WHO-Bericht: Übergewicht in Europa erreicht "epidemische" Ausmaße

Fettleibigkeit hat in Europa deutlich zugenommen (AFP/MIGUEL RIOPA) (MIGUEL RIOPA)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm wegen zahlreicher Todesfälle in Europa infolge eines "epidemischen" Ausmaßes an Übergewicht und Fettleibigkeit. Wie die WHO Europa in einem am Dienstag vorgelegten Bericht darlegt, stieg der Anteil der Fettleibigen in ihrem Zuständigkeitsbereich in den vergangenen fünf Jahrzehnten um 138 Prozent. Damit seien mittlerweile fast ein Viertel der Erwachsenen in Europa deutlich zu dick.

"Übergewicht und Fettleibigkeit haben in der Region epidemische Ausmaße angenommen und nehmen immer noch weiter zu", warnte die WHO. "Ein erhöhter Body-Mass-Index ist ein starker Risikofaktor für nicht ansteckende Krankheiten, darunter Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen", hob der WHO-Chef für Europa, Hans Kluge, in dem Bericht hervor. Die WHO Europa, die ihren Sitz in Kopenhagen hat, ist zuständig für 53 Länder und Gebiete nicht nur in Europa, sondern auch in Zentralasien.

Der Bericht nennt Fettleibigkeit als eine Ursache für mindestens 13 Arten von Krebs. Wahrscheinlich seien jährlich mindestens 200.000 Krebserkrankungen auf diesen Faktor zurückzuführen. In den kommenden Jahren werde diese Zahl voraussichtlich weiter steigen. Die WHO führt insgesamt mehr als 1,2 Millionen Todesfälle pro Jahr in der Europa-Region auf Übergewicht und Fettleibigkeit zurück. Dies sei ein Anteil von mehr als 13 Prozent an den jährlichen Todesfällen in der Region.

Die neuesten umfassenden Daten zu Übergewicht im Zuständigkeitsbereich der WHO Europa stammen aus dem Jahr 2016. Demnach waren 59 Prozent der Erwachsenen und fast ein Drittel der Kinder - 29 Prozent der Jungen und 27 Prozent der Mädchen - übergewichtig. 1975 hatte die Rate bei den Erwachsenen noch bei 40 Prozent gelegen.

Als zusätzlichen Faktor für die Zunahme von Übergewicht nannte die WHO die Corona-Pandemie. So hätten Lockdown-Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie zu einer ungesunden Ernährung und einer bewegungsarmen Lebensweise beigetragen.

Zugleich habe die Pandemie die gesundheitlichen Risiken von Übergewicht einmal mehr deutlich gemacht, hob Kluge hervor. "Fettleibige Menschen hatten ein höheres Risiko, ernste Folgen des Covid-19-Spektrums zu erleiden, darunter Einweisungen auf die Intensivstation und Tod", führte der WHO-Europa-Chef aus.

Die WHO rief die Politik zum Handeln auf. So seien eine Besteuerung von gezuckerten Getränken und Subventionen für gesunde Lebensmittel sinnvoll. Außerdem solle die Vermarktung ungesunder Produkte bei Kindern eingeschränkt werden. "Politische Maßnahmen, die bei der gesamten Bevölkerung auf umweltbedingte und wirtschaftliche Faktoren für schlechte Ernährung abzielen, sind wahrscheinlich am effektivsten bei der Eindämmung der Fettleibigkeitsepidemie", erklärte die WHO.

yb/mid

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.