Wie reich ist die Erfolgsautorin Joanne K. Rowling wirklich?

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin
J.K. Rowling lebte von Sozialhilfe, als sie den ersten Harry-Potter-Band schrieb. (Bild: Getty Images)

Manchmal packt einen ja schon der Neid, wenn es um sehr reiche Menschen geht. Eine, der man jeden Cent gönnt, ist J.K. Rowling. Denn bevor die britische Autorin mit „Harry Potter“ den Wurf ihres Lebens landete, hatte die alleinerziehende Mutter kaum genug Geld, um sich und ihre Tochter über die Runden zu bringen.

Wenn Joanne K. Rowling auf ihren Kontoauszug guckt, wird sie sich manchmal wohl noch immer ungläubig die Augen reiben. Das „Forbes“-Magazin schätzt das Vermögen der britischen Autorin auf 650 Millionen Dollar. Umgerechnet sind das ungefähr 530 Millionen Euro. Alleine im vergangenen Jahr soll Rowling 95 Millionen Dollar eingenommen haben und führt damit die Liste der reichsten Schriftsteller an. Hinter ihr auf Platz zwei steht mit 87 Millionen Dollar der amerikanische Krimi-Autor James Patterson und dann kommt lange erst mal nichts. Auf Platz vier landet Dan Brown („Sakrileg“), der aber „nur“ auf 20 Millionen kommt. Dahinter so namhafte Autoren wie Stephen King, John Grisham, Nora Roberts und „Fifty Shades of Grey“-Autorin E. L. James auf Platz neun, die 2017 immerhin noch 11,5 Millionen Dollar einnahm.

Bücher, Kinofilme, Themenparks: Die Einnahmequellen sind vielfältig

Dass J.K. Rowling 2017 so einen Reibach gemacht hat, liegt an der Vielseitigkeit der Projekte, die sie verwirklicht oder an denen sie beteiligt ist. Eine Haupteinnahmequelle war das Theaterstück „Harry Potter und das verwunschene Kind“, das in Buchform ein Bestseller war und in London und New York am Theater aufgeführt wird. Dazu die „Pottermore“-Website, auf der sich Fans des Zauberlehrlings auf dem Laufenden halten. Sie brachte Rowling 5,4 Millionen Euro an Tantiemen ein, dazu kommen Einnahmen aus Themenparks unter anderem in London, Florida und Japan.

“Überraschend gut”: “Harry Potter”-Prequel begeistert viele Fans

Obendrauf der Kinofilm „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, zu dem Rowling das Drehbuch verfasst hat und an dem sie auch als Produzentin beteiligt war. Ein Riesenerfolg, der ihr schon bald noch mehr Geld in die Kasse spülen wird, wenn im November der zweite Teil „Grindelwalds Verbrechen“ in den Kinos startet.

Als Rowling „Harry Potter“ schrieb, war sie ganz unten

Dabei begann alles, natürlich, mit „Harry Potter“. Der erste Band „Harry Potter und der Stein der Weisen“ erschien 1997 mit einer Erstauflage von gerade einmal 500 Exemplaren. Geschrieben in einer Zeit, in der die Britin am Boden war. Nachdem sie an einer englischen Schule in Porto unterrichtet und einen portugiesischen Journalisten geheiratet hatte, zog sie 1993 in Scheidung lebend mit ihrer einjährigen Tochter nach Edinburgh in Schottland. Sie war alleinerziehend, arbeitslos und auf Sozialhilfe angewiesen.

Kinder in London stehen um Mitternacht Schlange, um den neuesten Harry-Potter-Band zu ergattern. (Bild: Getty Images)

„Als ich das erste Mal in der Schlange stand, um meine Sozialhilfe abzuholen, hatte ich das Gefühl, dass ein enorm großer Neonlicht-Pfeil auf mich zeigt“, sagte sie einmal in einem Interview. Zu der Zeit waren ihre Depressionen so stark, dass sie mit dem Gedanken spielte, sich das Leben zu nehmen. Der „Sunday Times“ sagte sie: „Wir sprechen hier von Selbstmordgedanken, wir sprechen nicht darüber, dass ich mich ein bisschen elend gefühlt habe.“ Dass sie es trotzdem schaffte, in dieser Zeit ihr erstes Buch zu schreiben, war das Beste, was ihr passieren konnte.

