Wie im Horrorfilm: Weihnachts-Werbespot erntet Shitstorm

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

Der Heimtrainer-Hersteller Peloton hat in den USA seinen Weihnachtswerbespot veröffentlicht. Der 30-sekündige Clip löste unterschiedliche Reaktionen bei den Leuten aus - fast alle davon negativ.

Ist diese Frau einfach nur aufgeregt vor ihrem ersten Training oder hängt ihr Leben davon ab? Viele interpretieren den Spot von Petolon als Horrorfilm (Bild: Screenshot Youtube/Petolon)

Der Werbespot beginnt damit, dass eine junge, schlanke Mutter einen Peloton-Heimtrainer geschenkt bekommt. Daraufhin beginnt sie ein Videotagebuch, bei dem sie ihren Trainingsstand festhält, von ersten, nervösen Versuchen auf dem Fitness-Gerät bis hin zu dem gerührten Geständnis, das Geschenk habe ihr Leben verändert. Am Ende sieht man, dass ihr Partner ihr den Heimtrainer bereits vor einem Jahr geschenkt hat und sie sich nun gemeinsam ihre Trainingsaufzeichnungen ansehen.

Mehr als zwei Millionen Mal wurde der Spot allein auf Youtube angesehen, doch die Reaktionen fallen alles andere als positiv aus. Die einen finden den Clip unverhohlen sexistisch: Ein Fitnessgerät herzuschenken sei stets ein Wink mit dem Zaunpfahl, die Frau möge doch Gewicht verlieren, was bei der sportlichen Dame im Werbefilm eindeutig nicht notwendig ist.

Nichts sagt “Du solltest ein paar Kilo abnehmen” wie seinem bereits gertenschlanken Lebensgefährten einen Peloton zu schenken

Welcher Trottel kauft seiner Frau auch einen Peloton? Kauf ihr Eisenpfannen und -töpfe. Die sind superschwer, damit sie in Form bleiben kann, während sie das Abendessen kocht

Dass ihr Partner ihren Fortschritt am Ende zu “überwachen” scheint, macht sie Sache nicht besser. Ohnehin sehen viele in dem Video eher einen Horrorfilm als einen Wohlfühl-Weihnachts-Werbefilm. Zu gequält und teiweise angsterfüllt sieht das Lächeln der Frau aus, während sie in Richtung Kamera versichert, brav am Ball zu bleiben, als würde jemand aus dem Off eine Waffe auf sie richten.

Jetzt weiß ich, wo ich diesen Petolon-Gesichtsausdruck schon einmal gesehen habe

Die Aktie des Unternehmens fällt um neun Prozent

Nun sind witzige Reaktionen auf Twitter auf wunderliche Werbung keine Seltenheit, doch wie weit Petolon mit ihrer Kampagne daneben gegriffen hat, zeigt ein Blick auf die Börsenwerte: Um satte neun Prozent ist der Kurs des Unternehmens seit der Veröffentlichung des Spots Ende November gefallen, wie unter anderem die BBC berichtet.

Sexismus-Vorwurf: Werbung eines Metzgers geht nach hinten los

Petolon hat mittlerweile mit einem Statement an die Öffentlichkeit gerichtet und bedauert, dass ihre Botschaft “missverstanden wurde”. Es sollte in dem Spot darum gehen, “eine Fitness- und Wellness-Reise” zu zelebrieren. Viele Kunden würden immer wieder davon berichten, wie die Geräte und Kurse ihr Leben verändert hätten.

Wer trotz des negativ bewerteten Werbefilms nach wie vor darüber nachdenkt, einem geliebten Menschen einen Petolon-Heimtrainer zu schenken: Den günstigsten gibt’s für 2.290 Euro.