Bevor er sich 2005 mit dem russischen Herrscher überwarf, unterstützte Browder Putin mit seinem Investmentunternehmen Hermitage Capital Management, das zu bestimmten Zeiten als größter Auslandsinvestor Russlands galt. Laut „Welt“ beliefen sich die Investments auf bis zu vier Milliarden Dollar. Nach dem Streit aber wurde Browder Steuerhinterziehung vorgeworfen, seine Firmen wurden geschlossen, er durfte nicht mehr einreisen, sein Anwalt kam in russischer Haft unter ungeklärten Umständen ums Leben.

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Browder behauptete nun, Putin hätte vor allem in der ersten Hälfte seiner seit dem Jahr 2000 währenden Amtszeit Gelder in Aktien und Hedgefonds, Immobilien oder auf Schweizer Bankkonten verschoben, die eigentlich in die russische Infrastruktur wie Schulen, Krankenhäuser oder Straßen hätten gesteckt werden sollen. Damals lagen die wirtschaftlichen Wachstumsraten bei bis zu 8 Prozent, dem einstigen Vertrauten zufolge die ideale Ausgangssituation für Putins Schaffen eines sehr weichen privaten Polsters.

Die Gazprom-Aktien sind da fast schon Peanuts

Andere Insider gehen von einem zwar sehr viel niedrigeren, aber immer noch beachtlichen Privatvermögen aus. Schon 2007 schätzte es der russische Politikwissenschaftler Stanislaw Belkowski gegenüber der „Welt“ auf mindestens 40 Milliarden Dollar. Belkowski, der früher selbst für Putin gearbeitet hatte, nannte ihn in dem Bericht einen „großen Geschäftsmann“, der 37 Prozent am Gas- und Ölförderungskonzern Surgutneftegas kontrolliere. Marktwert: 20 Milliarden Dollar. Die 4,5 Prozent an Gazprom-Aktien sind da fast schon Peanuts.

Putin zusammen mit Vladimir Bogdanow, dem Direktor von Surgutneftegas – einer der größten Gas- und Ölförderungskonzerne Russlands. (Bild: AFP)

Dem „Guardian“ erzählte Belkowski zudem von Putins Verwicklungen in das Geschäft des Schweizer Öl- und Handelsunternehmens Gunvor. Ende der 90er-Jahre von dem Putin nahe stehenden Milliardär Gennadi Timtschenko gegründet, soll der Präsident mit „mindestens 75 Prozent“ daran beteiligt sein. Gunvor selbst hat das gegenüber dem „Manager Magazin“ bestritten und als Gerücht bezeichnet. Laut „n-tv“ geht aber unter anderem die US-Regierung von einer Beteiligung Putins an Gunvor aus. In der „Welt“ sagte Belkowski dazu: „Das Problem ist, dass man das Vermögen Putins vom Reichtum seiner Geschäftspartner nicht trennen kann. Formell ist Wladimir Putin wahrscheinlich kein Eigentümer dieser Anteile, aber faktisch werden sie von ihm kontrolliert.“ Ein Muster, das Wladimir Putin perfektioniert zu haben scheint. So listete etwa die russische „Forbes“ zehn enge Freunde des Präsidenten auf, die sechs der zehn größten russischen Unternehmen anführen. Darunter Gazprom, Transneft, Rosneft, Sberbank und die Eisenbahn.

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2012 widmeten auch die Oppositionspolitiker Boris Nemzow und Leonid Martynjuk Putin einen Bericht, in dem sie auf 32 Seiten seine Reichtümer aufzählten. 20 Paläste und Villen sollen ihm zur Verfügung stehen, wovon sechs nicht offiziell als Staatseigentum verzeichnet sind. Der liebste ist dem Präsidenten vermutlich der im nur 24 Kilometer von Moskau entfernten Ort Novo Ogarjowo. In der Präsidialresidenz gibt es einen eigenen Hubschrauberlandeplatz, eine Pferdestallung und ein eigenes Schwimmbad, in dem Putin täglich zwei Stunden seine Bahnen ziehen soll. Will er verreisen, hat er auch hier die Qual der Wahl mit seiner Flotte von angeblich 43 Flugzeugen und 15 Hubschraubern. Und auch bei Uhren hat Putin laut Nemzow einen exklusiven Geschmack – seine Sammlung soll einen Wert von 550.000 Euro haben.

Putin selbst kann es sich leisten, locker mit all den nicht beweisbaren Vermutungen bezüglich seines Vermögens umzugehen. 2008 sagte er rührselig gegenüber dem Fernsehsender „n-tv“: „Ja, es ist wahr. Ich bin nicht nur der reichste Mann Europas, sondern der Welt. Ich sammele nämlich Emotionen.“

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