Dutzende Verletzte bei Protest gegen Serbisch-Orthodoxe Kirche in Montenegro

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Bei heftigen Protesten gegen die Amtseinführung des neuen Oberhaupts der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Montenegro sind dutzende Menschen verletzt worden. Wütende Demonstranten lieferten sich am Sonntag in Cetinje im Süden des Landes Zusammenstöße mit der Polizei. Hintergrund der Proteste sind ethnische Spannungen zwischen ethnischen Serben und Nicht-Serben in dem kleinen Balkanstaat.

Nach Behördenangaben wurden bei den Krawallen rund 50 Menschen verletzt, 14 Demonstranten wurden festgenommen.

Der designierte Metropolit Joanikije und der Patriarch Porfirije mussten unter Polizeischutz per Hubschrauber zu der Zeremonie eingeflogen werden, nachdem die Demonstranten seit Samstag sämtliche Zufahrtsstraßen zu der Stadt blockiert hielten.

Schon am Vorabend der Amtseinführung hatten wütende Demonstranten Polizeiabsperrungen durchbrochen und Straßensperren am Stadtrand errichtet. Sie riefen Parolen wie "Dies ist nicht Serbien!" und "Lang lebe Montenegro!". Die Serbisch-Orthodoxe Kirche ist zwar die wichtigste Religion in Montenegro, viele Montenegriner sehen sie aber als von Belgrad beeinflusst.

Viele Demonstranten hatten die Nacht auf der Straße verbracht und sich an Feuern warm gehalten, berichtete eine AFP-Korrespondentin. Einige waren bewaffnet und schossen in die Luft, andere zündeten Reifen als Barrikaden an. Sie wollten die Kirchenvertreter daran hindern, zu dem Kloster zu gelangen, das vielen Montenegrinern wegen seiner Geschichte als Nationalsymbol für die Souveränität ihres Staates gilt.

Metropolit Joanikije sagte bei der Zeremonie am Sonntag, er wolle der "brüderlichen Aussöhnung dienen". Er fügte hinzu, die "Spaltung" sei "provoziert" worden.

Montenegro war 2006 von Serbien unabhängig geworden. Knapp ein Drittel der 620.000 Einwohner definieren sich als ethnische Serben. Einige leugnen bis heute Montenegros Unabhängigkeit.

Die seit Dezember amtierende Regierung gilt als kirchennah. Im Dezember hatte sie ein von der Sozialistischen Partei von Präsident Milo Djukanovic eingebrachtes Gesetz geändert, mit dem hunderte serbisch-orthodoxe Klöster zu Staatseigentum gemacht werden sollten. Auch Präsident Djukanovic beteiligte sich an den Protesten gegen die Amtseinführung des neuen Metropoliten in Cetinje.

gt/mkü

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