Wie Babys für Filme gecastet werden

Rebecca Bearman übernahm in „Willow“ im Alter von zehn Monaten einen Teil der Rolle der Elora Danan. (Lucasfilm/Kobal/REX/Shutterstock)

Ob es um ein Baby und drei Männer geht oder um das Neugeborene, das Leinwandmamis nach einer besonders aufreibenden Geburtsszene in ihren Armen halten – wie jeder andere Darsteller müssen auch diese Kinder gecastet werden.

Und so funktioniert es:

Der Dreh eines Babyfilms

Als es Zeit war, das Finale von „Beim ersten Mal” zu filmen, fanden sich die Macher des Films mit einem ungewöhnlichen Problem konfrontiert.
Sie wollten das Filmmaterial einer echten Geburt mit Einstellungen von Katherine Heigl zusammenschneiden, die so tat, als würde sie ihr Baby von Seth Rogen herauspressen – doch wie sich herausstellte, durften sie das nicht.

Produzent Evan Goldberg erzählte dem Guardian: „Wir erfuhren, dass wir das nicht durften, weil das Baby kein Mitglied der Screen Actors Guild sein konnte, weil es noch nicht geboren war.“

Promofoto für „Beim ersten Mal”. (WB)

In Kalifornien muss man mindestens 15 Tage alt sein, um sein Leinwanddebüt machen zu dürfen, sofern ein ärztliches Attest bestätigt, dass man keine Frühgeburt war und körperlich fit für diese Arbeit ist.

Wenn man auf der Leinwand neu geboren werden will, sollte man darauf vorbereitet sein, sich in Traubengelee und Frischkäse oder Kunstblut (aka Maisstärke) zu räkeln. Und ja, es muss Traubengelee sein und nicht Erdbeere – da letztere allergische Reaktionen hervorrufen könnte.

Diese Kinderstars sind in der Versenkung verschwunden

Die Anforderung an Ihren Spross

„In der Regel jemand, der ein liebenswertes Gesicht und ein breites Lächeln und große Augen hat“, verrät ein britischer Agent für Kindermodels.

Zum Glück braucht man nicht viel Geduld – wofür Neugeborene ja nicht unbedingt bekannt sind –, denn die Filmcrews richten sich nach den Launen der Kleinen, als wären sie berühmte Hollywood-Stars. Babys, die jünger als sechs Monate sind, dürfen nur zwei Stunden pro Tag am Set sein und maximal 20 Minuten davon „arbeiten“ – einer der Gründe, warum Filmemacher häufig mit eineiigen Zwillingen arbeiten, um die verfügbare Drehzeit zu verdoppeln.

Evangeline und Liliana Ellis spielen im unterschätzten Netflix-Film „Tallulah” Madison Ford. (Nicole Rivelli/Netflix)

Experten empfehlen außerdem, dass das Baby von der Person zum Casting gebracht werden soll, an der es am wenigsten hängt.

Weshalb? Die Verantwortlichen des Castings bringen die Kinder oft in einen anderen Raum, um zu sehen, wie diese darauf reagieren.

Agenturchefin Jackie Reid erklärt Backstage: „Oft fängt das Baby an zu schreien, wenn man es seiner Mama wegnimmt, wenn man es allerdings vom Papa, dem Großvater oder dem Babysitter wegbringt, macht es keinen Mucks.“

Tja, wenn man in Hollywood Erfolg haben will, muss man darauf gefasst sein, auf sich gestellt zu sein.

Häufig ist es pures Glück

Zwei der berühmtesten Filmbabys sind Kristina und Michelle Kennedy, die 1987 in „Baby Boom – Eine schöne Bescherung“ abwechselnd Diane Keatons Leinwandtochter Elizabeth spielten. Ihre Eltern hatten sie zu einem offenen Casting gebracht, doch als Kristinas Ball beim Spielen unbeabsichtigt in den Casting-Raum rollte, hatten sie ihren Fuß in der Tür.

„Sie sagten ‚Bringt sie rein’“, erzählte Jim der „Today“-Show. „Und sie durften als erstes hinein.“
Nur wegen des Balles waren sie die ersten, die vor die Filmemacher treten durften und blieben diesen im Gedächtnis.

Diane Keaton in „Baby Boom“. (United Artist)

Im Fall von Rebecca Bearman, die im Alter von zehn Monaten im 80er-Kultfilm „Willow“ einen Teil der Rolle der Elora Danan übernahm, war es anders: Sie kannte jemanden (ihren Onkel Gerry Toomey, zweiter Regieassistent des Films), der jemanden kannte (den Regisseur, Ron Howard).

„Man sagte mir, ich sei ganz spontan eingesetzt worden, weil [die beiden Hauptdarstellerinnen, Zwillingsschwestern] zu groß für Willows Rucksack geworden waren“, erzählte Bearman Yahoo Movies.

Sie wurde nie offiziell als Darstellerin genannt, kaufte jedoch von den umgerechnet 2.260 Euro, die ihre Eltern von der Gage gespart hatten, ihr erstes Auto (Wer geschickt verhandelt, verdient als Baby 560 Euro pro Tag).

Oft wird von der Arbeit mit Kindern oder Tieren abgeraten

„Am Anfang dachte [die Filmcrew von „Baby Boom”], dass sie einfach auf Abruf ein zufriedenes Baby haben können“, erzählte Diane Kennedy NBC. „Sie haben sehr schnell gemerkt, dass sie um den Zeitplan (der Babys) herumarbeiten mussten und sie waren sehr, sehr gut darin.“

Bearman ergänzt: „Ich war allgemein ein braves Kind und habe nicht geweint. Sie wollten, dass ich weine, als ich auf einem Karren saß, weil ich ängstlich wirken sollte, aber ich lachte die ganze Zeit. Sie mussten mir Fläschchen geben und wieder wegnehmen, um mich zum Weinen zu bringen. Meine Mutter musste mehr schauspielern als ich!“

Bei sehr kleinen Kindern scheint der Schlüssel in der Fähigkeit zu liegen, zu schlafen, wenn sie schlafen sollen, wach zu sein, wenn sie wach sein sollen und sich generell ruhig zu verhalten, sofern nichts anderes von ihnen verlangt wird.

Ein Kinderspiel für Babys, nicht wahr?

Ben Falk

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