Whistleblowerin Stepanowa: "Betrug ist die russische Mentalität"

SID
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Köln (SID) - Das Whistleblower-Ehepaar Julia Stepanowa und Witali Stepanow traut sich auch sechs Jahre nach der Aufdeckung des Dopingskandals im russischen Sport nicht zurück in seine Heimat. "Wenn sie uns hier in Amerika töten, wird alles unabhängig untersucht, und die ganze Welt erfährt die Wahrheit. Wenn sie uns in Russland töten, werden die Russen es untersuchen und behaupten, es sei ein Unfall", sagte die frühere Leichtathletin Stepanowa dem britischen Evening Standard.

Seit Montag wird vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne der Einspruch Russlands gegen die von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ausgesprochene Vierjahressperre verhandelt. Stepanowa und ihr Mann, der bei der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA arbeitete, hatten in der ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping" 2014 als Kronzeugen ausgesagt. Das Paar wohnt mit dem gemeinsamen Sohn an einem unbekannten Ort in den USA.

"Wir glauben nicht, dass sich etwas geändert hat", sagte Witali Stepanow. "Die Anti-Doping-Bewegung hat weiterhin große Probleme in fast allen Ländern dieser Welt." Stepanowa erklärte, aus ihrer Sicht liege "Betrug in der russischen Mentalität". Sie fühle sich nicht wie eine Heldin, aber: "Ich bin froh, die Wahrheit zu sagen. Ich muss die ganzen Lügen nicht mehr mit mir herumtragen."

Am 9. Dezember 2019 hatte die WADA die RUSADA ausgeschlossen und das Land mit einer Vierjahressperre belegt. Grund sind Manipulationen an Daten aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor. Im Falle der Bestätigung droht Russland der Ausschluss von den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, den Winterspielen in Peking 2022 und den Sommerspielen in Paris 2024.