Frankreich verzeichnet Negativrekord von 58.000 Corona-Neuinfektionen

Pauline FROISSART
·Lesedauer: 3 Min.
Geschlossenes Café in London

Frankreich verzeichnet Negativrekord von 58.000 Corona-Neuinfektionen

Geschlossenes Café in London

Die zweite Corona-Welle hat Europa weiter fest im Griff: In Frankreich ist am Donnerstag die Rekordzahl von gut 58.000 Neuinfektionen verzeichnet worden. Das waren fast 20.000 Fälle mehr als am Vortag. Auch in Deutschland wurde mit fast 20.000 Ansteckungen binnen eines Tages ein Rekordwert registriert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) äußerte sich besorgt über die "Explosion" der Corona-Fallzahlen in Europa. Mehrere Länder verschärften ihre Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. 

Insgesamt seien in Frankreich inzwischen 1,6 Millionen Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus nachgewiesen worden, sagte der Generaldirektor für Gesundheit, Jérôme Salomon. Frankreich sei damit das Land mit den meisten Infektionen in Europa. Mehr als 39.000 Infizierte starben. Die zweite Corona-Welle sei "brutal", sagte Salomon. Gesundheitsminister Olivier Véran nannte die Lage "sehr ernst". 

Angesichts der massiven Zunahme der Corona-Infektionen wächst in Frankreich die Angst vor einer Überlastung der Krankenhäuser. Binnen 24 Stunden seien fast 3000 Corona-Patienten stationär aufgenommen worden, sagte Salomon. Mehr als 4000 Infizierte werden laut den Behörden inzwischen auf den Intensivstationen betreut.

Europa ist mittlerweile die Weltregion mit den meisten nachgewiesenen Corona-Infektionen. Wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Behördenangaben am Donnerstag ergab, wurden in Europa inzwischen 11,6 Millionen Ansteckungen und 293.000 Todesfälle registriert.

Bereits im März und April war Europa das Epizentrum der Pandemie, nach einer Entspannung der Lage im Sommer entwickelte es sich in den vergangenen Wochen erneut dazu. Seit Oktober ist Europa die Weltregion mit den meisten täglichen Neuansteckungen.

Und das Infektionsgeschehen beschleunigt sich weiter: Die Zahl der vergangene Woche festgestellten Neuansteckungen war 20 Prozent höher als in der Vorwoche. Die Zahl der wöchentlichen Corona-Toten in Europa stieg noch deutlich schneller: Nach 14.403 Todesopfern in der vorvergangenen Woche waren es vergangene Woche 21.500 Todesfälle und damit fast 50 Prozent mehr.

Die meisten Neuinfektionen in Europa meldeten vergangene Woche Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien und Polen. Auch in Deutschland erreicht die Zahl der Neuinfektionen immer neue Höchststände. Am Donnerstag meldete das Robert-Koch-Institut fast 20.000 Ansteckungen binnen 24 Stunden.

"Wir erleben eine Explosion" der Fallzahlen in Europa, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, der Nachrichtenagentur AFP. Auch die Sterberate bei den Infizierten steige. Kluge rief die europäischen Staaten zu "gezielten und angemessenen" Gegenmaßnahmen auf, um die Pandemie einzudämmen. Die Schulen sollten allerdings "bis zum Schluss" offen bleiben und nur im äußersten Fall den Präsenzunterricht einstellen. 

Am Montag war in Deutschland ein einmonatiger Teil-Lockdown in Kraft getreten, auch in vielen anderen europäischen Ländern wurden Lockdowns sowie nächtliche Ausgangssperren beschlossen. 

Am Donnerstag zog England nach: Nach längerem Zögern der Regierung trat auch dort ein Lockdown in Kraft. Bis mindestens Anfang Dezember bleiben nicht dringend notwendige Geschäfte geschlossen, die Menschen sollen ihr Zuhause nur noch für das Nötigste verlassen.

Die Regierung kündigte zudem verschärfte Einreisebestimmungen an. Wer aus Deutschland oder Schweden nach Großbritannien einreist, muss sich künftig für 14 Tage in Selbstisolation begeben. Die Regelung gilt ab Samstag. 

Dänemark riegelte nach der Entdeckung einer mutierten Form des neuartigen Coronavirus Teile der nordwestlichen Region Jütland ab. Die Bürger in sieben Gemeinden Nord-Jütlands würden "dringend aufgerufen, in ihrer Region zu bleiben, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern", sagte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Betroffen sind demnach mehr als 280.000 Menschen. 

Die Regierung in Kopenhagen hatte am Mittwoch die Notschlachtung aller Nerze im Land angekündigt. Zuvor war bei einigen Tieren eine mutierte Form des Coronavirus gefunden worden. Auch bei zwölf Menschen wurde diese neuartige Form des Virus nachgewiesen. 

Das mutierte Coronavirus könnte nach Angaben der dänischen Gesundheitsbehörden die Wirksamkeit eines künftigen Impfstoffes für Menschen beeinträchtigen. Ansonsten seien die Symptome der mit dem mutierten Virus infizierten Personen nicht schlimmer als bei anderen Corona-Patienten.

bfi/ck