Die Bücher wurden auch im Kino ein Riesenerfolg

Drei Tage, nachdem das Buch in Großbritannien auf dem Markt war, sicherte sich auch ein US-Verlag die Rechte. 100.000 Dollar legte er dafür auf den Tisch, 80 Prozent davon gingen an Rowling. „Der Stein der Weisen“ hatte den Stein des Erfolgs ins Rollen gebracht. Und der war spätestens dann nicht mehr aufzuhalten, als der dritte Teil der „Harry-Potter-Saga“ zum weltweiten Bestseller wurde. Bis heute wurden die insgesamt sieben Bände in 80 Sprachen übersetzt und haben sich 500 Millionen Mal verkauft, keine andere Buchserie ist erfolgreicher. Die acht Kinofilme, die auf den Büchern basieren, fachten den Hype zusätzlich an. Insgesamt haben sie sechs Milliarden Euro eingespielt.

Durch Spenden keine Milliardärin mehr

Dass sie finanziell für alle Zeiten ausgesorgt hat, bezeichnet J.K Rowling als den größten Luxus in ihrem Leben. Doch egal, wie viel Vermögen sie anhäuft: „Ich habe nicht vergessen, wie es ist, sich darüber Gedanken zu machen, ob man seine Rechnungen bezahlen kann“, schreibt die 52-Jährige auf ihrer Website „jkrowling.com“. 2004 war sie laut „Forbes“ die erste Person, die mit dem Schreiben von Büchern die Milliarden-Dollar-Grenze überschritt.

J.K. Rowling: Sie verteidigt Johnny Depp als Cast für “Phantastische Tierwesen 2”

Allerdings liegt sie seit dem Jahr 2012 wieder darunter. Und das liegt nicht nur an dem zwischenzeitlich erhöhten britischen Spitzensteuersatz, sondern hat auch eine freiwillige Komponente. J.K. Rowling ist bekannt für ihr soziales Engagement und ihre Freigiebigkeit, wenn es um benachteiligte Menschen geht. Mit ihren Stiftungen The Volant Charitable Trust und Lumos unterstützt die Britin vor allem Waisen und bedürftige Kinder und Frauen. Laut „Forbes“ soll sie das 2011 mit 160 Millionen Dollar getan und sich damit quasi selbst von der Reichen-Liste gestrichen haben.

Der Rubel rollt weiter

Im vergangenen Jahr knackte Rowling einen weiteren Rekord, als eine seltene Erstausgabe von „Harry Potter und der Stein der Weisen“ bei einer Auktion für rund 68.000 Euro versteigert wurde. Das Auktionshaus Heritage Auctions in Dallas teilte in einem Statement mit, es handle sich um einen neuen Weltrekord für den Preis eines unsignierten, fiktionalen Werks aus den vergangenen 50 Jahren.

Lesen Sie auch: Wie reich ist die Queen wirklich?

 Neben der Harry-Potter-Welt, die sich mittels Prequels, Sequels und sämtlichen anderen Formen unendlich ausbauen lässt, verdient J.K. Rowling auch an anderen Büchern. 2012 erschien ihr Roman „Ein Plötzlicher Todesfall“, der auch in einer Mini-Serie verfilmt wurde. Dazu sind seit 2013 drei Bücher über den Privatdetektiv Cormoran Strike erschienen, die Rowling unter dem Pseudonym Robert Galbraith veröffentlicht. Langweilig wird es J.K. Rowling also nicht, das Geld geht ihr auch nicht aus und neben dem beruflichen Erfolg ist sie auch privat wieder glücklich.

Auch privat hat J.K. Rowling ihr Glück gefunden. (Bild: Getty Images)

Rowling lebt mit ihrem zweiten Mann, mit dem sie zwei Kinder hat, zusammen in Edinburgh und besitzt ein weiteres Haus im Norden von Schottland. Das einzige, wobei sie schwach wird, sind Klamotten und Schuhe: Sie mag Vivienne Westwood, Jimmy Cho, Prada und Dior, sagte aber einmal: „Ich habe eine mentale Grenze über die hinaus ich nichts ausgeben kann.“

Twitter-Trend: So wäre es in Hogwarts, wenn es mehr schwarze Schüler gäbe

Ihr Mann, ein Anästhesist, soll da ganz ähnlich gestrickt sein. Insofern werden sich in den nächsten Jahren noch viele Hilfsorganisationen mitfreuen, wenn J.K. Rowling ein finanziell ähnlich erfolgreiches Jahr hat wie es das vergangene war.